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Von Brigitte Kratzwald

Die Aktionskonferenz Care Revolution im März 2014 in Berlin stellte eine Art Wendepunkt in der
Care-Diskussion dar: Die Argumentation bewegte sich aus der häufig anzutreffenden Defensiv- und
Opferposition hin zu einem selbstbewussten Verständnis von Care als Grundlage für jede Form
des Wirtschaftens und Ausgangspunkt für eine neue Gesellschaftsordnung. Diese Entwicklung zeichnet
auch das Buch von Gabriele Winker nach.
9783837630404_720x720Es beginnt mit einer Beschreibung der schwierigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Care-Tätigkeiten innerhalb einer neoliberalen Familien- und Sozialpolitik und den verschiedenen Strategien, mit denen Betroffene darauf reagieren. Charakteristisch für das Buch ist, dass dabei immer bezahlte und unbezahlte Arbeit berücksichtigt werden, die Situation der Care-GeberInnen und Care-NehmerInnen gleichermaßen in den Blick kommt und die Selbstsorge nicht vergessen wird.
Nach einer umfassenden und kompetenten Analyse der ambivalenten Bedeutung von Sorgearbeit im Kapitalismus wird klar, dass individuelle Lösungsstrategien nicht zielführend sind, weil die Care-Krise immanenter Bestandteil des Prozesses der Kapitalverwertung ist. Der Kapitalismus war noch nie in der Lage, die Bedürfnisse auch nur des Großteils der Menschheit zu befriedigen. Continue Reading »

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“Wünschen (ist) eine wunderbare Sache, denn es bringt den Menschen dazu, das, was gegeben ist, zu überschreiten. Das Wünschen ist eine treibende Kraft, um die Realität zu verändern. Wer aber zermürbt wird, hat keine Kraft zum Wünschen; er wird eher dazu neigen, die Realität so zu akzeptieren, wie sie ist.” So lautet eine der Kernpassagen des längeren Interviews, das Pit Wuhrer und Wolfgang Storz für die WoZ mit dem bekannten, 1940 geborenen (Ethno-)Psychoanalytiker Mario Erdheim in Zürich geführt haben. Erdheim begrüßt die “Wunschexplosion” der Gegenwart, wenn sie sich denn auch auf die Arbeitswelt beziehen würde. Eine andere, interessante Passage lautet: “Es ist dem Menschen zumutbar, sich mit der Realität auseinanderzusetzen – auch wenn sie angsterregend ist”.

Das ganze Interview ist hier auf der website der Schweizer “WochenZeitung” online. Dort ist dann auch die Couch zu sehen….

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Es ist ein über weite Strecken in gutem Sinne kurzweiliges Buch. Das ist bei Gegenstand und Titel nicht unbedingt zu erwarten. Walter Baier, von 1996 bis 2006 Vorsitzender der KPÖ, heute Koordinator des linken Think-Tank-Netzwerkes transform!Europe, nimmt uns mit auf eine Reise durch die Linke im Europa der letzten 100 Jahre. Ausgehend von einer Darstellung verschiedener linker Parteien mit ihren Positionen zur EU im Zusammenhang mit den letzten Wahlen zum EP analysiert er die historischen Wurzeln der Positionierung der einzelnen linken Parteien zur Europäischen Integration, ihre Spezifika, befragt ihre Strategien, untersucht Bündniskonstellationen und stellt die Frage, unter welchen Bedingungen Linke Einfluss in der Gesellschaft erlangten und verloren. Ausführlich widmet sich Baier auch den kommunistischen Wurzeln vieler dieser Parteien mit ihren Widersprüchen wie auch natürlich den Entwicklungen speziell in Österreich. Ein eigenes Kapitel ist der Frage des Populismus gewidmet. Dabei erinnert er an viele Dinge, die man gelegentlich gehört und z.T. schon wieder vergessen hat und stellt die vielfältigen, z.T. tragischen Auseinandersetzungen um die Positionierung der Linken zur Europäischen Integration vor. All dies ist versehen mit einer Vielzahl von Tabellen und Diagrammen. Continue Reading »

P1050484Das größte Linux-Event 2015 in diesem Land (so Heise.de): die Chemnitzer Linux-Tage. Ist ja quasi um die Ecke! Also nix wie hin und so all den Projekte, die mir sonst nur als mehr oder minder flüchtige Webseiten vor den Augen vorbei flimmern, in Gestalt ihrer Macher- und AktivistInnen begegnen. Meine Auswahl aus dem vollgepackten Programm mag beliebig wirken bzw. einen roten Faden vermissen lassen. Aber keine der Veranstaltungen hat mich enttäuscht oder gelangweilt, und die Zusammenhänge ergaben sich oft in den Flurgesprächen bzw. zwischen den Ständen, an denen Debian, Ubuntu und Co. ihre Alternativen zum Internet der Großkonzerne und der Massenüberwachung präsentierten.

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[Eine Rezension von Torsten Bewernitz]

Der kleine Wissenschaftsverlag Offizin aus Hannover hat Aufmerksamkeit allein schon deswegen verdient, weil er sich mit der Gesamtausgabe der Schriften des dissidenten Marxisten Karl Korsch hervorgetan hat. Beachtenswert sind insbesondere auch die Publikationen des Politikwissenschaftlers Gregor Kritidis. Ich möchte diese Rezension nutzen, um auch auf dessen – leider teure, aber auch entsprechend umfangreiche – Dissertation „Linkssozialistische Opposition in der Ära Adenauer“ aufmerksam zu machen, die 2010 ganz zu Recht von der Rosa Luxemburg Stiftung mit deren Wissenschaftspreis ausgezeichnet wurde. Continue Reading »

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Foto2.3.2015Zweifellos kann nur begrüßt werden, dass viele Linke in Europa, in der EU und auch in Deutschland darüber nachdenken, wie sie ihren Freundinnen und Freunden, ihren Genossinnen und Genossen in Griechenland Unterstützung geben können. Besonders engagiert sich wie so oft Luciana Castellina: Sie analysiert und stellt klar, dass insbesondere die Linken in der EU gefordert sind, den Regierenden mit Syriza-Mandat zu Erfolg zu verhelfen. Continue Reading »

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“Joy Forever” refers to the false promise of a common happiness, constantly played out by the proponents of the creative class and creative economy – the very promise that since Romanticism has been ascribed to art itself, a vow which remains unfulfilled. The aim of F/SUW‘s publication is to scrutinize the false promises of distributed creativity as an ideology of cognitive capitalism. The authors devote themselves to critical examination of the structural links between art, creativity, labour and the creation of value under contemporary relations of production. Some of them do not stop at a critical diagnosis but go further, reflecting upon potential alternatives to the status quo.

The book covers more than the issues of a narrowly understood art world, despite the fact that it pays a lot of attention to them. Art is conceived here as a social lab, where innovative ways of organizing of labour, socializing both for labour and through labour, as well as different types of production, speculation, generation and accumulation and appropriation of value are experimented with and tested.

Autor_innen: Hans Abbing, Joanna Bednarek, Luc Boltanski, Isabelle Bruno, Neil Cummings, Diedrich Diederichsen, Freee Art Collective, Isabelle Graw, Alex Neumann, Precarious Workers Brigade, John Roberts, Gigi Roggero, Martha Rosler, Stevphen Shukaitis, Massimiliano Tomba, Marina Vishmidt.

PDF Version hier als PDF.

Herausgeber_innen: Free/Slow University of Warsaw, MayFly Books  and Bęc Zmiana Foundation. Die Druckversion ist u.a. über MayFly Books erhältlich.

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RosaHellblauFalle_kunstmann1918 schrieb „The Ladys Home Journal“, ein amerikanisches Frauenmagazin: „Die allgemein akzeptierte Regel ist Pink für den Jungen und Blau für das Mädchen. Das liegt daran, dass Pink stärker ist, während Blau feiner und eleganter ist“. Dieses Beispiel zeigt sehr gut, wie geschlechtliche Zuschreibungen (ebenso wie Körper- und Schönheitsnormen) sich im Laufe der Zeit verändern, mithin veränderbar sind.

Aber das Gegenteil ist heute der Fall: Im Freundeskreis und in den Medien wird viel über einen Backlash bei den Geschlechterrollen debattiert, gerade unter Kindern: Rosa Prinzessinnen, Sterne und ähnliches für die Mädchen, Actionfiguren und Roboter für die Jungs scheinen sich immer weiter auszubreiten. Schnerring/Verlan wollen mit ihrem Buch diesem Trend entgegenwirken. Ihre These lautet: Es gibt keine geschlechterneutrale Wirklichkeit, aber sehr wohl eine geschlechtergerechte Erziehung. Diese ist dringend notwendig, erfordert allerdings Knowhow.

Nützliches Knowhow geben die beiden, die selbst drei jüngere Kinder haben, auch wenn die gewählte Sprache teilweise etwas akademisch ist. Sie meinen, man kann sehr wohl Einfluss nehmen oder „Nein“ sagen. Sie geben zu bedenken, dass Kinder sich kaum „frei entscheiden“ können, wenn sie in Schule, Elternhaus, Medien und durch ihr Spielzeug von Klischees umgeben sind. Continue Reading »

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230_evropaMancher Bericht kommt spät, aber er kommt und er war schon lange fertig … Gemeint ist unser Bericht vom 4. EU-ExpertInnen-Gespräch in Belgrad. Dass er jetzt wirklich kommt, hat einfach damit zu tun, dass das 5. Gespräch konzipiert wird. Da soll es zum einen um die Frage gehen, wie sich die EU seit Beginn der globalen Finanz- und insbesondere der Eurokrise verändert hat. Zum zweiten interessieren die Szenarien weiterer EU-Entwicklung und zum dritten, was das für die Linken in Europa heißt.  More

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radioactive-400x320 Das Memorandum ist aus  der RLS-Arbeitsgruppe “Ukraine” hervorgegangen. Zu seiner Vorgeschichte gehören verschickte Fragebögen und geführte Interviews. Mit politisch und/oder wissenschaftlich Engagierten in verschiedenen EU-Ländern, in Russland, in der Ukraine, in den USA und in Kanada wurde kommuniziert. Die Herausforderung ist nun, das Memorandum als Diskussionsangebot zu nutzen, es fortzuschreiben und einen transnationalen Kommunikationszusammenhang zu schaffen.

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Hurrelmann_GenerationY_K1_140312.inddNach den Babyboomern (geboren 1955-1970) und der Generation X (geboren 1970-1985) hat das Feuilleton und die Jugendsoziologie nun die Generation Y ausgerufen. Diese Generation der derzeit ungefähr 18-30 Jährigen stellen der renommierte Jugendforscher Klaus Hurrelmann (geb. 1944) und der halb so alte Journalist Erik Albrecht in ihrem Buch vor. Sie werten vor allem Literatur bzw. bereits vorliegende Studien und Umfragen aus, Albrecht hat wohl auch Interviews geführt.

Quantitativ umfasst diese Generation ca. 12 Millionen Personen, also 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, während die Babyboomer eineinhalb Mal so viele sind (der Peak war 1964, in diesem Jahr gab es 1,4 Millionen Geburten). Die Anzahl der über 65-Jährigen beträgt heute über 20 Millionen, ebenso die der unter 20-Jährigen. Die geringe Anzahl der Angehörigen der Y-er-Kohorte und ihr derzeitiger geringer Einfluss darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, so eine der zentralen Thesen des Buches, dass diese Generation auch irgendwann (verspätet) die Geschicke Deutschland entscheidend prägen wird. Zweitens, und weit wichtiger, werden die Bedürfnisse und Vorstellungen dieser Generation Bildung, Freizeit, Politik und vor allem Familie, Beruf und die gesamte Arbeitswelt verändern. Nicht zuletzt ist und war die Jugend schon immer ein Seismograph für anstehende Veränderungen. Continue Reading »

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Unserer Konferenz fällt zu, ein fatales Defizit in all den Mainstream-Feiern der Herbstereignisse ´89 zu schließen. Ausführlich wurden und werden gefeiert: der Gewinn individueller Freiheiten, Demokratie, Pluralismus, Rechtstaatlichkeit, betriebswirtschaftliche Effizienz und manches mehr. In das Lob solcher Seiten der Moderne kann eine vernünftige Linke nur einstimmen. Das Fehlen dieser Modernequalitäten hat dem Staatssozialismus das Genick gebrochen. Aber im offiziellen 25 Jahre-Trubel wurde meist vergessen zu vermerken, dass die Ostdeutschen in eine durch soziale Klüfte höchst ungleiche Verteilung der individuellen Freiheiten gerieten. Und dass die individuelle Freiheit nach einem Befund Frank Schirrmachers zum Moment der Verwandlung des Menschen in eine “Egomaschine” wird, die nur zwei Gene kennt, “eines für Egoismus und eines für Profit (und vielleicht noch ein drittes für Angst).” (140) Vergessen auch, dass die Demokratie durch die Übermacht transnationaler Unternehmen und internationaler Finanzimperien immer mehr ausgehöhlt wird. Dass die Rechtstaatlichkeit wachsende Ungerechtigkeit nicht ausschließt. Dass die Effizienz der Unternehmen eingebunden ist in die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen und kommenden Generationen. Und Deutschland hat wieder teil an Kriegen, die das Problem sind statt Probleme zu lösen. Weiterlesen

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Mit folgendem Beitrag beteiligte ich mich an der Konferenz »Wir brechen unwiderruflich mit dem Stalinismus als System«, die Ende der vergangenen Woche in Berlin stattfand:

Ich möchte vor dem Hintergrund des Sonderparteitages von SED/PDS und seiner Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR zwei aktuelle Bemerkungen machen. Die erste bezieht sich auf Joachim Gauck, die zweite auf den Begriff Unrechtsregime. Und da übernimmt meine Katze dann eine Schlüsselrolle. Weiterlesen im ND

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Lesenswerte Beiträge in Tageszeitungen gehen ja oft unter in dem Stapel Altpapier, auf dem sie im Tagesgeschäft landen. Das ist traurig, da viele Debatten entlang von Jahrestagen oder anderen Konjunkturankern immer wieder aufpoppen, das jedoch keine Garantie für steigende Qualität von Beiträgen in den Neuauflagen solcher Debatten bedeutet. Daher will ich hier schon mal für die sicherliche spätestens 2019 wiederkehrende Unrechtsstaats-Debatte festhalten, wie Stephan Ripplinger am 4.11.2014 im Neuen Deutschland argumentierte: Indem er den Begriff des Unrechtsstaats aus der trüben Moralsauce fischt, auf der er üblicherweise wie ein schuldzuweisendes Fettauge treibt, um ihn stattdessen wie einen analytischen Begriff zu benutzen. Der Effekt: Aus einem antikommunistisch-disziplinatorischen Moralbegriff wird ein rationales, herrschaftskritisches Analysewerkzeug. Der zentrale Absatz dieses begriffstransformatorischen Zaubertricks:

»Unrechtsstaat« ist fast ein Pleonasmus. Denn es muss einer nicht Thomas Hobbes gelesen haben, um zu wissen, dass sich Staaten in der Gewalt gründen und dann Gewalt ausüben, die sie »Recht« nennen. Dass dieses Recht von außen oder von unten wie Unrecht aussieht, sollte deshalb nicht überraschen. Also ist für seine Nutznießer ein »Rechtsstaat«, was für seine Opfer und für Dritte ein »Unrechtsstaat« sein kann.

Mittlerweile ist der Artikel auf den Seiten des ND in voller Länge nachlesbar.

 

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kurvenpfeilSeit September 2014 ist das Portal theoriekritik.ch online. Es ist ein Web-Forum, das zum Ziel hat, auf Debatten und Publikationen im linken Kontext hinzuweisen und deren politische Relevanz zu vermitteln.

Ausgangspunkte
Theoriekritik.ch geht von folgender Situationsanalyse aus:
a) Was die politische Theoriearbeit im linken Kontext der Schweiz angeht, ist die Situation von zwei divergierenden Einschätzungen geprägt. Die einen sprechen von einer durch die kapitalistischen Verhältnisse strukturell bedingten und in den Individuen psychologisch verankerten Theorieferne bis -feindlichkeit sowie einem daraus resultierenden theoretischen Informationsdefizit. Die anderen postulieren eine Korrumpierung von theoretischen Bemühungen durch die von den Massenmedien geprägten Rezeptionsstandards bzw. eine Anbiederung an ein sogenanntes Zielpublikum.
b) Aus diesem Dilemma resultiert oft eine implizite Verabschiedung des Nützlichkeitsanspruchs von Theorie und Kritik. Aber die zweckfreie Vertiefung in die Sache ist leider oft erkauft mit einem starken Hang zur Partikularität und Nischenbildung, vor allem im Rahmen des universitären, fachspezifischen Expertentums oder in politisch-aktivistischen Kreisen. Sichtbare Zeugen dieser Situation sind überspezifizierte Fachzeitschriften im universitären Rahmen sowie kleine und kleinste Zeitschriften im politischen Feld, die sich voneinander abgrenzen und aufeinander kaum Bezug nehmen. Continue Reading »

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