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x478Die Kunst und das historische Bild des Künstlers (und das der Bohème), das von Originalität, Genialität und Unabhängigkeit geprägt ist, dient heute als Vorbild für die postmodernen Angestellten und Freelancer, zumindest jene der Wissenschaft und der Kreativwirtschaft, wenn nicht darüber hinaus. Diese Arbeitenden sind kreativ, belastbar, sie sind flexibel und denken und agieren eigenverantwortlich.

In der Praxis bedeutet Künstler_in-Sein heute aber für die meisten Unsicherheit und Abhängigkeit, nicht zuletzt auch Abhängigkeit von Zufall und Glück. In Österreich sind laut offizieller Statistik dreiviertel der in Frage kommenden auf das außerhalb der Kunst erzielte Einkommen angewiesen. Diese Prekarisierung wird dann durch einen Freiheitsmythos ideologisch und persönlich versüßt. Die Grazer Künstlerin und Ethnologin hat für ihre Diplomarbeit zehn Künstler_innen aus Graz interviewt, von denen sie sechs in ihrer Arbeit näher vorstellt. Darunter sind erfolgreiche und weniger erfolgreiche.

Sie tippt viele Themen an. Da ist zum einen Graz, die mit 280.000 Einwohner_innen zweitgrößte Stadt Österreichs, die unter anderem durch den seit 1968 jährlich stattfindenden „steirischen herbst“ ein avantgardistisches Image hat. Dieses wurde durch die herrschaftsförmige Ausrufung von Graz als „City of Design“ 2011 entscheidend transformiert. Da sind zweitens die Interviewten, die, so die Autorin, durchgängig das unternehmerische Denken verinnerlicht hätten, wenn nicht überhöhen würden und (deswegen?) wenig Bereitschaft zur Selbstreflektion zeigen würden.

Bezugnehmend auf Foucault, Bourdieu, Isabell Lorey und Boltanski/Chiapello kompiliert Fuchs nun den theoretischen Rahmen ihrer Forschung bzw. unternimmt mit dessen Hilfe die Interpretation ihrer Interviews. Ihr geht es um das Künstlersubjekt und seine Transformation und um das Verhältnis von Erfolg, Risiko und Freiheit. Bemerkenswert sei, so Fuchs, dass der Künstler auch historisch mit vielen, teilweise widersprüchlichen Eigenschaften beschrieben worden sei: Genie, schöpferisch, verrückt, eigensinnig, subversiv, auf jeden Fall „anders“ als der Mainstream. Continue Reading »

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Gerade wird die aktuelle Ausgabe des transform-Jahrbuches ausgeliefert. Wie immer handelt es sich dabei wie immer zuerst um das englischsprachige „Original“. Aus dem deutschen Sprachraum sind unter anderem Gabriele Winker, Uta von Winterfeld, Karola Boger, Joachim Bischoff, Michael Brie mit dabei. Im Schwerpunkt des Heftes „Rätsel Europa“ finden sich Beiträge von Étienne Balibar, Jeremy Corbyn und Yanis Varoufakis.

Die deutschsprachige Ausgabe wird in der zweiten Hälfte des Monat März bei VSA Hamburg erscheinen.

IMG_0420Dennis Eversberg und Matthias Schmelzer haben mittels Befragung das Selbstverständnis der Degrowth-Bewegung untersucht.
Auch wenn Wachstumskritik en vogue ist – in einer Rangliste der „Top 10 Grassroots Movements“ des australischen „Shift Magazine“ nahm es jüngst sogar den ersten Platz ein – gibt es zu Degrowth als einer sozialen Bewegung bisher kaum Forschungen.
In ihrem neu erschienenen Aufsatz im Forschungsjournal Soziale Bewegungen (1/2016) präsentieren sie – basierend auf einer Fragebogenerhebung, an der sich 814 der Teilnehmenden der Leipziger Degrowth-Konferenz 2014 beteiligten, und einer umfassenden Clusteranalyse – erste empirische Befunde zum Charakter dieser Bewegung in Form von vier Thesen.
Im Kern argumentieren sie, dass Degrowth eine entstehende, aber in sich heterogene soziale Bewegung sei, die im Kern für eine Kapitalismus- und Herrschaftskritik steht, die die individuelle und kollektive Praxis im Hier und Jetzt zum zentralen Ausgangspunkt umfassender Gesellschaftsveränderung macht. Sie umreissen fünf Strömungen, die jeweils ungefähr gleichgewichtig anzutreffen seien:

  • Suffizienzorientierte Zivilisationskritik
  • Immanenten Reformismus
  • Voluntaristisch-pazifistischen Idealismus
  • Modernistisch-rationalistische Linke und
  • Libertäre Praxislinke.

Ihr einführender Text ist hier online, der gesamte Aufsatz kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Gemälde und Foto: Claudia Bär, 2015.

occupationDer nachfolgende Text ist dank e-communication und vor allem der Arbeit von Thomas Sablowski schon verschiedenartig gekreist, aber er passt so richtig gut zu mehring1. Daher also auch hier:

Ich hasse den Neujahrstag

Jeden Morgen, wenn ich unter der Decke des Himmels wieder aufwache, fühle ich, dass für mich Neujahr ist.

Deshalb hasse ich diese Jahreswechsel mit unverrückbarer Fälligkeit, die aus dem Leben und dem menschlichen Geist ein kommerzielles Unternehmen mit seinem braven Jahresabschluss, Continue Reading »

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competition-europa-quizMit Post vom 17.7.2015 war das 5. EU-ExpertInnenGespräch angekündigt und es ist so gut gelaufen, dass eine kleine Information angeraten ist. Die Auswertung wird noch viel Arbeit und Zeit erfordern, aber ein Blick auf den Blog zum Projekt wird sicher Appetit „auf mehr“ machen. Erst recht, weil die aktuelle Blog-Seite zum Video der Lecture mit James Galbraith führt. Continue Reading »

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Untersuchung zum Verhältnis von Theorie und Praxis im Sinne sozialistischer Transformation

Unter sozialistischer Transformation verstehe ich einen pluralen Konstituierungsprozess einer post-kapitalistischen Gesellschaft, der mit der Dominanz der Kapitallogik bricht und dabei individuelle und kollektive Freiheit als füreinander konstitutive und für eine vernünftigere und gerechtere Gesellschaft unverzichtbare Bedingungen zu verwirklichen beabsichtigt. Dabei müssen einige Elemente der bestehenden Ordnung ausgebaut, andere umstrukturiert und wieder andere dekonstruiert werden. Weil wir es hierbei mit einem komplexen Prozess zu tun haben, steht Eindimensionalität im Denken und Handeln der Transformation dieser entgegen.Ich möchte daher in der vorliegenden Arbeit versuchen, einige Erfordernisse und Herausforderungen zu erhellen, mit denen wir als Linke konfrontiert werden, wo immer wir für wirkliche Emanzipation streiten. Ich stütze mich dabei vor allem auf das Denken des Philosophen Louis Althusser, der entscheidend zu einer Erneuerung des Marxismus beigetragen hat. Seine Texte dienten mir bei der Arbeit als stete Quelle der Inspiration. Weiterlesen

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Leona Christensen, Hauptfigur in Venus siegt Bild: Klaus Scherwinski und Luisa Preissler, 2015

Leona Christensen, Hauptfigur in Venus siegt
Bild: Klaus Scherwinski und Luisa Preissler, 2015

2016 steht vor der Tür, dann kommt 2017 und damit viele 100ste Jahrestage mit möglicherweise spannenden, vielleicht aber auch ernüchternd bis erschütternden geschichtspolitischen Debatten: russische Revolution, Bolschewismus, Beginn des großen sozialistischen Versuchs im 20. Jahrhundert usw. Schon 2015 hat Dietmar Dath mit „Venus siegt“ einen Science-Fiction-Roman vorgelegt, mit dem er einen zukunftsweisenden Aufschlag zu diesen Debatten leistet.

Die UdSSR auf der Venus? Gigantische Roboter als Politkommissare? Ein weiblicher Stalin? Höhere Mathematik und posteuklidische Mengenlehre als politische Theorie? Das alles und noch viel mehr findet sich in Dietmar Daths neuem, furiosen SiFi Roman „Venus siegt!“ Mehr von dieser Rezension

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In den vergangenen Jahren haben so unterschiedliche TheoretikerInnen wie Slavoj Zizek, Jacques Rancière, David Harvey, Chantal Mouffe und Toni Negri auf sehr ähnliche Weise betont, der Kampf um Demokratie sei zentraler Bestandteil eines neuen linken Projekts. Die alte These des Sozialdemokraten Eduard Bernstein, wonach „Demokratie Mittel und Zweck zugleich“ sei, nämlich ein „Mittel zur Erkämpfung des Sozialismus“, aber auch „die Form seiner Verwirklichung“, scheint durch den Zusammenbruch des Ostblocks bestätigt. Weiterlesen

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Intim werden! Mit Geschichte und Wissenschaft.

Intim werden! Mit Geschichte und Wissenschaft. via

Kürzlich weilte ich in einem außerparteilichem Gesprächskreis Linksdenkender, die regelmäßig und ernsthaft Problemthemen aus Deutschland, Europa und der Welt mit anspruchsvoller Tiefe diskutieren, mit Erkenntnisnutzen für alle. Im Zusammenhang mit der Frage, wie die Partei DIE LINKE ihren parlamentarischen Einfluß vergrößern könne, entwickelte ich den Gedanken, daß bei unverzichtbarer Akzeptanz und dem Gebot – sozusagen als gesellschaftliche Katalysatoren – außerparlamentarischer Aktionen (wie Mahnwachen, Demo’s, Plakataktionen, Unterschriftenaktionen, Streiks bis zum Generalstreik) den Sozialwissenschaften und darin eingeschlossen der Transformationstheorie als dauerhaftem Wegweiser eine äußerst wichtige Rolle zukomme. Weiterlesen

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Zu Münzenberg

logo1Der Internationale Willi-Münzenberg-Kongress, der vom 17. bis 20. September dieses Jahres in Berlin veranstaltet wurde, trug das Motto: „Globale Räume für radikale Solidarität“. Insofern sollte der Bogen geschlagen werden von den globalen Verhältnissen, gegen die die Linke seit über 150 Jahren ankämpft, über die konkreten Solidaritätsaktionen in der Zwischenkriegszeit, die vor allem mit dem Namen und der Person Willi Münzenberg (1889-1940) verbunden waren, bis zu seinem Schicksal und den Umständen seines Todes beziehungsweise seiner Ermordung. Das ist weitgehend gelungen, auch wenn die einzelnen Facetten oft eher nebeneinander standen, als integriert verbunden zu sein. Aber vielleicht war dies auch von Vorteil, weil die unterschiedlichen Aspekte des Lebens und Wirkens von Münzenberg einerseits und der Analyse der Weltumstände und der Frage nach der Solidarität in der Welt andererseits durchaus eigenständig erörtert werden konnten. So bot die Konferenz auch Platz für den Vortrag des russischen Historikers Alexander Shubin über die „Position von Zimmerwald in der russischen Revolution“ von 1917.

Unter dem Titel „Zu Münzenberg“ habe ich in den vergangenen Wochen vier kleinere Texte zum Themenkomplex beigesteuert. Sie lassen sich in der „Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft. Das Blättchen“ nachlesen: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

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Vergleicht man eine Veranstaltung unserer ukrainischen PartnerInnen vom Commons Journal für Gesellschaftskritik (von denen nicht Wenige in dem neuen Parteiprojekt «Соціальний рух» aktiv sind) vom Oktober 2014 mit jener vom 7. November, kommt Freude auf: Die Beteiligung hat sich zahlenmäßig verdreifacht. Das erreichte Spektrum war wiederum vor allem von Intellektuellen geprägt, aber die Präsenz „aus der Arbeiterklasse“ war weit mehr als einfach „bemerkenswert“. Continue Reading »

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Rolf Reißig hat auf der Transformationskonferenz Ende September 2015 bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung in seinem Ehrenvortrag bereits einleitend von der Flüchtlingskrise gesprochen und, noch zurückhaltend in der Formulierung, darauf hingewiesen, dass die Flüchtlingskrise den Wandlungsdruck auf Gesellschaft und Politik erhöhen wird. Wir Teilnehmer an dieser Konferenz haben das als richtige Schlussfolgerung zur Kenntnis genommen und uns den weiteren Fragen gewidmet. Sozusagen transformationswissenschaftliche Routine. Weiterlesen

Marx wieder komplett

karl_marxPop1Dieser Tage ist der Band 13 der Marx-Engels-Werke in einer überarbeiteten Auflage erschienen. Damit haben die Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Karl Dietz Verlag dem Projekt der Überarbeitung der „blauen Bände“ einen weiteren Mosaikstein hinzugefügt, womit auch die Gesamtausgabe wieder komplett lieferbar ist. Der Textkorpus blieb dabei natürlich erhalten, so dass die Kompatibilität zwischen den Auflagen erhalten bleibt. Rolf Hecker hat ein Vorwort hinzugefügt, in dem aus den neuesten Ergebnissen der MEGA-Forschung heraus der Kontext und die Rolle der in diesem Band wiedergegebenen Schriften beleuchtet wird.
Tatsächlich ist dieser Band nicht nur ein Mosaikstein der Werkausgabe, es ist auch eine kleine Perle. Für die ideengeschichtlich Interessierten ist sicher die 1859 veröffentlichte Schrift „Zur Kritik der Politischen Ökonomie – Erstes Heft“ wichtig. Hier werden die Konturen des dann acht Jahre später erscheinenden ersten Bandes des „Kapital“ (die vierte Auflage bildet dann die Grundlage des Bandes 23 der MEW) deutlich. Doch der Band wird vor allem durch die hier dokumentierten publizistischen Arbeiten von Marx und Engels auch für ein viel breiteres Publikum lesenswert. Den meisten Raum nehmen Artikel ein, die beide für die New York Daily Tribune in den Jahren 1859 und 1860 geschrieben hatten. Die beiden Autoren begegnen uns hier als Analytiker politischer und militärischer Entwicklungen – wie uns Marx im ersten Teil des Bandes als Kritiker von Theorie und Praxis der bürgerlichen Ökonomie begegnet. Im Zentrum stehen dabei die Auseinandersetzungen zwischen Preußen, Österreich und Frankreich. Die Texte kann man durchaus als eine unterhaltende Geschichtsstunde verstehen, in denen Machtverhältnisse, Interessen und Affären der handelnden Gruppen offen gelegt werden. Hier werden die Interessengegensätze der europäischen Mächte, die ein reichliches halbes Jahrhundert später im Ersten Weltkrieg münden schon sichtbar. Continue Reading »

Auf einer Landrechteversammlung (Bildquelle: Wikipedia)

Ich möge doch ein paar Zeilen über meine Eindrücke auf den Philippinen weitergeben, wurde ich immer wieder gebeten. Gern tue ich das. Mögen die Philippinen auch geografisch so weit entfernt von uns sein, sind sie uns aber doch näher als zunächst vermutet. Wie nah sie uns tatsächlich sind, mögen die folgenden Zeilen erläutern. Auch wenn sie nur einen ausschnitthaften Blick auf die Realitäten im Land geben können, sprechen sie von einer Realität, die in den Medien keinen Platz hat.

Besonders hinweisen möchte ich auf die im Bericht beschriebene schlimme Menschenrechtsverletzung und das Massaker. Ich suche danach, wie der Vorfall bekannter gemacht werden könnte. Auch wenn es im Zeitalter des Extraktivismus schon alltäglich geworden ist, darf man sich nicht daran gewöhnen. Es geht um das Massaker an einer indigenen Bevölkerung auf Mindanao, die sich weigert ihr „heiliges Land“ den Bergbaukonzernen zur Plünderung zu überlassen.

Weiterlesen im Bericht (PDF)

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tarifazeroEs ist schon interessant, wie die Diskussion zum Thema unentgeltlicher öffentlicher Nahverkehr „in Fahrt“ kommt. In diesem Herbst tut sich ganz besonders viel, sogar in Deutschland und nicht erst zuletzt bei der LINKEn mit ihrer Bundestagsfraktion. Das spricht dafür, auch hier das Forschungsprojekt zum Thema etwas weiter vorzustellen und daher eine kleine Präsentation einzustellen. Die Forschung fokussiert auf Akteure für free public transport als Akteure sozialökologischer Transformation. In der Präsentation finden sich nicht erst zuletzt Hinweise auf Websites und facebook-Gruppen. Aber dort ist noch nicht jene, die Initiativen für eine sozialökologische Verkehrswende vernetzen helfen will, aufgeführt. Die Präsentation weist auch auf weitere Vorhaben hin, wozu auf jeden Fall das Weltsozialforum 2017 gehört. In Montreal gibt es eine starke Initiative für unentgeltlichen ÖPNV.

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