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Aus Anlaß der Revolution 1905

Luxemburg bezeichnet im 1. Kapitel ihres Manuskripts „Zur russischen Revolution“ die Revolution(en) des Jahres 1917 als „Frucht der internationalen Entwicklung und Agrarfrage“ und sie verweist auf die „Sturmflut in den Jahren 1911 bis 1913“ in Russland. (vgl. Luxemburg 1974 [1918], 332)  Was meint sie damit?

Die Zeit nach der Revolution 1905 bis 1907 war durch Unterdrückung jeglicher Opposition und gleichzeitig wachsender Unzufriedenheit mit den Verhältnissen auf allen Seiten des politischen Spektrums in Russland geprägt: Die Reaktionäre waren mit den aus ihrer Sicht überzogenen Reformen unzufrieden, die Grundbesitzer erwarteten Förderung seitens der Regierung, die Unternehmer beklagten das Steuersystem und die Konkurrenz von Staatsbetrieben, die Intelligenz verurteilte Repressionen gegen akademische Einrichtungen, die Bauern forderten die Liquidation des Grundbesitzes (1910 bis 1913 kam es zu mehr als 13.000 Aufständen von Bauern) und die Arbeiter griffen immer öfter zum Streik als Mittel der Durchsetzung ihrer Interessen. Zwischen 1907 und 1909 wurden „mehr als 26.000 Menschen in politischen Prozessen verurteilt, darunter 5086 zum Tode. 1909 befanden sich rund 170.000 Gefangene hinter Kerkermauern. Die legalen Gewerkschaftsorganisationen waren unaufhörlichen Repressalien ausgesetzt; ihre Mitgliederzahl sank von 246.000 bis 250.000 im Jahre 1907 auf 13.000 (Ende 1909).“ (vgl. Laveryčev 1977, 244) Hagen meint gleichzeitig in dieser Zeit das Entstehen einer demokratischen Öffentlichkeit ausmachen zu können. Dies ist sicher nicht ganz unberechtigt. Das war sicher auch dadurch bedingt, dass der Staatsapparat, hier vor allem die Zensur, gar nicht in der Lage war, alles zu kontrollieren, so dass Milderungen eher Nachvollzug der Realität war.

Die Auseinandersetzungen sowohl innerhalb der russischen Oberschichten als auch zwischen Kapital und Arbeit spitzten sich zu, als der Streik auf den Goldfeldern im Lena-Gebiet (April 1912) blutig niedergeschlagen wurde. 170 Arbeiter wurden bei der Niederschlagung der Proteste getötet, 196 verwundet. Continue Reading »

Unsanierter Hof John-Scheer-Straße Berlin Prenzlauer Berg.JPG

Martin Künzel, Berlin, CC BY-SA 3.0

Holm demontiert, die Linke in der Regierung auf die Plätze verwiesen, Business as usual, was den Ausverkauf der Stadt angeht. Da stehen wir jetzt mit dem ersten großen Koalitionskrach von rot-rot-grün in Berlin. Ernsthaft: Da kann es kein Weiter-So geben. Weder aus stadt- und mietenpolitischer Perspektive, noch aus einer partei-linken, eher strategischen Sichtweise. Vielmehr müssen sich jetzt doch wenigstens 13 Abgeordnete der berliner Linkspartei-Fraktion finden, die Herz und Hirn und Rückgrat an der richtigen Stelle haben und zu dem stehen, wofür sie Wahlkampf gemacht haben und wofür sie gewählt wurden: Einen Wechsel in der Stadt- und Wohnpolitik. Die Stadt nicht mehr für die, die auf diesem Geschäftsfeld möglichst hohe Renditen erwirtschaften wollen, sondern für die, die in ihr wohnen wollen oder müssen. Soll Müller sich seine Stimmen doch bei der FDP holen. Dann sind wenigstens die Verhältnisse klar. Weiterlesen

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Wie weiter mit dem Kapitalismus, der zur Gesellschaftsordnung gewordenen Produktionsweise, die soziale Verhältnisse zerrüttet, Mensch und Umwelt zerstört? Gibt es vielleicht einen Ausweg aus der vielfach als »alternativlos« bezeichneten Situation? Der amerikanische Soziologe Erik Olin Wright entwickelt neue analytische Grundlagen, um die Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus anzuleiten. Seine Kernidee ist es, die Dominanz des Kapitalismus dadurch zu brechen, dass innerhalb des bestehenden Systems konkrete emanzipatorische Alternativen aufgebaut werden, die die Welt, so wie sie sein könnte, aufscheinen lassen und vorwegnehmen.

Die Übersetzung der englischsprachigen Originalausgabe bei Verso ist jetzt bei Suhrkamp erschienen und mit einem Nachwort von Michael Brie versehen. Auch das Einleitungskapitel ist online lesbar.

 

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Die Revolution im Februar kam nicht nur für die bürgerliche und „höfische“ Opposition überraschend. Obwohl sich die Bolschewiki im Verlaufe des Jahres 1916 reorganisieren (vor allem in den Fabriken und in der Armee) und auch andere linke Parteien sich konsolidieren können, scheint eine Revolution noch nicht unmittelbar bevor zu stehen. Führungen und viele AktivistInnen der unterschiedlichen linken Gruppen sind über die Welt verstreut. Ein bevorzugtes Ziel der Emigration von Linken verschiedener Richtung war die Schweiz, einige verschlug es nach Skandinavien, in die USA, nach Italien … Nur einige Beispiele zu Personen, die wenige Wochen später wichtige Rollen spielen sollten: Der Bolschewik Lenin und der Menschewik Martov waren in der Schweiz. Trotzki hatte es in die USA verschlagen. Der Tschernov von den Sozialisten-Revolutionären lebte in England. Die bolschewistischen Funktionäre Stalin und Kamenev (sie werden dann vor Lenins Rückkehr die starke petrograder Parteiorganisation führen) waren in sibirischer Verbannung. Die Rückkehr nach Russland bzw. in die Zentren revolutionärer Aktionen ab März 1917 zog sich über mehrere Monate, z.T. bis in den Herbst hin.

Betrachtet man die Aktivitäten der russischen SozialdemokratInnen im Exil, so deutet im Januar trotz der Unruhe im Lande (in den ersten zwei Monaten 1917 soll es über 1.000 politische Streiks gegeben haben) nichts darauf hin, dass sie mit einem kurz bevorstehenden revolutionären Sturm rechnen. Lenin sagt in einer Rede Anfang Januar: „Wir, die Alten, werden vielleicht die entscheidenden Kämpfe dieser kommenden Revolution nicht erleben. Aber ich glaube mit großer Zuversicht die Hoffnung aussprechen zu dürfen, daß die Jugendlichen, die so ausgezeichnet in der sozialistischen Bewegung der Schweiz und der ganzen Welt arbeiten, daß sie das Glück haben werden, nicht nur zu kämpfen, sondern auch zu siegen in der kommenden proletarischen Revolution.“ Diese Einschätzung mag auch mit der russischen Informationspolitik zu tun haben: Ab 20. Januar dürfen wegen einer Regierungskrise keine Zeitungen mehr ins Ausland geschickt werden. Continue Reading »

logo_5_el_congress_berlin_300x158Die Feiertage und die kurze Zeit dazwischen ermöglichten und nötigten auch und insbesondere, den Kongress der Europäischen Linkspartei etwas „Revue passieren zu lassen“. Dazu einige wenige Beobachtungen bzw. Reflektionen sehr subjektiver Natur und drei ebenfalls sehr subjektive Schlussfolgerungen:

  1. Man ist insgesamt selbstkritisch(er) und nachdenklich(er) geworden und begreift zunehmend, dass die Stärke der Gegner wesentlich mit eigener Schwäche zu tun hat und daher Veränderung der eigenen Arbeitsweise erfordert. Allerdings heißt das bei Vielen noch immer „Weitermachen, aber besser“ statt „Anders weitermachen“.
  2. Er wurde relativ wenig eigene Erfahrungen reflektiert. Hier war der Vorsitzende der KPÖ eine der sehr positiven Ausnahmen.
  3. Einige Plan-B-VerfechterInnen erklärten den Euro-Austritt als ein unabdingbares Zwischenziel linker EU- bzw. Europapolitik. Die Meisten aber meinten, dass es ihnen um eine Alternative in dem Falle gehe, da eine nächste große „Welle“ globaler Finanzkrise die Eurokrise erneut dramatisch zuspitzen würde und der Euro wieder zulasten der Bevölkerungsmehrheiten gerettet werden soll.
  4. Hochgradig bemerkenswert war die emotionale, aber inhaltlich sehr starke Rede des abgekämpften kämpferischen Alexis Tsipras, der deutlich machte, dass linke Politik vor allem Eintreten für die sozial Schwächsten und Ringen um Handlungsmöglichkeiten, eigene Prinzipien gesellschaftspolitisch wirksamer zu machen, ist. Allerdings war auch bemerkenswert, dass nicht einmal die aggressive Antwort der Gläubiger auf sozialpolitische Maßnahmen der Syriza-Regierung die Delegierten zu einer politischen Initiative pro Solidarität mit ihren griechischen Genossinnen und Genossen veranlasste. Man hat noch immer nicht Griechenland als politische Herausforderung angenommen!
  5. Interessant war auch, dass der Vorschlag von Tsipras, anstelle der üblichen ELP-Kongresse, Foren der Linken in Europa zu veranstalten, zwar wie selbstverständlich aufgenommen wurde, aber nicht als eine konkrete Veränderung überkommener politischer Praxis diskutiert wurde (siehe 1).
  6. Offensichtlich war, dass es dem neuen Präsidenten der ELP schwerfällt, links-europäisch zu argumentieren: Es war ja völlig richtig, auf die sozial und politisch verhängnisvolle Rolle Deutschlands zu fokussieren, aber warum sagte Gysi unentwegt „wir“ wenn er die Herrschenden in Deutschland oder die alte und neue Bundesrepublik meinte? Auch ist es wenig hilfreich, einen „Marshall-Plan für Griechenland“ zu fordern, wenn es um die Bekämpfung der humanitären Krise und Schritte zu sozial und ökologisch nachhaltiger Entwicklung geht.
  7. Auffallend war nicht zuletzt, dass die Geschichte und insbesondere die historischen Jahrestage 2017 de facto ungenutzt blieben, um sich mit sich selbst und all jenen auseinanderzusetzen, die sowohl den 60. Jahrestag der Römischen Verträge als auch den 100. Jahrestag der Russischen Revolution gegen die solidarisch-emanzipativen Kräfte instrumentalisieren.

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Neujahrsmarke UdSSR 1967 aus Anlaß des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution

Neujahrsmarke UdSSR 1967 aus Anlaß des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution

Um den Jahreswechsel 1916/1917 wurde das Ausmaß der Krise in Russland immer deutlicher. Die Wirtschaftskrise vertiefte sich – und damit verschlechterte sich die Versorgung der Bevölkerung und der Armee. Die Produktion von Energie sank, genauso wie die kriegswichtiger Güter der Metallurgie und metallverarbeitenden Produktion. Das Transportwesen brach zusammen. Korruption wurde zum einzigen Mittel, um an die für die Produktion wichtigen Güter zu kommen.

Mitte Dezember versuchten Teile der herrschenden Oligarchie den Zaren davon zu überzeugen, wenigstens unbeliebte Regierungsmitglieder aus der Regierung zu entlassen und durch andere, beliebter zu ersetzen, wenn er schon nicht einer wenigstens ansatzweise demokratischen Verfassung zustimmen wollte. Der Versuch misslang. Der Jubel der Öffentlichkeit über die Ermordung Rasputins als Ratgeber des Zaren durch einen Teil der Hofkamarilla war noch nicht Ausdruck von Opposition zum Zaren, nur gegenüber seinen „schlechten Ratgebern“. Die Reaktionen zeigten aber, wie dünn die Grundlage des politischen Systems geworden war. Das oppositionelle Bürgertum kam zu der Erkenntnis, dass sich die Mittel „loyaler Bekämpfung der Regierung“ erschöpft hätten und man sich am „Vorabend eines offenen Konfliktes“ sehe. Continue Reading »

Rezension der kleinen Festschrift für Gabriele Winker zum 60. Geburtstag

Wer Gabriele Winker einmal persönlich erlebt hat, und sei es nur bei einem Vortrag, wird kaum glauben, dass sie Anfang November ihren 60. Geburtstag feiern konnte. Winker ist seit 2003 Professorin für Arbeitswissenschaft und Gender Studies an der Technischen Universität Hamburg-Harburg und leitet u.a. dort die Arbeitsgruppe Arbeit–Gender–Technik. Zuvor war sie in der Verwaltung des Landes Bremen und danach fast zehn Jahre als Professorin an der Fachhochschule Furtwangen tätig. Heute ist sie vor allem als engagierte Streiterin in Sachen Care und »Care-Revolution« – und als Verfechterin des theoretischen Konzepts der »Intersektionalität« bekannt. Sie ist bekennende Feministin, Marxistin; und nicht zuletzt politische Aktivistin. Sie ist sich auch nicht zu schade, in Neuköllner Kneipen mit autonomen KommunistInnen vom »Ums Ganze«-Bündnis zu diskutieren, oder vor 25 traditionsmarxistischen BesucherInnen bei der MASCH in Bremen engagiert über die Grundlagen des Care-Gedankens zu erzählen.

MitstreiterInnen und SchülerInnen haben jetzt überraschend eine kleine Festschrift zusammengetragen, die in einer Art Bricolage thematisch den Weg umreißt und illustriert, den Winker theoretisch, politisch und wissenschaftlich gegangen ist: Von der (feministischen) Technikforschung zur Intersektionalität. Heute treten sie und andere AutorInnen dafür ein, gleichrangig Identität, symbolische Repräsentation und Sozialstruktur zu untersuchen und zu reflektieren und alle miteinander verwobenen Unterdrückungsverhältnisse in den Blick zu nehmen. Das Buch enthält zehn Beiträge zu feministischen Analysen und Strategien und je fünf zum Thema »Care« bzw. zu Technik als Feld feministischer Auseinandersetzungen. Alle sind auf der Höhe der Zeit, in der die Forderung nach Selbstbestimmung längst in die neoliberale Selbstverantwortung umgedreht wurde. Continue Reading »

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norwat-buchEuropakrisen, Flüchtlingselend, Skandale am laufenden Band, Klimaschäden, soziale Schieflagen, Rechtspopulismus, Terror- und Kriegsgefahr.

Kaum sind wir einem Schreckensszenario entronnen, schon wartet das nächste auf uns. Man fühlt sich schon wie im Krieg: Die Einschläge erfolgen in immer kürzeren Abständen und kommen immer näher.

Gibt es kein Entrinnen? Vorschläge wurden schon genug gemacht, gerechtere Einkommensverteilung und Weltwirtschaftsordnung, ökologische Produktions- und Lebensweise, mehr Mitbestimmung in Staat und Gesellschaft, Reduzierung der Militärausgaben und friedliche Lösung internationaler Konflikte.

Aber reicht dies? Unsere Wirtschaftsordnung basiert auf Privateigentum und ist auf Gewinnerzielung ausgerichtet. Daher muss sie wachsen und expandieren. Und hier liegt „der Hund“ begraben. Die Folgeprobleme sind bekannt, betreffen uns alle und sind doch so schwierig zu lösen. Weiterlesen

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soasMit „Barrieren und Grenzen“ beschäftigte sich die 13. Konferenz der Reihe „Historical Materialism“ (HM) in London, ausgerichtet von der gleichnamigen Zeitschrift. Gemeint waren laut Aufruf vor allem die ökologischen Grenzen des Kapitalismus, aber auch strategische Grenzen, an die antikapitalistische Politik heute stößt. Denn HM versteht sich laut Programm nicht als „konventionelle“ akademische Konferenz, sondern ebenso als Forum für politische Analyse und strategische Debatten.

Weiterlesen auf der Themenseite Geschichte der RLS. PDF des von Jule Ehms, Ralf Hoffrogge und Richard Stoenescu verfassten Berichtes.

Foto: Der Konferenzort, die School of Oriental and African Studies der University of London (Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0)

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oktober0012017 jähren sich die Revolutionen in Russland zum 100sten Male. Wie unterschiedlich die Interpretationen auch seien mögen – Einigkeit besteht darin, dass sie das 20. Jahrhundert entscheidend geprägt haben. Auch wenn das Ereignis als solches in seinen Details nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs des Realsozialismus und der meisten Parteien bolschewistischer Richtung an Glanz verloren hat, vermittelt es doch bis heute das Bewusstsein, dass die Welt auch von denen „da unten“ veränderbar ist.
Wenn es richtig ist, dass die russische Revolution „das gewaltigste Faktum des Weltkrieges“ ist (so Rosa Luxemburg über die Oktoberrevolution), muss man einiges zu ihrer unmittelbaren Vorgeschichte sagen. Continue Reading »

15036609_710471699100577_6189318821172131253_nDie Frage, was die Linken in der Ukraine von der griechischen Dachorganisation von Solidarinitiativen solidarity4all lernen und vielleicht auch „importieren“ können, ist nicht leicht zu beantworten. Sie ist insbesondere mit dem Wunsch bzw. Willen, zum einen sehr konkrete Solidarität in der Gesellschaft zu organisieren und zum anderen linke Politik nachhaltig wirksamer zu machen, verbunden. Es geht also um scheinbar banales Tun, dessen Reflexion und Verbindung mit der Arbeit an Konzepten und politischen Strategien. Solidarität, vor allem mit den sozial und global Schwächsten, ist keine Wohltätigkeit. Wer Hilfe empfängt, wird ernst genommen. Die Ursachen und Verursacher von Gewalt gegen Menschen und gegen die Natur werden aufgezeigt. Die mit ihnen verknüpften gesellschaftlichen Hierarchien sollen gemeinsam angegriffen, nachhaltig zurückgedrängt und Continue Reading »

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19.-20.10. Internationaler Workshop zur „Brexit“-Problematik, 19.10. öffentliche Veranstaltung zu diesem Thema, 21.10. Gespräch mit Marica Frangakis zum 2. Kongress von Syriza – drei hochinteressante und anstrengende Tage, die erneut Probleme deutlich machten, die weder auf ein EU-Land noch auf die Linken in einem Land beschränkt bleiben: Die Kapitaleliten können mit den bisherigen Mitteln und Methoden die objektiven Widersprüche der modernen kapitalistischen Produktionsweise nicht managen. Sie können auch nicht das Projekt EU so wie bisher weitertreiben und dabei die Gesellschaften der EU-Mitglieder als „Gewinner der Globalisierung“ entwickeln. Die Linken in der EU sind nicht in der Lage, einen Politikwechsel zu erwirken, mit dem zunächst erst einmal das Anwachsen der sozialen und ökologischen Probleme wie des EU-Beitrages zur Zuspitzung der menschheitlichen Existenzfragen gestoppt würde. Das wäre die Voraussetzung für den Beginn sozialökologischer Transformation. Die Situation wirft erneut Fragen nach den Ursachen dafür und nach einer Gesellschaftsanalyse auf, die den Linken hilft, endlich strategiefähig zu werden. Continue Reading »

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„Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“

Dieses berühmte Zitat von Rosa Luxemburg, zumindest den einen berühmten Satz, kennen viele. Aber schon viel weniger Menschen wissen, dass es aus ihrem unfertig gebliebenen Text zur Russischen Revolution stammt. Und noch viel weniger Menschen wissen, dass der Text – der sich mit der Kritik Luxemburgs aber auch ihrer Zustimmung zum Vorgehen in der Oktoberrevolution befasst – gar nicht an Lenin gerichtet war, sondern an die deutsche sozialdemokratische Partei.

Wer schon immer wissen wollte, was es mit diesem umstrittenen Text auf sich hat, ist herzlich eingeladen. Wir wollen den Text „Zur Russischen Revolution“ gemeinsam lesen und diskutieren. Dabei wollen wir vor allem über folgende Fragen reden: Worüber schrieb Luxemburg genau? Was war ihre Kritik an den Bolschewiki? Worin stimmte sie mit diesen überein? Wie beschreibt sie das Verhältnis von „Masse und Führung“? Wie sieht sie die Möglichkeiten, Gesellschaft grundlegend zu verändern? Wie beschreibt sie das Verhältnis von Reform und Revolution? Was können wir für heute aus Luxemburgs Gedanken lernen?

Wir treffen uns an jedem 2. Dienstag im Monat, beginnend am 8. November 2016 jeweils um 19 Uhr am Franz-Mehring-Platz 1. Vorwissen ist nicht nötig, lediglich die Bereitschaft, Texte zu lesen und gemeinsam zu diskutieren. Unser vorerst letzter gemeinsamer Termin wird der 11.04. sein.

Der Kurs von durchgeführt von Miriam Pieschke und Lutz Brangsch.

Beim ersten Treffen wollen wir den Ablaufplan, Erwartungen und Wünsche und Organisatorisches besprechen. Einen ersten inhaltlichen Einstieg wird es ebenfalls geben.

Anmeldung bitte unter brangsch@rosalux.de !

Wir freuen uns auf Euch,

Lutz und Miriam

Marx im Jahre 2016

Am vergangenen Wochenende fand in Stockholm die Konferenz Marx2016 statt. Zu den Mitveranstaltern gehörte auch das Zentrum für marxistische Studien Stockholm (CMS), ein langjähriger Partner der RLS im Netzwerk transform.

Die Veranstaltung bot einen umfangreichen Überblick über die Diskussionen, in denen die Marxrezeption eine mehr oder weniger große Rolle spielt. Wie oft bei derartigen Treffen nutzten Promovierende die Möglichkeit, ihr Arbeiten zur Diskussion zu stellen. Dabei ging es vorrangig darum, wie anschließend an die marxschen Erkenntnisse gegenwärtige Probleme zu verstehen und zu lösen sind. Fragen der Veränderung von Klassenkonstellationen im Zuge der Digitalisierung, der Rolle des Staates, der Charakteristik der gegenwärtigen Epoche, der Rolle der Debatten um Race, Class und Gender für einen modernen Marxismus – das sind nur einige der behandelten Themen; kurz – in den zwei Tagen wurde die ganzen Breite vorrangig der akademischen Marx-Diskussion präsentiert. Von der RLS stellte Judith Dellheim ein gemeinsam mit Frieder Otto Wolf verfasstes Papier zum Thema „Intersectionality in working on socio-ecological Transformation” in einer eigenen Session. Sie plädierte dafür, anschließend an den feministischen Diskurs zur Intersektionalität eine Erweiterung des Verständnisses vorzunehmen. Der „Intersektionalität von oben“ müsse die „Intersektionalität von unten“ entgegengestellt werden. Betrachtet man Themen, Beiträge und Debatten der Konferenz, so bestätigen sie eigentlich diese Notwendigkeit. Vor allem dann, wenn es um die Konsequenzen z.B. der sich entwickelnden neuen sozialen Strukturen ging, wurde die Begrenztheit eines zu engen Herangehens aus jeweils nur traditionell-ökonomischer, traditionell-politischer, queerer usw. Sicht mehr oder weniger deutlich artikuliert. Wie oft auf derartigen Veranstaltungen war man sich einig, dass aus jeder dieser Einzelsichten alles zur Überwindung des Kapitalismus drängt. Gegenüber der Frage, wie man ihn aber überwinden kann und wie die eigentlich auf der Tagesordnung stehenden Bündnisse tatsächlich geschaffen werden können, bleibt man weitgehend hilflos. Nicht nur die Praxis ist schwer – es fällt auch sehr schwer, dieses „Ganze“ zu theoretisieren. Der Beitrag von Dellheim/Wolf ist ein Versuch, hier Ansätze zu entwickeln.

 

Die Vielfachkrise der bundesdeutschen Gesellschaft, die anhaltenden Versuche, die Richtung eines gemäßigten Neoliberalismus mit immer neuen Mitteln im Rahmen der bisherigen „großen“ Koalition fortzusetzen, fordert die Suche nach umfassenderen Alternativen heraus. Die Partei Die Grünen haben dies im Rahmen ihres Green New Deal versucht, auch wenn dieser in den letzten Jahren wieder in den Hintergrund getreten ist. Die Anpassung an die Regierungspolitik ist offensichtlich so weit fortgeschritten, dass komplexeren alternativen Ansätzen ausgewichen wird. Die Fraktion der Partei DIE LINKE hat ihrerseits in der Legislaturperiode zwischen 2009 und 2013 einen Plan B vorgelegt, der seinerseits kaum noch Erwähnung findet. Gleichzeitig finden immer intensivere Hinterzimmergespräche über eine mögliche Koalition von SPD, Grünen und LINKE statt, die es auch in die Medien schaffen. Continue Reading »

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