Notizen zum Ukraine-Krieg
Der Kollege Lutz Brangsch hat uns im Institut für Gesellschaftsanalyse über den Emailverteiler von Anfang auf dem Stand gehalten. Als Russisch-Leser hat er für uns gelesen, durchdacht und auf Überblick zielend zusammengefasst, was in russischer Sprache wichtig war oder relevant für eine Einordnung der Ereignisse.
Hier jetzt seine Notizen zum Ukraine-Krieg (von Februar 2022 bis September 2023) als PDF.
Die Quellen sind im PDF verlinkt. Die 121 Seiten lassen sich schnell erschließen durch die PDF-Seitenleiste, über das Datum der Notizen und teilweise über gliedernde Überschriften. Gut, dass das nicht in unseren individuellen Inboxen versackt.
Osteuropa, Deutschland und die NATO
Über Metamorphosen des transatlantischen Bündnisses, die Ukraine und das Erweiterungsproblem in Europa...
Und wer eine konstruktive Pointe sucht, findet sie beim us-amerikanischen Politologen John J. Mearsheimer:
Die USA und ihre europäischen Verbündeten stehen in der Ukraine-Frage vor einer Entscheidung. Sie können ihre aktuelle Politik fortführen und so die Feindseligkeiten mit Russland verschärfen und die Ukraine zu Grunde richten – ein Szenario, aus dem alle Beteiligten als Verlierer hervorgehen würden. Oder sie können umsteuern und eine wohlhabende, aber neutrale Ukraine anstreben, die keine Bedrohung für Russland darstellt und es dem Westen erlaubt, seine Beziehungen zu Moskau zu kitten. Mit einem solchen Ansatz würden alle Seiten gewinnen. (Quelle: ipg-Journal, online-Zeitschrift der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung)
Ukraine: nächste Runde?
Der Präsident Wiktor Janukowytsch gilt als gestürzt. Ein Teil der Abgeordneten seiner „Partei der Regionen“ in der Werchowna Rada, des Parlaments, war zur vorherigen parlamentarischen Opposition übergewechselt und hatte so am 22. Februar 2014 die Mehrheit für diesen Beschluss möglich gemacht. Dann hieß es, Janukowytsch sei verschwunden, dann wurde gemeldet, er sei am Verlassen des Landes gehindert worden. Danach wurde er – tatsächlich oder vorgeblich – gesucht, um ihn vor Gericht zu stellen. Am 27. Februar schließlich tauchte er in Russland, in Rostow am Don, auf, wo er am 28. Februar eine Pressekonferenz gab und erklärte, er sei noch immer der Präsident der Ukraine und der Absetzungsbeschluss sei illegal.
Die EU-Kommission hatte den Beschluss über die Amtsenthebung Janukowytschs rasch anerkannt. Angeblich ging es ja bei der Protesten auf dem Kiewer Maidan-Platz darum, dass dieser das Freihandelsabkommen mit der EU nicht unterzeichnet hatte (Das Blättchen 25/2013). Was aber will die EU? Weiterlesen im Blättchen
Unfähigkeit zum Guten
[...] Immer, wenn der Westen irgendwo interveniert hat seit Ende des Kalten Krieges, wurden Freiheit, Demokratie und Menschenrechte versprochen. In der Sache ging es vor allem um Handelserleichterungen und Marktzugang für die westlichen Firmen beziehungsweise um geopolitische Einflusssphären. Praktisch jedoch wurde stets weder das eine noch das andere erreicht, sondern das Chaos vergrößert und die Zahl der Opfer erhöht. Und das um den Preis einer unglaublichen Verschleuderung von Mitteln, die den Bevölkerungen in den westlichen Ländern entzogen wurden. [...] Im Zusammenhang weiterlesen