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Stuart Hall gilt als einer der einflussreichsten linken Wissenschaftler der Gegenwart. Politisch gehörte er zur ersten Generation der Neuen Linken. Theoretisch wollte er zur marxistischen Theorie der Überbauten beitragen. Dazu stützte er sich auf ungewöhnliche Weise auf Althusser, Derrida und Foucault und trug erheblich zu Entwicklung der britischen Cultural Studies bei. In vielen seiner Texte befasst er sich mit den Ambivalenzen der Identität und den rassistischen Erfahrungen, die er in der rassistischen Farbenlehre als «farbig» klassifizierter Bürger des Commonwealth auf Jamaika und in England machen musste. Die Idee einer Kreolisierung der Kolonialländer durch die «Kinder des Empire» macht ihn für postmigrantische Analysen wegweisend. Seine zahlreichen Aufsätze inspirierten die Medienwissenschaft, die Rassismusanalyse oder die Forschungen zu Populismus. Hall hat seine facettenreiche Theorie gelegenheitsorientiert in einer Vielzahl von Aufsätzen entfaltet und nicht in einem «Hauptwerk» komprimiert. In dieser Folge des Theoriepodcast diskutiere ich mit der Stuart Hall-Expertin Nora Räthzel. Sie ist Soziologieprofessorin an der Universität von Umea in Schweden.

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Die ökologische Krise ist nicht nur eine Klimakrise, sondern auch eine Krise der Artenvielfalt. Das sechste große Massensterben von Tieren und Pflanzen steht im Zentrum des Buches von Haraway. Die US-amerikanische feministische Sozialistin und Wissenschaftsforscherin bemüht sich darum, das Denken derart neu auszurichten, dass die Menschen sich mit Tieren und Pflanzen in einer Verwandtschaft begreifen, als Lebewesen, die sich gemeinsam erzeugen und gestalten. Dafür entwickelt sie mit den Methoden der Science-Fiction viele neue Wörter. Nach den langen Phasen von Anthropozän (Menschenzeitalter) und Kapitalozän (Kapitalzeitalter), die geprägt waren von genozidalen Praktiken, von Rassismus und Ausbeutung, von männlich-phallischer Naturbeherrschung, sollten die Menschen artenübergreifend in die Phase des Chthuluzäns (Wer das verstehen will, sollte den Podcast hören) eintreten – ein Vorschlag für ein neues Sozialismus-Verständnis. Denn es geht Haraway darum, dass die Pflanzen, Tiere, Bakterien, Menschen gemeinsam den verletzten Planeten in einem langfristigen Prozess reparieren müssen.

Zu Gast ist in dieser Folge Katharina Hoppe, die an der Universität Frankfurt als Soziologin arbeitet. Sie ist Autorin des Buches «Die Kraft der Revision. Epistemologie, Politik und Ethik bei Donna Haraway.»

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BuchtitelZentralasien wird heute meist als Krisenregion wahrgenommen und kaum mit innovativen linken Politiken in Verbindung gebracht. Gerade ist im Metropol-Verlag die (Teil)Übersetzung eines interessanten Buches erschienen, das „Konzepte des Sowjetischen“ in Zentralasien behandelt und dieses Vorurteil erschüttern könnte. Das Original erschien im Jahr 2016 in Bischkek, der Hauptstadt Kirgisiens. Es fasste die Ergebnisse eines Projektes zusammen, an dem die NGO Shtab über mehrere Jahre gearbeitet hatte. Ursprünglich ging es, so schreiben die Herausgeber*innen im Vorwort der Originalausgabe, darum zu bestimmen, was heute eine linke Agenda in Zentralasien sein könnte. Es zeigte sich, dass man dabei nicht um eine Positionierung zum Sowjetischen nicht herumkommen würde. Insbesondere ging es ihnen darum zu ergründen, in welchem Maße die heutigen Vorstellungen von Geschlechterbeziehungen, zum Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung, zum Arbeitsrecht oder zum Internationalismus dem Sowjetischen entsprechen oder nicht. Welchen Platz sollte das sowjetische Erbe in einem postsowjetischen linken Projekt einnehmen? Lohnt es sich für Linke, die Reste sowjetischer Sozialstaatlichkeit zu verteidigen – oder sollten sie alles tun, um im gesellschaftlichen Bewußtsein nicht mit dem sowjetischen Sozialismus in Verbindung gebracht zu werden? Bini Adamczak hebt in ihrem Vorwort zur deutschsprachigen Übersetzung gerade diesen „immanenten“ Charakter der hier entwickelten Kritik des Sowjetischen, die eben nicht „scheinbar über den Dingen schwebt“, hervor. Alle diese Fragen wurden Gegenstand mehrerer Publikationen, die die Ergebnisse der Debatten zusammenfassten. Sie trugen die Titel „Die Zukunft zurückgeben“ und „Das utopische Bischkek“. Die entsprechende Website ist leider nicht mehr zu erreichen, die Publikationen sind aber an anderen Stellen, allerdings in russischer Sprache, zu finden. Continue Reading »

In ihrem 2004 publizierten Buch «Caliban und die Hexe» legt Silvia Federici dar, dass der Prozess der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals, der im 15. Jahrhundert begann, nicht zu begreifen ist, wenn nicht auch der Krieg gegen den Körper der Frauen berücksichtigt wird. Frauen wurden zur Weiblichkeit zugerichtet, ihr Arbeitsvermögen wurde zur Hausarbeit diszipliniert und ihre Sexualität wurde familiarisiert. Frauen wurden in ihren Fähigkeiten abgewertet, öffentlich und privat als Objekte männlicher Sexualität passiviert und irrationalisiert, um ihr Wissen gebracht und ihrer Rechte beraubt. Der bürgerlichen Klasse geht es darum, die Kontrolle über die Erzeugung von Arbeitskräften zu erlangen. Zu diesem Zweck wurde den Frauen ihre autonome Verfügung über ihren Körper genommen. Dies geschah insbesondere mit der Verfolgung von Hebammen und Heilerinnen, die das Wissen über Verhütung besaßen und sicher auch deshalb als Hexen galten. Diese Prozesse setzen sich bis heute fort: Nach wie vor wird das Proletariat durch die geschlechtliche Arbeitsteilung gespalten. Für Federici bleibt diese strukturelle Gewalt nicht auf die Frauen in Mitteleuropa begrenzt. Die Versklavung von Menschen und die Völkermordpraktiken, in Afrika und allen Teilen des amerikanischen Kontinents, gehören zur selben den Körper abwertenden Rationalität der bürgerlichen Aufklärung. Zu Gast im Podcast ist die Soziologin Susanne Schultz. Sie ist unter anderem Mitglied beim Herausgeberinnen-Kollektiv «Kitchen Politics» und im wissenschaftlichen Beirat der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie diskutiert mit mir über Federicis Verständnis von Frauenunterdrückung als Arbeitsverhältnis etwa am Beispiel der Leihmutterschaft.

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Die «Dialektik der Aufklärung» ist eines der Schlüsselwerke der Kritischen Theorie und des westlichen Marxismus. Max Horkheimer und Theodor W. Adorno verfassten die «Philosophischen Fragmente» 1942 und 1943 im kalifornischen Exil und publizierten es 1947 in Amsterdam. Das Buch führt Ergebnisse der freudo-marxistischen Diskussion über Autorität und Antisemitismus und materialistische Analysen herrschender Kulturpraktiken zu einer neuen Kapitalismustheorie zusammen. Unter dem Eindruck von Faschismus, Stalinismus und autoritären Tendenzen in den USA fragen die Autoren, warum das Projekt der Aufklärung, das seinen Höhepunkt in den Schriften von Marx gefunden hat, gescheitert ist. Auf dem entwickeltsten Stand wissenschaftlicher Erkenntnis und Kämpfe um demokratische Institutionen konnte ein Umschlag in Irrationalität, Wahn, Krieg und Völkermord stattfinden. Wie ist diese Niederlage der Aufklärung zu erklären? Wie lässt sich der Prozess der Aufklärung wieder aufgreifen, ohne erneut in Regression umzuschlagen? Über gesellschaftlichen Fortschritt und die Bedeutung von Dialektik, über das Verhältnis zwischen Natur und Naturbeherrschung diskutiere ich in dieser Folge mit Prof. Dr. Rahel Jaeggi, Professorin für Praktische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Direktorin des Center for Humanities and Social Change.

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Das Verhältnis der Linken zum Staat und der sozialen Bewegungen ist ambivalent. Einerseits gilt der Staat als Gewalt- und Herrschaftsapparat – als der Staat des Kapitals, der zum Faschismus tendiert. Auf der anderen Seite gibt es die Erwartung, dass der Staat und zumal der Sozialstaat zur Bewältigung der gesellschaftlichen Probleme beitragen soll: Demokratie und Rechtssicherheit, soziale Absicherung, Infrastrukturen und technische Innovation, Bildung, Bewältigung der Klimakrise. Befürchtungen über den autoritären Staat wie Hoffnung, die in seine Kompetenzen gesetzt werden, liegen nahe beieinander. In den 1970er Jahren kam es zu intensiven Diskussionen über diese Fragen, die unter dem Eindruck eines Mangels an Kenntnissen über die Funktionsweise des Staates und Strategien geführt wurden. Intensiv wurde deswegen auch Marx gelesen, der den nicht eingelösten Anspruch hatte, im Rahmen seiner Kritik der politischen Ökonomie ein Buch über den Staat zu schreiben. Diesen Anspruch wollte die staatstheoretische Debatte im Lichte der zeitgenössischen Erfahrung mit der parlamentarisch-repräsentativen Republik und ihren Institutionen einlösen. Einer der wichtigsten Autoren war der griechisch-französische Marxist Nicos Poulantzas, der den kapitalistischen Staat als ein ökonomisch-politisch-ideologisches Terrain von Kräfteverhältnissen der Ausarbeitung und Umsetzung von Herrschaftsstrategien und Klassenkompromissen begreift.  Zu Gast habe ich in dieser Folge Serhat Karakayalı, unter anderem Leiter der Abteilung Migration am DeZIM-Institut und Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Migration und Mobilität an der Leuphana Universität Lüneburg.

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Über Gewinner, Verlierer und Chancen für eine neue Gesellschaftspolitik wird das Heft vom März 2022 der Zeitschrift ProKla berichten. Dazu bittet die Redaktion jetzt um Beiträge. Sie schreibt:

“Der Beginn der COVID-19-Pandemie liegt inzwischen eineinhalb Jahre zurück. In der politischen und sozialwissenschaftlichen Debatte wurde oft betont, die Pandemie wirke wie ein Brennglas und zeige, wo gesellschaftliche Prioritäten liegen, entlang welcher Linien Ungleichheiten die Gesellschaft strukturieren, was gut, und was nicht so gut funktioniert. Besonders deutlich wurde dies in den Gesundheitssystemen: In Anbetracht von knappen medizinischen Behandlungs- und Bettenkapazitäten sowie Liefer- und Produktionsengpässen diverser Art ist die Notwendigkeit einer funktionierenden Notfall-, Gesundheits- und Arzneiversorgung schlagartig in den Fokus von Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit gerückt.

Aber die Auswirkungen der Pandemie beschränken sich nicht auf das Gesundheitswesen. Die spezifische Kombination von Einbrüchen auf der Angebots- und der Nachfrageseite der Wirtschaft haben im globalen Maßstab zu Rückgängen geführt, die die Effekte früherer Krisen wie etwa der Finanzkrise 2008/2009 übersteigen. Eine Besonderheit war diesmal, dass das staatliche Handeln nicht einfach darauf zielen konnte, mit einschlägigen Maßnahmen die Wirtschaftsbelebung anzukurbeln. Im Gegenteil mussten zur Pandemiebekämpfung Beschränkungen in Form von Lockdowns aufgelegt werden, die insbesondere in den konsumorientierten Dienstleistungsbereichen die Wirtschaft fast zum Erliegen brachten. Zur Kompensation wurden in unterschiedlichem Umfang konjunktur- und sozialpolitische Maßnahmen ergriffen. In Deutschland etwa wurde der Zugang zum Kurzarbeitergeld erleichtert und ein Corona-Konjunkturprogramm aufgelegt. Mehr als 130 Milliarden Euro wurden eingesetzt, um die Folgen der Corona-Pandemie und der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit zu bewältigen. Die EU beschloss einen 750 Mrd. Euro umfassenden Wiederaufbaufonds. Und in den USA legte die Biden-Regierung ein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Konjunkturprogramm vor [Den Call weiterlesen]

Deadline für die abstracts ist der 6. September 2021.

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Walter Benjamin war einer der großen kritischen Intellektuellen im Deutschland der 1920er und 1930er Jahre und eng verbunden mit der Kritischen Theorie. Heute ist sein Werk von globaler Bedeutung. Nach der Emigration 1933 aus Nazi-Deutschland, der Ausbürgerung 1939, der Internierung in Frankreich und der Flucht vor der Nazi-Armee nahm er sich im September 1940 in Port Bou das Leben. Das Passagenprojekt, das in dieser Folge vorgestellt wird, wäre sein größtes Buch geworden; es wurde niemals geschrieben. Von 1927 bis zu seinem Tod hat Walter Benjamin daran mit Unterbrechung gearbeitet und eine riesige Materialsammlung angelegt. Es wäre ein beeindruckender Beitrag zur materialistischen Kulturanalyse geworden. Benjamin wollte zeigen, wie die bürgerliche Kultur um den Warenfetisch herum gravitiert, ihre Trugbilder, Gespenster, Traumwelten entlarven. Durch geschickte Montage seines umfangreichen Materials wollte Benjamin dazu beitragen, dass die Menschen aus jenen Träumen erwachen und mit einem Tigersprung in die konkrete Geschichte den Augenblick erfahren, der es ihnen ermöglicht, durch eine kleine Pforte hinaus in die Freiheit zu treten. Ich diskutiere mit der Benjamin-Kennerin Ruth Sonderegger. Sie ist Professorin für Kunst- und Kulturwissenschaften an der Akademie der bildenden Künste Wien.

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Der hier eingestellte Beitrag ist in der Zeitschrift “Brasilicum” der Kooperation Brasilien e.V. (KoBra) erschienen. “KoBra vernetzt im deutschsprachigen Raum Brasiliengruppen, engagierte Einzelpersonen und Organisationen, die sich solidarisch mit den sozialen Bewegungen in Brasilien für eine gerechtere Welt einsetzen”, heißt es auf der Vereins-Website. Die Redaktion von “Brasilicum” hatte ausgehend vom mehring1-post von Anfang Februar die Autorin gebeten, etwas mehr zur WSF-Debatte in Lateinamerika zu schreiben. Da die RLS und ihr Umfeld an dieser Debatte Anteil hatten und sie sicher weiter verfolgen sollten, hier der  Text.

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Vor der Sommerpause haben sich in Russland die Parteien für die im Herbst stattfindenden Parlamentswahlen in Stellung gebracht. In den vergangenen zwei Jahren ist das Umfeld für alle politischen Akteure noch rauher geworden. Dabei spielen die Anti-Corona-Maßnahmen und der Umgang mit der Pandemie durch Staat und Unternehmer*innentum eine Rolle, aber sie sind nicht die entscheidenden Faktoren. Eine aktuelle Umfrage von Levada zeigt, dass in der Bevölkerung die Ängste bezüglich der Zunahme staatlicher Willkür und Gesetzlosigkeit innerhalb eines Jahres um 9 Punkte von 49 auf 58 Prozent gewachsen sind. Im Jahr 2015 äußerten nur 29 Prozent derartige Ängste. (www.levada.ru/2021/04/21/harakter-i-struktura-massovoj-trevozhnosti-v-rossii/ Die Umfrage wird in deutscher Sprache in den Russland-Analysen Nr. 403 vom 08.06.2021 referiert.) Während die repressiven Momente in der Politik zunehmen, bleibt die wirtschaftliche Situation angespannt; eine Überwindung der Stagnation ist nicht in Sicht. Auch der Versuch, mit dem Regierungswechsel im Januar 2020 und dem neuen Ministerpräsidenten Michail Mischustin einen Durchbruch bei der Modernisierung von Staat und Wirtschaft zu organisieren, scheint (wie schon so oft zuvor) weitgehend gescheitert zu sein. Kurz gesagt – die gegenseitige Blockade innerhalb der herrschenden Oligarchie konnte nicht aufgebrochen werden. Das Zusammenspiel von politischer Repression, starken Positionen der „alten“, eng mit der extraktiven Industrie verbundenen Kreise, schwachen Positionen der innovativen Zweige und einer schwachen gewerkschaftlichen und linken Opposition und kulturellem Konservatismus lähmt die Gesellschaft, lässt jede Neuerung ins Leere laufen oder stellt sie unter den Verdacht der Subversion. Die Sanktionspolitik des Westens und die schwelenden Konflikte an den Grenzen des Landes tun ihr übriges. Das Gleichgewicht der Kräfte ist zu fragil, und auch ein „Durchregieren“ seitens des Präsidenten ist nicht möglich. Continue Reading »

Nach gemeinsamen Seminaren in den 1980er Jahren haben Étienne Balibar und Immanuel Wallerstein eine Reihe von individuell verfassten Texten zu einem Buch zusammengetragen. Darin geht es um die Funktionsweise des Rassismus, Nationalismus und Sexismus im kapitalistischen Weltsystem. Sie bilden spezifische und doch eng miteinander verbundene Herrschaftspraktiken. Diese Formen ideologischer Herrschaft bleiben nicht stabil. Nach dem Holocaust war völkischer Rassismus verpönt, die Rechte entwickelt daraufhin einen Neorassismus. Balibar analysiert die Funktionsweise dieser neuen rechten Leitideologie. Das Ende des Kolonialismus kehrt die Richtung der Migrationsprozesse und verändert die Stellung des Nationalen. Im Buch geht es um den Widerstand gegen diese Herrschaftsformen, die ein Netzwerk bilden, das im umfassenden Sinn aufgelöst werden muss. Die Bedingungen dafür halten die Autoren für günstig, weil sie überzeugt sind, dass das kapitalistische System zu seinem Ende tendiert. Im Gespräch mit der Politikwissenschaftlerin und Soziologin Manuela Bojadžijev werden einzelne Fragen der kritischen Rassismustheorie aufgegriffen und vertieft.

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Am 21. Juni 2021 ist im Haus der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Ausstellung unter dem Titel „Krieg und Frieden“ eröffnet worden. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit den „neuen Kriegen“ der 2000er Jahre, und dazu habe ich einen Beitrag geschrieben. Natürlich musste der gekürzt werden, so hier die etwas bearbeitete Urfassung.

Eine der trügerischen Hoffnungen der Jahre 1989/1990 war, dass das Ende der Systemkonfrontation befriedend auf die Situation in Europa wirken würde. Der damalige sowjetische Partei- und Staatschef Michael Gorbatschow hatte bereits einige Jahre zuvor mit seiner Konzeption eines „Gemeinsamen Hauses Europa“ versucht, die Systemauseinandersetzung aus dem Feld des Militärischen vorrangig in das von Ökonomie und Ideologie zu verschieben. Die sowjetische Seite betonte ganz in diesem Sinne, dass es mit der deutschen Einheit keine Ostausdehnung der NATO geben dürfe, was übrigens 1990 auch Meinung der Mehrheit der Menschen in der noch-DDR und in der BRD war. Aber schon schnell wurde klar, dass das eine Illusion bleiben würde. Continue Reading »

Von Andrea_s Exner

Die vielfältigen, miteinander zusammenhängenden Krisen stellen politische Aktivist:innen vor eine dreifache Herausforderung: Wie können Auseinandersetzungen, die sich an verschiedenen Brennpunkten entzünden, so verbunden werden, dass sie, erstens, auf konkrete Bedürfnisse Bezug nehmen, zweitens, den Alltag verbessern, und, drittens, zugleich dazu beitragen, die kapitalistische Wirtschaftsweise zu überwinden? Mit Blick auf diese Herausforderung sucht Gabriele Winker, emeritierte Professorin für Arbeitswissenschaft und Gender Studies an der TU Hamburg sowie Mitbegründerin des Netzwerks Care Revolution, nach Antworten.

Ihr neues Buch «Solidarische Care-Ökonomie» fokussiert dabei auf zwei Krisenstränge: die «Gefährdung von Sorgebeziehungen» und den «lebensbedrohlichen Klimawandel». Die Darstellung dieser Problembereiche besticht durch die gut lesbare und differenzierte Analyse. Danach erörtert Winker, wie diese Bereiche in der Perspektive einer solidarischen Care-Ökonomie verbunden werden können. Winker fasst die sozialen und ökologischen Krisen in dieser Hinsicht als Ausdruck der «Erschöpfung menschlicher und ökologischer Ressourcen». Diese Erschöpfung, so argumentiert die Autorin, beeinträchtigt die für eine politische Veränderung entscheidende Handlungsfähigkeit von Menschen, während sie im selben Maße wirksames kollektives Handeln dringlich notwendig macht. Kenntnisreich zeichnet Winker ein präzises Bild des Leidens in einer neoliberal geprägten Gesellschaft. Sie zeigt jedoch auch auf, wie Menschen sich Zumutungen verweigern und Auswege suchen. Von diesen Anknüpfungspunkten für eine «revolutionäre Realpolitik für Care und Klima» ausgehend, skizziert Winker vier strategische Zielrichtungen, die einander ergänzen: eine Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit, den Aufbau einer solidarischen Unterstützungsstruktur durch ein bedingungsloses Grundeinkommen und eine soziale Infrastruktur, die Entwicklung demokratischer Beteiligungsformen in der Care-Arbeit und darüber hinaus, sowie die Unterstützung vielfältiger Lebensentwürfe durch Commons-Initiativen. Continue Reading »

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In Folge 5 des Podcasts «tl;dr – Too long, didn’t read» gebe ich einen Überblick über Edward Saids Leben und fasse die zentralen Thesen seines Schlüsselwerkes “Orientalismus” zusammen. Anschließend diskutiere ich mit der Postkolonialismus-Expertin María do Mar Castro Varela darüber, welche Bedeutung postkoloniale Kritik für soziale Bewegungen heute hat.

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Die Zeitschrift Alternativy, ein vor allem aus dem akademisch-marxistischen Raum getragenes Projekt, befasst sich mit grundlegenden Fragen linken Denkens und Handelns. Die aktuelle Ausgabe 2/2021 hat in einem ersten Komplex den 100. Jahrestag der Einführung der Neuen ökonomischen Politik (NÖP) in Sowjetrussland zum Gegenstand. Ein weiterer Komplex widmet sich dem Beitrag von Friedrich Engels zur Entwicklung der marxschen Richtung. Diese Frage wird auch in einem Artikel aufgegriffen, in dem die Schrift Engels’ zur Dialektik der Natur unter dem Gesichtspunkt der COVID-19 Pandemie diskutiert wird. Der abschließende Teil befasst sich mit wunden Punkten der linken Bewegungsgeschichte – es geht um die Rolle der vorrevolutionären Intelligenz und ihr differenziertes Verhältnis zur Revolution, um das sozial-psychologische Profil der Anhänger der konterrevolutionären Weißen Bewegung, um den Roten Terror auf der Krim 1920-1921, die Rolle der ukrainischen Sozialdemokratie bei der Entstehung der Russländischen Sozialdemokratischen Partei Ende des 19. Jahrhunderts und die revolutionären Prozesse im Südwesten Russlands Anfang 1918. Angesichts der in Russland aktiv betriebenen Geschichtspolitik ist der hohe Stellenwert derartiger historisch angelegter Artikel verständlich. Weitere Beiträge analysieren die aktuelle ökonomische und soziale Entwicklung in Russland sowie Veränderungen in der Sozialstruktur in den Ländern Osteuropas. In der Rubrik „Praxis“ ist ein Beitrag aus LuXemburg abgedruckt, den Eric Blanc über die Streikschule der Rosa-Luxemburg-Stiftung geschrieben hatte. Continue Reading »

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