Multiple Krise und neue Konstellationen des Kapitalismus

Einen neue Publikation aus der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung erscheint in diesen Tagen.

Die multiple Krise des Kapitalismus spitzt sich zu. Insbesondere die ökologische Krise hat längst Kipppunkte erreicht und bedroht das planetare Leben. Die Covid-19-Pandemie und die steigenden Lebenshaltungskosten haben die soziale Krise verschärft. Sozialräumliche und sozioökonomische Ungleichheiten wachsen im Weltmaßstab und innerhalb der Gesellschaften; immer mehr Menschen sind auf der Flucht. Die Krise der Demokratie offenbart die autoritären Gehalte des neoliberalen Regierungsprojekts, das keines der großen gesellschaftlichen Probleme gelöst hat. Globale wirtschaftliche Gewichte haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte gravierend verändert. Es scheint, dass die Ära der US-Hegemonie, die noch die neoliberale Globalisierung geprägt hat, zu Ende geht. Möglicherweise entsteht eine neue multipolare Weltordnung. Dieser Übergang verläuft nicht friedlich. Es finden bereits zahlreiche Kriege und Bürgerkriege statt, in denen auch um die Neuordnung der Hierarchie der kapitalistischen Staatenwelt gekämpft wird.
Herausgegeben wird der Band von Bernd Belina, Alex Demirovic, Susanne Heeg, Sebastian Klauke, Thomas Sablowski und Aisha Salih im Dampfboot Verlag, Münster.  Die Beiträge (Inhaltsverzeichnis) beleuchten gesellschaftliche Entwicklungen in den USA, der EU, Russland, China, Indien, Südostasien, Afrika und Lateinamerika. Der Artikel zu den USA ist hier Open Access.


15 Thesen für einen linken Neustart

«Wir leben in keiner offenen gesellschaftlichen Situation mehr, die Entwicklungspfade sind umkämpft, viele mögliche Alternativen aber bereits verunmöglicht, Wege sind verschlossen.»

Im verlinkten Text bei der Zeitschrift Luxemburg beschreibe ich mit 15 Thesen die sich neu herausbildenden Kräftekonstellationen, politischen Verwerfungen und die aktuellen Herausforderungen für die Linke. Als zentrales strategisches Moment sehe ich die Herausbildung eines neuen hegemonialen Entwicklungspfades entlang verschiedener Ausprägungen eines grünen Kapitalismus. Damit einher geht die Herausbildung einer neuen Blockkonfrontation um die globale Führung in dieser neuen Entwicklungsperiode. Entgegen dieses neuen Projektes bildet sich eine nationalautoritäre Melange aus radikalisiertem Konservatismus und radikaler Rechter.

Für viele Länder des Südens wird es eine Phase externer Schocks und innerer Zerfallsprozesse werden und auch in den kapitalistischen Zentren wird es zu heftigen Transformationskonflikten kommen. Aus diesen Verwerfungen entsteht immer auch ein Potential für Widerstand, aber nicht zwangsläufig eine erfolgreiche Verbindung von möglichen, realisierbaren Schritten, Gestaltungswillen und einer Perspektive des Systemwechsels. Vielmehr sollte sich die Linke auf eine langjährige Position in der Defensive einstellen und vor allem entlang der Schnittstellen von sozialer, ökologischer und Friedensfrage produktive Konflikte zu herzustellen. Mario Candeias versucht entlang seiner Thesen den Weg einer erfolgreichen disruptiven Neugründung der parteipolitischen Linken aufzuzeigen.

Zu den 15 Thesen


Männlichkeiten und (Post-)Wachstum [Rezension]

Diese Publikation fügt der Debatte um Postwachstum und die aktuelle Situation des Kapitalismus einen lange unterbelichteten Aspekt hinzu: den des Verhältnisses von hegemonialer Männlichkeit, Wachstum und Kapitalismus. Dieses soll näher beleuchtet und untersucht werden. In diesem Such- und Diskussionsprozess wird neues gedacht und diskutiert, und bereits bekanntes neu in Verbindung gebracht.
Die hegemoniale Männlichkeit beruhe, so die Grundannahme auf Erfolg, Macht, Kontrolle, Expansion und der Unterdrückung und (rassistischen) Kolonisierung aller «anderen», vor allem von Frauen und nicht-hegemonialen Männern. Dieses Modell werde aber «von innen» und «von außen» in Frage gestellt: Durch den Widerstand der «anderen», durch die Pluralisierung der sexuellen Orientierungen und durch die Verweigerung vieler Männer, bei diesem Modell weiter mitzumachen. Der Männer, die Sorge für sich selbst und andere übernehmen wollen, die positive Emotionen, gegenseitiges Angewiesensein und soziale Beziehungen wertschätzen und propagieren, individuell im klassischen «privaten Raum», im Beruf, und in der Gesellschaft. Der Neoliberalismus untergrabe nicht zuletzt durch Flexibilisierung und Lohnsenkungen den bisher dominanten kulturell-sichtbaren Habitus des männlichen Alleinernährers. Zu fragen sei auch, welche Konturen von Männlichkeit eine Postwachstumsgesellschaft aufweisen müsse, bzw. welche den Weg dorthin unterstützen und fördern könnten?Read more


Schlüsselbegriffe der Kultur- und Sozialgeographie (Rezension)

kulturgeographieMit diesem Buch legt eine jüngere Generation engagierter Geograph_innen eine zwar kurzes, aber trotzdem kompaktes und anschauliches Kompendium vor, das den state of the art der vom cultural turn erfassten Humangeographie umreißt. Einer Kultur- und Sozialgeographie, die kritisch-materialistisch und bisweilen (queer-)feministisch verstanden wird. Das Buch besteht aus 18 Beiträgen, die vier Abschnitten zugeordnet sind. Diese vier sind Grundlagen (mit Artikeln z.B. zu Raum oder Natur), Prozesse (z.B. Globalisierung, Entwicklung), Strukturen (z.B. Geschlecht, Grenzen, Urbanität) und Praktiken (Regieren, Arbeiten, Konsumieren, Reisen).
Die zwölf Autoren und neun Autorinnen gehen davon aus, dass Begriffe und auch Räume gesellschaftlich bedingt- wenn nicht konstruiert – sind, sie somit einen ausdrücklich diskursiven Charakter haben. Es also darum geht, auch in der Geographie die Perspektivität und (Selbst-)Reflexivität von Wissen und Gesellschaft wahrzunehmen. Sie verabschieden sich damit auch von einer essentialistischen Kulturgeographie. Die Beiträge liefern Fakten erst in zweiter Linie. Sie können jeweils für sich stehend gelesen werden und sind mehr an Deutungen und kritischen Reflektionen und Interpretationen interessiert. Jeder der Artikel ist mit erklärenden Kästen versehen, die Begriffe wie etwa Essentialismus, Repräsentation, Diaspora oder Wissensgesellschaft nähern erläutern. Die jeweiligen Literaturverzeichnisse wirken fast ein bisschen überdimensioniert, bestehen sie doch aus zwei bis fünf Dutzend Titeln, von denen zudem ein deutlicher Anteil englischsprachig ist. Ein detailliertes Sachregister schließt dieses empfehlenswerte und preisgünstige Studienbuch ab. Es ist wohl für Studierende in den ersten Semestern gedacht, aber auch für halbwegs belesene andere Interessierte - aus Akademie und sozialen Bewegungen – spannend.

Bernd Hüttner

Julia Lossau/Tim Freytag/Roland Lippuner (Hrsg.): Schlüsselbegriffe der Kultur- und Sozialgeographie, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2014, 279 Seiten, 34 Abb., 22,99 EUR

Diese Rezension erschien zuerst in Heft 2/2014 von FORUM Wissenschaft.


Phantomepochenschmerzen. Rezension zu Band über Regulationstheorie

925-0JustIn Monday rezenisert in der laufenden Ausgabe von konkret den Band

Roland Atzmüller, Ulrich Brand u.a. (Hg.): Fit für die Krise? Perspektiven der Regulationstheorie. Westfälisches Dampfboot, Münster 2013, 399 Seiten, 36,90 Euro (Inhaltsverzeichnis als PDF)

Monday schreibt: "Marxistische Theorie hat es an deutschen Universitäten schwer. Nach einem Boom in den 70er Jahren, während dem Lehrstühle ergattert werden konnten mit dem Versuch, die eine oder andere Strömung des westlichen Marxismus mit den damaligen akademischen Moden zu vermitteln, herrscht schon lange bloße Ignoranz seitens der offiziellen Lehre. Die damaligen Karrieren haben sich, analog zur Geschichte der Apo, in Anpassung und Emeritierung verlaufen. Zu den beliebteren unter den übriggeblieben Strömungen gehört die Regulationstheorie.

Ihre Attraktivität resultierte immer aus der Beschäftigung mit der Frage, wie die historischen Formveränderungen der kapitalistischen Produktionsweise theoretisch zu begreifen sind. Ihre zentralen Begriffe sind »Akkumulationsregime« und »Regulationsweise«. Zwar gehe es letzten Endes immer um die Akkumulation von Kapital, aber in jeder Epoche des Kapitalismus entwickelten die verschiedenen Sphären der Gesellschaft epochenspezifische Eigenschaften. Der Weg von Epoche zu Epoche wird dabei nicht als logischer und damit theoretisch bestimmbarer Übergang begriffen, sondern als Bruch, der durch eine Krise hervorgerufen wird."

Der komplette Text der Rezension ist online und hier nachzulesen.

[UPDATE] hier gibt es auch noch eine ausführlichere Fassung dieser Rezension, in der auch die heutige, in dem Buch vertretene Position mit der in "Das neue Gesicht des Kapitalismus" verglichen wird.

 

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Von Stendal lernen? (Rezension)

Während die Politik noch behauptet, ländliche Regionen nicht aufzugeben, sieht die Realität in dünn besiedelten Räumen längst anders aus. Die schrumpfende Bevölkerung und andere Faktoren verunmöglichen es, eine flächendeckende Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse herzustellen. Der chronisch unterfinanzierte Staat kann auch nicht mehr mit Subventionen ausgleichend wirken.

Das Schrumpfen erfordert nicht nur in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern Erneuerung und Modernisierung, ja es ermöglicht ein radikales Umdenken. Aus der Not und aus Überzeugung beginnen BewohnerInnen, sich um Fragen ihrer Lebensqualität selbst zu kümmern. Sie engagieren sich für Wasser-, Gas-und Stromversorgung, Verkehr, Gesundheit, Schulbildung, Freizeit und Kultur. Sie gründen freie Schulen, erfinden ihre eigene Abwasserversorgung oder stoßen neue Formen der Energiegewinnung an. Sie schaffen und erhalten Arbeitsplätze und lenken die Wertschöpfung wieder stärker in den Nahraum zurück.

Im Buch werden sie Raumpioniere genannt und sie können sowohl Einheimische sein, als Zugezogene. Sie haben eine Wünschelrutenfunktion. Statt einer eh illusionären Sicherheit oder anderswo definierten Standards nachzujagen, gehe es jetzt, so die These um neue Kooperationen zwischen Bürgergesellschaft und staatlichen Instanzen. Diese könnten Konzepte der Kritik- und Alternativbewegungen der letzten Jahrzehnte (Selbstorganisation, Kreativität, Dezentralisierung, Selbstorganisation und Eigenverantwortung) nutzen – mit dem Ziel – stattdessen - Vertrauen aufzubauen und lokale Lösungen zu finden.

Das Buch skizziert theoretische Konzepte einer Raumpolitik, die einer anderen Entwicklungslogik folgen, und damit neue, nicht ganz widerspruchsfreie Konzepte von „Regieren“ und gesellschaftlicher Regulierung mit sich bringen. Denn die Raumpioniere sollten ja nicht die billigen Trüffelschweine für neue Verwertungsmodelle eines grünen Post-Neoliberalismus sein, und bürgerschaftliches Engagement kann und darf nicht zur Kompensation weggefallener staatlicher Leistungen missbraucht werden. Nicht zuletzt stellt das im Umfeld des Bauhauses in Dessau entstandene Buch ein Dutzend Projekte aus der Praxis vor. Diese Mischung macht es interessant und wirklich lesenswert. Die drei am Schluss skizzierten Utopien für das Jahr 2050 verdeutlichen dann, dass vieles möglich ist, etwa eine sozialökologische „Rurale Republik Harz“ mit 800.000 EinwohnerInnen. Wünschenswerter und womöglich realistischer als die Wiederkehr der „Vollbeschäftigung“ ist jene allemal.

Bernd Hüttner

Kerstin Faber, Philipp Oswalt (Hg.): Raumpioniere in ländlichen Regionen. Neue Wege der Daseinsvorsorge, Verlag Spector Books, Leipzig 2013, 216 Seiten, 25 EUR

Diese Rezension erscheint auch gedruckt in der Februarausgabe von CONTRASTE, der Monatszeitung für Selbstorganisation.


Solidarity - Greece - The Left - Action - Strategy

Lange Reihen wartender Taxis, leere bzw. geschlossene Restaurants und Cafés sind unübersehbare Krisensymptome im Stadtbild von Athen, wo Wut, bedrückt-sein, Selbstironie und eine Vielzahl von Kleingruppen-Protestaktionen gegen die „Austeritäts-Politik“ Normalität sind. "Die Troika", die „eigenen Mafia-Politiker, insbesondere von PASOK", "Deutschland" und "Merkel" sind allgegenwärtige und mit wachsender Armut verknüpfte Vokabeln. Sie werden schnell durch Verweise auf „eigene Schlampigkeit“ ergänzt ...

Der europäischen Solidaritätsdelegation von "Bewegungsmenschen", die vor allem auf Attac France und dann Attac Europe zurückging, wurde überall aufgeschlossen begegnet. Man meint, dass die Linken in Europa, womit die alten EU-Länder gemeint sind, und insbesondere in Deutschland zu "Solidarität mit den griechischen Menschen" gefordert seien. Man lehnt den Vergleich mit der zerstörerischen „marktwirtschaftlichen“ Transformation in den MOE-Staaten ab. Read more


Bloss eine neue Sau durchs Dorf?

Kurz nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 machten sich Sebastian Dullien, Andrea Nahles und andere für den guten Kapitalismus stark. Da die Sache mit dem Sozialismus ziemlich anstregend, unpopulär, langwierig, im Zweifel unwahrscheinlich, womöglich gar nicht machbar und auf alle Fälle nicht rasch zu verwirklichen sei (was man sich angesichts der gegenwärtigen Krise nun schon garnicht leisten könne), bliebe man besser beim Kapitalismus. Nur gut, echt gut solle er werden. In der LuXemburg 2/2010 ist das näher betrachtet worden. Ein erstes Zwischenresultat dürfte unstrittig sein: auf die Schnelle hat das nicht wirklich geklappt, aber mal sehn.

Auf alle Fälle bietet sich eine Ersatzvariante an, auf die just Dietmar Bartsch aufmerksam gemacht hat. Dieser wurde ein paar Tage vor Weihnachten von Welt online gefragt:

„Was unterscheidet sie in der Substanz von den Sozialdemokraten?“

Seine bemerkenswerte Antwort war:

„Der Kern ist, dass die SPD einen demokratischen Kapitalismus will und wir einen demokratischen Sozialismus wollen.“

Diese Unterscheidung teilen andere natürlich nicht...Read more


Nachgereichte Rezension

Die Rezension fiel einem Nachruf zum Opfer ...

Frank Adler, Ulrich Schachtschneider, Green New Deal, Suffizienz oder Ökosozialismus, Konzepte für gesellschaftliche Wege aus der Ökokrise, 978-3-86581-213-1, 2010 oekom, München, 318 Seiten, 24,90 Euro.

Die Namen der Autoren versprechen eine gewinnende Lektüre: Dr. Frank Adler, Verfasser sehr lesenswerter Beiträge zur Industriesoziologie in der DDR, zum sozialen Wandel und zu sozialer Ungleichheit in Ostdeutschland und Ulrich Schachtschneider, der mit mehreren Publikationen zur Nachhaltigkeitsproblematik Aufmerksamkeit erregte.

Das Buch wird den hohen Erwartungen voll gerecht: es ist eine außergewöhnliche Arbeit – vom Anliegen und den Zielen, vom Herangehen, von den Darlegungen, der Sorgfalt und der Qualität her.Read more


"Söderbaum-Workshop" naht

Der internationale Workshop „Understanding Sustainability Economics. Torwards Pluralism in Economics” naht mit schnellen Schritten.  Ein für seine Vorbereitung eingerichteter Blog wächst und gedeiht. Dort sind u. a. gut illustrierende PowerPointPresentationen zu finden, so von Peter Söderbaum  RLF28October2011SöderbaumIntroductory remarks(1)und Leif Bratt Why neoclassical economics is attractive(1). Im Vorfeld des Workshops wurde bzw. wird zu vier Fragen diskutiert: 1. Ursachen für die Attraktivität der Neoklassik;  2. Herausforderungen, Rollen und Grenzen einer Wirtschaftswissenschaft, die helfen will, Nachhaltigkeit zu realisieren; 3. Möglichkeiten, Hindernisse und Spielräume für Pluralismus in der Wirtschaftswissenschaft – in Forschung und Lehre – Strategien seiner Erlangung, um Wirtschaftswissenschaft pro Nachhaltigkeit zu befördern;  4. Schlussfolgerungen für eine alternative Wirtschaftspolitik.

Dazu hier ein kurzes Diskussionsangebot:

1. Ja, sicher hat z. B. Joachim Spangenberg Recht, wenn er – mit Bezug auf Christian Arnsperger und Yanis VaroufakisRead more


Szenarien, Konflikte und konkurrierende Projekte in der Krise

 Anknüpfend an die im Jahr 2009 erschienen Krisenanalysen (März und Juli 2009) hat das IfG im Sommer im Zusammenhang mit der Konferenz „Transformation im Kapitalismus und darüber hinaus“ ein weiteres Papier vorgelegt. Unter dem Titel „Organische Krise des Finanzmarkt-Kapitalismus: Szenarien, Konflikte, konkurrierende Projekte“ werden Thesen zur gegenwärtigen Situation und zu möglichen Entwicklungsrichtungen vorgestellt. Breiten Raum nehmen dabei Analysen zu den sich entwickelnden Interessenkonstellationen in den verschiedenen Teilen der Gesellschaft ein. In den vergangenen zwei Jahren haben sich Spielräume verengt, trotzdem reicht das Spektrum der nach wie vor möglichen Szenarien von ausgesprochen repressiven bis hin zu eher  grün-wohlfahrtsstaatlichen Varianten mit neoliberalen Elementen. Entscheidend wird wie immer  sein, wie stark die Gegenbewegungen zu den Vorstellungen des herrschenden Blocks sein werden und welche Richtung diese Gegenbewegungen nehmen. Read more


Wie wärs mal mit "finanzieller Repression" nach Reinhart/Sbrancia?

Gestern titelte die FAZ auf Seite 10 ihrer Wirtschaftsseiten: "Die sanfte Enteignung der Sparer. Wie Amerika einst seinen Schuldenstand abbaute/Gold war privaten Anlegern bis 1974 verboten". Es folgt ein sehr interessanter Artikel über "finanzielle Repression". Diesen Begriff griffen die beiden Wirtschaftswissenschaftlerinnen Reinhart und Sbrancia [1,2] vor gar nicht all zu langer Zeit auf und beschrieben damit den Weg, den mehrere Nationalökonomien aus massiven Verschuldungslagen genommen haben, in denen sie sich nach 1945 gefunden hatten und die mit den heutigen rein quantitativ durchaus vergleichbar seien. Read more


Im Erscheinen: Der Implex

Das möcht ich lesen und diskutieren, darauf warte ich gerne noch den Sommer über. Nicht nur weil der Ankündigungstext viele Nägel auf ihre Köpfe trifft, mit deren Hilfe ich - und zwar nicht alleine - so tagtäglich meinen Welthalt zusammenzimmere. Sondern auch weil Dietmar Dath schreiben kann, nicht nur Science ("Dirac", "Für immer in Honig") und Bio Fiction ("Die Abschaffung der Arten"), sondern auch Beiträge zur sozialistischen ("Maschinenwinter. Wissen Technik Sozialismus") und ganz grundsätzlichen Utopiedebatte ("Sämmtliche Gedichte"). Read more


Drei tolle Wiwi- (wirtschaftswissenschaftliche) Tage in Istanbul

Es war faszinierend, was unter dem Motto "Die ökologische Ökonomie voranbringen. Theorie und Praxis" an der Bogozici-Universität ablief (- am gleichem Ort, wo Ende Mai die Europäische Assoziation für Geschichte des ökonomischen Denkens tagte): Ca. 350 Wirtschaftswisschaftler/innen aus mehr als 40 Ländern konnten über 90 vielfältige Veranstaltungen mit ca. 250 Redner/innen, davon etwa 20 aus den MOE-Ländern, erleben. Da zuvor Arbeitsgruppen auswählten, welches "Paper" vorgestellt werden darf, kann von einem noch größerem Input-Angebot ausgegangen werden. Das bekräftigt Peter Söderbaums These: "Die ökologische Ökonomie wird zur sozialen Bewegung." Das deutliche Bemühen der Europäischen Assoziation für ökologische Ökonomie ESEE, Einfluß auf das Denken und Handeln von sozialen und offiziell-politischen Akteuren, von Lehrenden, Forschenden, Studierenden und Lernenden zu nehmen und die Wirtschaftswissenschaften zu demokratisieren, liefern weitere Argumente dafür. Die "De-growth"-Streiter/innen sehen sich zumindest teilweise als eine gewisse Avantgarde und sorgten mit ihrem pre-conference-workshop und einer großen Anzahl von Veranstaltungen dafür, dass man sich "zu dem Thema" verhielt. Read more


KSI/Attac/Publik-Forum: „Finanzmarkttagung“

Das Katholisch-soziale Institut (KSI) in Bad Honnef bot den Raum für ein übervolles drei-Tage-Programm zum Thema „Eine neue Balance zwischen Geld und Leben. Ethische und ökonomische Grundlagen humaner Gesellschaften“. Christian Felber, Heiner Flassbeck und Sven Giegold garantierten für Informationen aus erster Hand, kompetente Darlegungen, Kurzweiligkeit und Humor. Dass ihnen außergewöhnlich viel Zeit gewährt war, steigerte das ohnehin große Interesse an der Tagung und lässt auf nachhaltige Bildungseffekte hoffen.

Einige wenige Anmerkungen fokussieren auf die Themen „Krise“ und „Lässt uns über Alternativen reden“.Read more