Konflikte um Infrastrukturen

Eine Rezension von Herbert Klemisch

Die Diskussion um Mängel der öffentlichen Daseinsvorsorge entzündet sich aktuell an vielen Gegenstandsbereichen. Da ist das marode Straßen- und Schienennetz, schlechte Luft und fehlende Wohnungen besonders in den Metropolen, die mangelhafte Gesundheitsversorgung sowie die Defizite der Mobilität im ländlichen Raum oder die mangelhafte Versorgung mit Kindergarten-, Schul und Ausbildungsplätzen. Die Gesellschaft ist in eine Phase zugespitzter Infrastrukturkonflikte eingetreten.
Die Autor*innen präsentieren in diesem Buch die Ergebnisse des Forschungsprojektes «Gemeinwohl-relevante öffentliche Güter», das an der Universität Tübingen von 2020 bis 2023 durchgeführt wurde. In den Beiträgen wird aus sozialwissenschaftlicher Sicht rekonstruiert, wie de Politisierungs- und Transformationsprozesse in einzelnen Handlungs- oder Politikfeldern verlaufen. Im abschließenden Kapitel wird ausgelotet, wie die Perspektive einer staatlichen Gewährleistung bestimmter Leistungen bei Infrastrukturkonflikten aussehen kann. Dabei werden insbesondere die Beteiligungs- und Einflussmöglichkeiten sogenannter schwacher Interessen diskutiert.Read more


Klassismus in der politischen Bildung

Eine Rezension von Bernd Hüttner

Die Debatte um Klassismus ist nun auch in der politischen Bildung angekommen: zum einen als Gegenstand und Thema in der Bildung, zum anderen als Herausforderung für die Praxis. Das heißt, es werden Fragen gestellt nach Zielgruppen, Methoden und auch nach dem Selbstverständniss der Dozent*innen. Der hier vorliegende Band enthält nach einer Einleitung 14 Beiträge und widmet sich vorrangig der Bedeutung von Klassismus in der außerschulischen politischen Bildung.

Die Formate der Texte sind unterschiedlich: Sie reichen von dialogischer (Selbst-)Reflexion über klassische Theorietexte und Prosa bis zu Berichten aus der Praxis einzelner Vorhaben an Hochschulen oder der Jugendarbeit. Inhaltlich werden dabei verschiedene Themen bzw. Praxisfelder ausgeleuchtet: sexuelle Bildung, queere Jugendbildung, Geschlechterbildung und Heteronormativität, Antisemitismus und Heteronormativität, Rassismus, (Dis-)Ability, Klassismus und Kinder.

Immer wieder, wenn auch nicht durchgängig, geht es implizit um das Selbstverständnis von Politischen Bildner*innen und ihre eigene Politisierung, etwa indem Einblicke in ausgewählte Empowerment-Projekte oder in die eigene Biografie gewährt werden («Die Klassenposition verändert sich im Laufe unseres Lebens, die Klassenherkunft bleibt jedoch unveränderbar»).

Die Sprache des Bandes ist sehr akademisch, obwohl das Buch nach den Worten der Herausgeber*innen «kein akademisches» sein will (S. 16). Leser*innen, die sich für Klassismus und/oder kritische politische Bildung interessieren, werden reichhaltige Impulse finden. Zudem werden sie dazu ermutigt, das Thema Klassismus in die eigene Praxis aufzunehmen, das eigene Handeln zu reflektieren und weiter zu entwickeln.Read more


Spendenaufruf zum HKWM

Wir dokumentieren den Aufruf des InkriT , der das HKWM seit 1994 herausgibt.

[Link zu einem Blogeintrag auf mehring1, der Websites nennt, auf denen Einträge aus dem HKWM frei zugänglich sind.]

Band 9/II des Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus (HKWM), >MITLEID< BIS >NAZISMUS<, ist vollständig gesetzt und geht noch dieses Jahr in die Druckerei. Immer wieder erreichten uns bange Fragen, wann denn dieser Band endlich erscheine, ob es vielleicht gar keinen neuen Band geben werde. Doch, es gibt ihn, und wir arbeiten schon seit einiger Zeit am Folgeband 10, von dem eine Reihe von Artikeln bei der letzten Tagung im Mai bereits diskutiert wurden; aber wir arbeiteten daran bis vor kurzem mit halber Kraft, da die Hauptanstrengung der Fertigstellung von Band 9/II galt.

Leider gibt es auch eine schlechte Nachricht, denn die Umstände, unter denen wir zu handeln gezwungen sind, haben sich mit der lange drohenden, nun sich vollziehenden Spaltung der Partei DIE LINKE dramatisch verschlechtert. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die bisher für etwa ein Drittel unserer Kosten aufgekommen ist, sieht sich schon jetzt zu einem rigorosen Sparkurs gezwungen, der mit Entlassungen und internen Umstrukturierungen verbunden ist. Noch ist nicht heraus, in welchem Umfang das Rückwirkungen auf das Historisch-kritische Wörterbuch des Marxismus haben wird, doch dass es welche haben wird und dass dies keine geringen sein werden, davon müssen wir ausgehen.

Wo es an institutioneller Unterstützung mangelt und die Inflation den Realwert der finanziellen Einnahmen des InkriT wegschmelzen lässt, seid ihr unsere Hoffnung – die Fellows mit ihren Beiträgen sowie die Sponsorinnen und Sponsoren, die jeweils fürs Erscheinen eines neuen Bandes etwas beisteuern.Read more


"Bonzos Auge"

Es ist zweifellos ein Verdienst der Rosa-Luxemburg-Stiftung und wesentlich ihres Referenten für Antisemitismus und jüdisch linke Geschichte und Gegenwart, Florian Weis, die drei Bände „Jüdinnen und Juden in der internationalen Linken“ herausgegeben zu haben. Im 2. Band ist u. a. von Paul Friedländer die Rede (S. 35, 36). Doch das ist nicht jener Paul Friedländer, der im Zentrum des Buches „Bonzos Auge“ steht. Aber auch dieser mit dem Kosenamen Bonzo gehört zu den Jüdinnen und Juden in der internationalen

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Care-Proteste als Ausgangspunkt einer gesellschaftlichen Transformationsstrategie

Die Kolleg*innen der RLS Brandenburg haben diese Publikation (ursprünglich eine Masterarbeit in Politikwissenschaften an der Universität Wien) mit ihrem Förderpreis 2022 ausgezeichnet. Der Verlag schreibt zum Buch:

Trotz der unübertroffenen Systemrelevanz wird Care-Arbeit noch immer weder (gut) bezahlt noch gewürdigt. Was die Gesellschaft im Innersten zusammenhält, wird in der neoliberalen Hegemonie abgewertet. Der anhaltende Pflegenotstand und die Corona-Pandemie haben dieses Selbstverständnis jedoch eingerissen.

Care-Leistende sind sich einig: Profit pflegt keine Menschen! Es braucht eine auf Solidarität und Gemeinwohl gerichtete Gegenhegemonie, um neo­liberaler Krisenpolitik und Ausbeutung den Riegel vorzuschieben. Malika Guellil diskutiert in ihrem Buch (124 Seiten, 12,80 Euro) das Potenzial, das von Care-Protesten für eine Transformationsstrategie ausgeht, die die neo­liberal-kapitalistischen Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnisse umzukehren versucht. Sie will dabei das Bewusstsein über menschliche Interdependenzen und daraus resultierende Forderungen nach Inklusion schaffen, Geschlechterverhältnisse verstärkt in den Mittelpunkt rücken sowie die Hegemonie des Neoliberalismus dekonstruieren.

Um diese Entwicklungen umzukehren, muss eine Care-Revolution entfacht werden, um den Wohlfahrtsstaat und die Demokratie zu sichern. Es geht auch um die Möglichkeit einer Verbindung mit den Klimaprotesten. Care-Umdenken ist Bestandteil der sozialökologischen Transformation.

Leseprobe beim VSA-Verlag (PDF).


Warum Klasse zählt [Rezension)

Von Sebastian Klauke

Gelegentlich bekommt man in den verschiedenen, vor allem akademischen geprägten Diskussionen schon den Eindruck, dass Deutschland und andere westliche Staaten keine Klassengesellschaften seien oder Klasse eine weniger folgenreiche analytische Ebene für das Verständnis der gegenwärtigen kapitalistischen Verhältnisse sei. Umso erfreulicher und überaus nützlich ist die vorliegende Übersetzung eines Artikels und eines Interviews des 2019 viel zu früh an Krebs verstorbenen US-amerikanischen marxistischen Soziologen Erik Olin Wright.

In sprachlich wunderbarer Klarheit legt er seinen eigenen Ansatz der Klassenanalyse dar, der für eine integrative Perspektive dreier Ebenen wirbt: Klasse aus individueller Sicht, Klasse verstanden als ‚Chancenhortung‘ und schließlich Klasse ‚als Ausbeutung und Herrschaft‘. Hier verbindet Wiright die Marxsche Perspektive mit der von Max Weber. Das anschließende Interview gibt Aufschluss über seinen eigenen Werdegang, insbesondere in intellektueller Hinsicht und verdeutlich nochmals die wichtigsten Punkte seiner Klassentheorie. Deutlich wird, dass Wright ganz offen als Marxist die soziologische Klassenforschung vorantrieb und dennoch in den Vereinigten Staaten durchaus anerkannt war. Den Band beschließt ein Nachwort des Soziologen Oliver Nachtwey, der Wright in bestem Sinne kritisch würdigt und auch klar die Lücken seiner Theorie benennt: das sind in erster Linie die Geschlechterverhältnisse. Zugleich bietet Nachtwey einen biographischen Abriss, der auch die analytische Entwicklung Wrights umfasst. Alles in allem ein gelungener, lesenswerter Band, der plausibel den Stellenwert von Klassentheorie und -analyse vor Augen führt. Das Buch ist gleichermaßen als Diskussionsgrundlage für akademische wie auch bewegungsorientierte Zusammenhänge geeignet. Dass das Buch im Suhrkamp Verlag erschienen ist, lässt an frühere Zeiten denken, als der Verlag die Heimat vieler solcher Veröffentlichungen war. Möge der Band große Verbreitung finden, er hat es in jeder Hinsicht verdient.

Eric Olin Wright: Warum Klasse zählt. Mit einem Nachwort von Oliver Nachtwey, aus dem Amerikanischen von Philipp Hölzing, Suhrkamp, Berlin 2023, 111 Seiten, 16 Euro.


Hundertundeine Legende über Ökonomie, Arbeit und Soziales [Rezension]

Eine Rezension von Bernd Hüttner

«Der Sozialstaat ist unbezahlbar.» «Die Löhne sind zu hoch.» «Wachstum kommt allen zugute.» «Private Unternehmen sind effizienter als der Staat.» «Hohe Steuern bremsen die Wirtschaft.» Derlei Behauptungen sind überall in den Medien und der Politik zu lesen und zu hören. Sie haben mehr Markt zum Ziel, und sie sind Ausdruck eines seit mindestens Anfang der 1980er zunehmend politisch gewollten und staatlich durchgesetzten neoliberalen «Zeitgeistes», der auf unternehmerische «Freiheit», Konkurrenz, Privateigentum und «Eigenverantwortung» setzt. Als Resultate hatte er für sehr viele vor allem mehr Ungleichheit und mehr Vereinzelung und weniger soziale Sicherheit und gesellschaftlich weniger Umverteilung «nach unten» zur Folge.

Das hier vorliegende Buch besteht, gegliedert in acht Kapitel, gut zur Hälfte aus Kolumnen, die von 2015 bis 2019 in der Zeitschrift lunapark21 bzw. von 2020 bis 2023 dann in der Zeitschrift OXI. Wirtschaft anders denken erschienen sind. In diesen wurden neoliberale Behauptungen über Arbeit, Staat, Finanzen und Soziales unter die Lupe genommen. Verfasst wurden sie von den hauptamtlichen Gewerkschaftern Schreiner und Eicker-Wolf, die jahrelang zusammen auch den Blog Blickpunkt WiSo verantwortet haben. Die beiden wollten mit ihren Texten aufzeigen, weshalb diese Behauptungen falsch sind oder in die Irre führen; wem sie schaden und wem sie nutzen und auch, welche Denkmuster und Annahmen hinter ihnen stehen. Es lohnt sich, gegen derlei Behauptungen und Feindbilder zu streiten. Und zwar auch und gerade dann, wenn sie im vermeintlich objektiven Gewand der Wissenschaft daherkommen. Die Dominanz des Neoliberalismus und des Kapitals ist, das haben die letzten Jahre gezeigt, angreifbar. Es ist möglich und nötig, neoliberale Märchen anzugreifen, wie sie in Bildern vom zu teuren Hängemattenstaat, von halsstarrigen Gewerkschaften oder von faulen Armen existieren.Read more


Was kommt nach Corona? [Sammelbesprechung]

Andreas Nölke, Professor für Internationale Beziehungen und Internationale Politische Ökonomie an der Universität Frankfurt/Main hat in Neue Politische Literatur. Berichte aus Geschichts‐ und Politikwissenschaft, Ausgabe 2/2023 in einem Aufsatz 26 Bücher zur Corona-Krise und ihren Folgen besprochen. Das Abstract:

"Die Corona-Pandemie hat zum tiefsten wirtschaftlichen Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg geführt. Wirtschaftliche Krisen haben in der Vergangenheit häufig einen Richtungswechsel in der Entwicklung des Kapitalismus bewirkt. Was sind die Folgen der Corona-Krise? Der Rezensionsaufsatz nimmt eine Bestandsaufnahme von 26 Büchern vor, die seit 2020 zum Thema Corona und Wirtschaft in Wirtschaftswissenschaft, kritischer Gesellschaftsforschung, Politischer Ökonomie und verwandten Disziplinen erschienen sind. Auch wenn die meisten Bücher klare Aussagen zur weiteren Entwicklung unseres Wirtschaftssystems vermeiden, lässt sich in der Zusammenschau der Beiträge ein gemeinsames Leitmotiv identifizieren. Sehr deutlich ist, dass in der nahen Zukunft ein weniger liberales Wirtschaftssystem erwartet wird. Deutlich gestärkt sehen die meisten Analysen jedenfalls den Staat, der in Zukunft wieder stärker in die Wirtschaft eingreifen wird, nicht nur zur sozialen und ökonomischen Stabilisierung nach der Pandemie, sondern auch bei der Bekämpfung des Klimawandels. Ob sich dieser Wandel auch in mehr sozialer Sicherheit und weniger Ungleichheit ausdrücken wird, bleibt aber unklar".

Der Text ist hier als PDF online.


Degrowth - CfA des Widerspruch (Zürich)

Die Schweizer Zeitschrift «Widerspruch. Beiträge zu sozialistischer Politik» sucht für Ihre Nr. 82 kürzere und längere Beiträge, Essays, Thesenartikel, Statistiken, Karten usw. (von 3000 bis max. 25'000 Zeichen) sowie Tagungsberichte und Rezensionen zum Thema «Degrowth». Vorschläge sind bitte bis 30. Oktober 2023 einzureichen. Alles weitere im sog. PDF_Aufrisspapier.


Zum Ende der Oxi – ein kurzer Rückblick

Von Sebastian Klauke

Mit der September Ausgabe, ironischerweise mit dem Schwerpunktthema Krise, endet die Monatszeitung Oxi – ein herber Verlust für die linke Zeitungslandschaft in Deutschland, vor allem wenn es um einschlägige Publikationen zum Thema Ökonomie geht. Die nötige Zahl der Abonnements von 5.000 konnte nicht erreicht werden, so dass die kleine, aber feine Redaktion um Chefredakteurin Kathrin Gerlof die Druckausgabe einstellte, wie es mit dem oxiblog weitergeht, wird die Zukunft zeigen.

Das Ende der Zeitung ist bedauerlich, war sie doch eine echte Bereicherung und Plattform vor allem für die breite Debatte darum, was heterodoxes wirtschaftliches/ökonomisches Denken und Handeln anbelangt. Gerlof und den anderen Beteiligten ist für ihre allmonatliche Hingabe zu danken, ebenso für den Mut, das Vorhaben überhaupt 2016, damals noch in Kooperation mit dem damaligen «Neuen Deutschland» angegangen zu sein.

Besonders schön war, dass Oxi nicht den tagesaktuellen Moden folgten musste (und wollte), sondern je eigene Themenschwerpunkte präsentierte. Hinzu kamen feste Kolumnen, die teilweise über die Jahre auch wechselten, aber immer gut in Erinnerung blieben. Zuletzt schrieben Christiane Kliemann, Elmar Wigand und Uta Meier-Gräwe: erstere über den Irrsinn der ökologischen Zerstörungen im Rahmen der kapitalistischen Verhältnisse, immer verbunden mit der Hoffnung, dass es doch anders ginge, er als Kritiker von Lobbyismus und Union Busting und letztere über die Untiefen der Care-Arbeit, der Haushaltsökonomie und die blinden Flecken im Bereich der Geschlechterverhältnisse. Zuvor waren die beiden Gewerkschafter Patrick Schreiner und Kai Eicker-Wolf langjährige Kolumnisten gewesen und schrieben über ökonomische «Selbstverständlichkeiten» und deren Infragestellung. Unvergessen auch Regine Beyß, die über ihr Leben in einer Kommune reflektierte und tiefe Einsichten vermittelte.Read more


Gesammeltes aus dem IfG (September 23)

Hier ein kurzer Überblick über die jüngsten IfG-Aktivitäten:

Die Ampel im FDP-Modus. Der neue Haushalt sieht Kürzungen vor allem im Sozial- und Bildungsbereich vor und bremst dringend benötigte Investitionen aus.

Wer es angesichts von zu niedrigen Bürgergeldsätzen, Kinderarmut, unterfinanzierten Kommunen, maroden Schienen, Personalnot in Kitas und Schulen, verarmten Studierenden und allgemein dem zu langsamen Umbau der Gesellschaft trotz des Klimawandels noch nicht mitbekommen hat: «Die Zeit der Wünsche ist vorbei.» So jedenfalls sieht es Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP). Neben einigem ökonomischem Unsinn, in einem Gastbeitrag für die FAZ verkündet, steckt er in seinem Text auch die Richtung für die nächsten Jahre ab: «Der Haushalt 2024 ist Teil der finanz- und wirtschaftspolitischen Zeitenwende, bei der wir erst am Anfang stehen.» In der Tat stehen wir vor einer verschärften Sparpolitik. Eine Analyse.

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15 Thesen für einen linken Neustart

«Wir leben in keiner offenen gesellschaftlichen Situation mehr, die Entwicklungspfade sind umkämpft, viele mögliche Alternativen aber bereits verunmöglicht, Wege sind verschlossen.»

Im verlinkten Text bei der Zeitschrift Luxemburg beschreibe ich mit 15 Thesen die sich neu herausbildenden Kräftekonstellationen, politischen Verwerfungen und die aktuellen Herausforderungen für die Linke. Als zentrales strategisches Moment sehe ich die Herausbildung eines neuen hegemonialen Entwicklungspfades entlang verschiedener Ausprägungen eines grünen Kapitalismus. Damit einher geht die Herausbildung einer neuen Blockkonfrontation um die globale Führung in dieser neuen Entwicklungsperiode. Entgegen dieses neuen Projektes bildet sich eine nationalautoritäre Melange aus radikalisiertem Konservatismus und radikaler Rechter.

Für viele Länder des Südens wird es eine Phase externer Schocks und innerer Zerfallsprozesse werden und auch in den kapitalistischen Zentren wird es zu heftigen Transformationskonflikten kommen. Aus diesen Verwerfungen entsteht immer auch ein Potential für Widerstand, aber nicht zwangsläufig eine erfolgreiche Verbindung von möglichen, realisierbaren Schritten, Gestaltungswillen und einer Perspektive des Systemwechsels. Vielmehr sollte sich die Linke auf eine langjährige Position in der Defensive einstellen und vor allem entlang der Schnittstellen von sozialer, ökologischer und Friedensfrage produktive Konflikte zu herzustellen. Mario Candeias versucht entlang seiner Thesen den Weg einer erfolgreichen disruptiven Neugründung der parteipolitischen Linken aufzuzeigen.

Zu den 15 Thesen


Gesammeltes aus dem IfG (Juli 23)

Hier ein kurzer Überblick über die jüngsten IfG-Aktivitäten:

Was blüht im Osten?
Die Zeitschrift LuXemburg 1/2023 sucht nach Ideen für einen ökosozialen Wandel und nach Initiativen, die im Osten Zukunft machen.

Tagung "Zeitenwende – welche Zeitenwende?" Umbrüche im globalen Kapitalismus

Wirtschaftswende jetzt.
PDF: Die Erosion des deutschen Exportmodells erfordert Elemente
einer neuen Ökonomie.

Die Ampel im FDP-Modus.
Der neue Haushalt sieht Kürzungen vor allem im Sozial- und Bildungsbereich vor und bremst dringend benötigte Investitionen aus.

Eher grau als grün?
Kriterien für «Grünen Wasserstoff» nach dem Delegated Act – Eine Erläuterung.

Schöner wohnen in Hessen?
Eine Bestandsaufnahme der Wohnungskrise in Hessen und Vorschläge zu ihrer Bewältigung.

Einwanderung und Einbürgerung
Beiträge zu einer notwendigen linken Debatte um dauerhaften Aufenthalt und Partizipation in Deutschland - Darin auch die Studie:
Linke Potenziale, potenzielle Fallstricke. Zum Wahlverhalten migrantischer Communities in Deutschland.

Stefan Heym: Ein streitbarer Dichter am Puls der Zeit
Ausstellung und Begleitprogramm | Berlin, 30.3. bis 15.8.

Rückblick: Gemeinsam in die Offensive
Das Interesse war groß: Über 1500 Menschen besuchten die 5. Konferenz Gewerkschaftliche Erneuerung.

 

(Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Ergänzungen sind z.B. in der Kommentarspalte möglich.)


Feministische Ökonomiekritik [CfP für Prokla 214]

Die feministische Diskussion rund um den Zusammenhang von Vergeschlechtlichung, Patriarchat und Kapitalismus hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben. Das lässt sich anhand des Zeitraums zwischen unserem 2014 erschienenen Heft zum Materialistischen Feminismus (Heft 174) und heute gut nachvollziehen: Noch vor knapp zehn Jahren diagnostizierten wir, dass sich antifeministische Strategien und Kämpfe verschärfen, gleichzeitig aber das gesellschaftstheoretische Handwerkszeug, das zu deren Analyse herangezogen wurde, vorwiegend von kulturalistischen, eher poststrukturalistisch gefärbten Zugangsweisen und liberalen Feminismen beeinflusst schien. Häufig, so wurde kritisiert, geriet der Zusammenhang von Geschlecht und kapitalistischer Produktionsweise aus dem Blick.

Wir finden heute eine andere Situation vor. Nicht erst im Kontext der Coronapandemie (siehe bereits PROKLA 197 zu Krisen der Reproduktion) wurde deutlich, dass die krisenhafte gesellschaftliche Ungleichverteilung der Reproduktions- und Care-Arbeit als integraler Bestandteil von gesellschaftlichen Krisendynamiken gelesen werden muss. Auf der theoretischen Ebene verbinden materialistisch-feministische Theorien eine Kritik an patriarchalen Strukturen und Geschlechterverhältnissen in der Regel mit einer spezifischen Analyse der mit ihnen vermittelten ökonomischen Verhältnisse und der Strukturlogik des Kapitals. Zuletzt sind etwa im Zuge der Debatten um soziale Reproduktion, Care und feministische Kapitalismuskritiken auch im deutschsprachigen Raum vermehrt Arbeiten in Anschluss an die Social Reproduction Theory entstanden, die wiederum zu postkolonialen, ökologischen und intersektionalen Zugängen produktive Bezüge herstellen.

Die PROKLA 214 will zur Klärung des Ökonomieverständnisses und der Ökonomiekritik innerhalb des feministischen Denkens beitragen: Was leisten sie, welche Leerstellen und welche Grenzen weisen sie auf?

Hier geht es zum ausführlichen Call for Papers für PROKLA 214 (1/2024). Frist für die Exposees ist der 7. August 2023.


Die neue LuXemburg: Was blüht im Osten?

Die neue Ausgabe der Zeitschrift LuXemburg ist da und wir freuen uns sehr. Unter dem Titel „Was blüht im Osten?“ geht es darum, wie in Ostdeutschland Zukunft gemacht wird. Ein Heft über Strategien gegen rechts und die Herausforderung der LINKEN, über wirtschaftliche Umbrüche und neue Streiks, über die Wunden der Nachwendezeit und die Hoffnung neuer Kämpfe.

Hier ist die Ausgabe online lesen. Dort unten findet sich die Ankündigung mit einer Übersicht aller Texte. Hier lässt es sich bestellen. Read more