Kasakow über die Linke in Russland

Zu Beginn des Ukraine-Krieges schien es, als ob eine starke Antikriegsbewegung entstehen könnte. Demonstrationen, Erklärungen und andere Formen des Widerstandes wurden von Linken und Neoliberalen gleichermaßen getragen. Die Idee gemeinsamen Handelns lag wenigstens zeitweise in der Luft. Derartige Versuche erschöpften sich freilich in den folgenden Monaten. Auch die Hoffnungen einiger Organisationen, dass es in Folge der Verschlechterung der Lebensbedingungen zu sozialen Protesten kommen würde, blieb bloße Hoffnung. Bisher ist es der Regierung gelungen, die soziale Stabilität trotz aller Turbulenzen durch Sanktionen, der Teilmobilmachung und wachsender Aufwendungen für den Krieg zu sichern. Seit April 2022 bedeutet Kampf gegen den Krieg zähe und gefährliche Kleinarbeit.

Ewgeniy Kasakow hat nun im Unrast-Verlag einen Band unter dem Titel „Spezialoperation und Frieden. Die russische Linke gegen den Krieg“ veröffentlicht. Er stellt einen Teil der Akteure des Widerstandes gegen den Krieg vor und macht eine Reihe von Quellen zu diesem Thema zugänglich.

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Ende Gelände: We shut shit down; Hamburg 2022 [Rezension]

2015 besetzte Ende Gelände erstmals den Kohletagebau in Garzweiler. Seit diesem Zeitpunkt tritt der in Ortsgruppen und thematischen Arbeitsgemeinschaften organisierte Zusammenschluss unter diesem Namen auf – inzwischen ist er schon fast eine Marke geworden ist. 2016 fanden Proteste in der Lausitz statt, 2017 wieder in Garzweiler, hier erstmals mit thematisch definierten Aktionen auch über den vermeintlich eigentlichen Gegenstand (die praktische Kritik an der aktuellen Energiewirtschaft) hinaus, unter anderem zu Sexismus und Ko(h)lonialismus.
Das hier vorliegende Buch mit größtenteils 2020 verfassten Texten soll Bewegungsgeschichte festhalten und die vielen gemachten Erfahrungen teilen. Die Texte stammen von einer (anonymen) Arbeitsgruppe, die ausdrücklich nicht für die Bewegung sprechen kann und will. Im ersten Kapitel werden die verschiedenen Aktionen vorgestellt und nacherzählt. Im zweiten die politischen Strategien, die «Ende Gelände» verfolgt. Hier ist zum einen die professionelle und aktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu nennen, und ebenso der zivile Ungehorsam, der unter dem Motto «Nicht legal, aber legitim» blockierend in die Abläufe des fossilen Kapitalismus eingreift. Nach «innen» wird auf eine gute Gruppenstruktur und ein förderliches Gruppenklima geachtet, und auf Vorbereitung auf und den solidarischen Umgang mit Repression.Read more


Arbeit. Klasse. Politik. Klassendynamiken im Zeichen von Transformation, Pandemie und einer gespaltenen Arbeitswelt

Die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Soziologischen Forschungsinstitut der Universität Göttingen (SOFI) veranstaltete Tagung ging den Prozessen der Klassenformierung vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krisen und Transformationsprozesse nach. Behandelt wurden unter anderem die Auswirkungen der Globalisierung, der Digitalisierung, der Migration, der Einfluss staatlicher Politik auf die Klassenformierung und die Perspektiven internationaler Solidarität.

Tagungsbericht von Thomas Sablowski und Domink Harder in Arbeit - Bewegung - Geschichte. Zeitschrift für historische Studien, Heft 1/22.

Der vollständige Bericht hier im PDF. Die zweitägige Veranstaltung ist auch hier per Video (vollständig) dokumentiert (Zugriff 25.1. 2022).


Corona und die Folgen [CfP der ProKla]

Über Gewinner, Verlierer und Chancen für eine neue Gesellschaftspolitik wird das Heft vom März 2022 der Zeitschrift ProKla berichten. Dazu bittet die Redaktion jetzt um Beiträge. Sie schreibt:

"Der Beginn der COVID-19-Pandemie liegt inzwischen eineinhalb Jahre zurück. In der politischen und sozialwissenschaftlichen Debatte wurde oft betont, die Pandemie wirke wie ein Brennglas und zeige, wo gesellschaftliche Prioritäten liegen, entlang welcher Linien Ungleichheiten die Gesellschaft strukturieren, was gut, und was nicht so gut funktioniert. Besonders deutlich wurde dies in den Gesundheitssystemen: In Anbetracht von knappen medizinischen Behandlungs- und Bettenkapazitäten sowie Liefer- und Produktionsengpässen diverser Art ist die Notwendigkeit einer funktionierenden Notfall-, Gesundheits- und Arzneiversorgung schlagartig in den Fokus von Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit gerückt.

Aber die Auswirkungen der Pandemie beschränken sich nicht auf das Gesundheitswesen. Die spezifische Kombination von Einbrüchen auf der Angebots- und der Nachfrageseite der Wirtschaft haben im globalen Maßstab zu Rückgängen geführt, die die Effekte früherer Krisen wie etwa der Finanzkrise 2008/2009 übersteigen. Eine Besonderheit war diesmal, dass das staatliche Handeln nicht einfach darauf zielen konnte, mit einschlägigen Maßnahmen die Wirtschaftsbelebung anzukurbeln. Im Gegenteil mussten zur Pandemiebekämpfung Beschränkungen in Form von Lockdowns aufgelegt werden, die insbesondere in den konsumorientierten Dienstleistungsbereichen die Wirtschaft fast zum Erliegen brachten. Zur Kompensation wurden in unterschiedlichem Umfang konjunktur- und sozialpolitische Maßnahmen ergriffen. In Deutschland etwa wurde der Zugang zum Kurzarbeitergeld erleichtert und ein Corona-Konjunkturprogramm aufgelegt. Mehr als 130 Milliarden Euro wurden eingesetzt, um die Folgen der Corona-Pandemie und der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit zu bewältigen. Die EU beschloss einen 750 Mrd. Euro umfassenden Wiederaufbaufonds. Und in den USA legte die Biden-Regierung ein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Konjunkturprogramm vor [Den Call weiterlesen]

Deadline für die abstracts ist der 6. September 2021.


Winker: Solidarische Care-Ökonomie [Rezension]

Von Andrea_s Exner

Die vielfältigen, miteinander zusammenhängenden Krisen stellen politische Aktivist:innen vor eine dreifache Herausforderung: Wie können Auseinandersetzungen, die sich an verschiedenen Brennpunkten entzünden, so verbunden werden, dass sie, erstens, auf konkrete Bedürfnisse Bezug nehmen, zweitens, den Alltag verbessern, und, drittens, zugleich dazu beitragen, die kapitalistische Wirtschaftsweise zu überwinden? Mit Blick auf diese Herausforderung sucht Gabriele Winker, emeritierte Professorin für Arbeitswissenschaft und Gender Studies an der TU Hamburg sowie Mitbegründerin des Netzwerks Care Revolution, nach Antworten.

Ihr neues Buch «Solidarische Care-Ökonomie» fokussiert dabei auf zwei Krisenstränge: die «Gefährdung von Sorgebeziehungen» und den «lebensbedrohlichen Klimawandel». Die Darstellung dieser Problembereiche besticht durch die gut lesbare und differenzierte Analyse. Danach erörtert Winker, wie diese Bereiche in der Perspektive einer solidarischen Care-Ökonomie verbunden werden können. Winker fasst die sozialen und ökologischen Krisen in dieser Hinsicht als Ausdruck der «Erschöpfung menschlicher und ökologischer Ressourcen». Diese Erschöpfung, so argumentiert die Autorin, beeinträchtigt die für eine politische Veränderung entscheidende Handlungsfähigkeit von Menschen, während sie im selben Maße wirksames kollektives Handeln dringlich notwendig macht. Kenntnisreich zeichnet Winker ein präzises Bild des Leidens in einer neoliberal geprägten Gesellschaft. Sie zeigt jedoch auch auf, wie Menschen sich Zumutungen verweigern und Auswege suchen. Von diesen Anknüpfungspunkten für eine «revolutionäre Realpolitik für Care und Klima» ausgehend, skizziert Winker vier strategische Zielrichtungen, die einander ergänzen: eine Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit, den Aufbau einer solidarischen Unterstützungsstruktur durch ein bedingungsloses Grundeinkommen und eine soziale Infrastruktur, die Entwicklung demokratischer Beteiligungsformen in der Care-Arbeit und darüber hinaus, sowie die Unterstützung vielfältiger Lebensentwürfe durch Commons-Initiativen.Read more


Aktiv gegen Klassismus [Rezension]

Von Bernd Hüttner

Seit der Finanzkrise 2008/9 wird vermehrt über Ungleichheit, Reichtum und Kapitalismus debattiert. Selbst die Begriffe «Klasse» und «Klassengesellschaft» werden nun auch jenseits der Linken (wieder) verwendet. Klassen definieren sich - nach gängiger linker Lesart - über Besitz und Einkommen. Bei der Klassenzugehörigkeit geht es jedoch dem ökonomischen auch um kulturelles (Bildungsabschlüsse) und soziales Kapital (›Vitamin B‹). Selbst der Name, der Wohnort, die Sprache und der Geschmack können Marker für Klasse sein. In diesem Zusammenhang ist in den letzten Jahren vermehrt von «Klassismus» die Rede.
Unter Klassismus verstehen die Herausgeber*innen dieses Bandes eine «Unterdrückungsform», eine «Abwertung, Ausgrenzung und Marginalisierung entlang von Klasse». Klassismus beschreibe «die Diskriminierung aufgrund von Klassenherkunft oder Klassenzugehörigkeit» und «richtet sich gegen Menschen aus der Armuts- oder Arbeiter*innenklasse, zum Beispiel gegen einkommensarme, erwerbslose oder wohnungslose Menschen oder Arbeiter*innenkinder» (S. 11). Klassismus ist für Seeck und Theissl kein moralischer oder kulturalisierender Begriff, der auf Teilhabe an etwas abzulehnendem orientiert, sondern ein kritischer im Rahmen einer Theorie, die sich ganz bewusst für eine parteiische Position entscheidet. Sie haben 26 sehr verschiedene Beiträge zusammengetragen. Der Bogen reicht von Interviews und aktivistischen Erfahrungen über theoretische Diskussionen bis hin zu persönlichen Essays.Read more


Equal Care [Rezension]

Von «Pflege-Ketten» (care chains) sprechen Gesellschaftswissenschaftler*innen und verweisen darauf, dass auch Menschen in Pflegeberufen oder als Sorgende im Privaten Unterstützung, mitunter Fürsorge brauchen. Das schafft Abhängigkeiten in einem Teil unseres Lebens, der uns in jedem Alter begleitet, ganz gleich wo wir sozial stehen: Bei Geburt und Älterwerden, Krankheit, Leben mit Kindern, an allen Ecken des Alltags, ob Haushalt oder «Arbeitsplatz». Wie darin Geben und Nehmen verteilt sind und wie sich das fair oder für alle nachhaltig gestalten lassen kann, beschreibt das Buch «Equal Care» von Almut Schnerring und Sascha Verlan. Ihre Beobachtungen und Vorschläge dürften akut auf ein geschärftes Bewusstsein für Wert und Wertschätzung von «Kümmerarbeit» stoßen. Auch wenn das Thema bereits vor SARS-CoV-2 als «dringend» auf der Agenda von Umverteilungs-Konzepten stand, treten traditionelle Schieflagen und neue Ungleichheiten jetzt noch einmal deutlicher hervor.

Denn Care- oder Fürsorge-Arbeit ist das Zentrum der Gesellschaft und die Basis jeder Ökonomie. Sie ist oft unsichtbar, in der Regel kaum durch Technik ersetz- oder rationalisierbar, und sie wird zu 80 Prozent von Frauen erledigt. Sie führt, dem Gender Care Gap sei «Dank», zu einer geringeren Rente derjenigen, die sie ausführen. Schließlich erfährt sie allgemein, egal ob sie bezahlt wird oder nicht, wenig Wertschätzung. Ein gutes Drittel aller berufstätigen Frauen ist im Care-Sektor tätig. Die Arbeitsbedingungen sind dort oft schlecht und lassen wenig Selbst-Sorge zu. Diese geschlechtsspezifische Zuweisung – es gibt z.B. 2,6 Millionen Alleinerziehende, 2,2 Millionen davon sind Frauen – hat auch viel mit dementsprechend hinleitender Erziehung zu tun, die bereits bei Kleinkindern einsetzt. Der «Care Gap beginnt im Kinderzimmer», so die Autor*innen in ihrem zweiten Kapitel.Read more


Sonia Mitralia: Me Too: A movement for women workers too!

Sonia Mitralia ist eine Luxemburgerin, die als Künstlerin und linke politische Aktivistin schon seit Jahrzehnten in Athen lebt. Die sozialistische Feministin will vom individuellen “me too” zum kollektiven “us too” kommen und versteht das als Organisation einer emanzipativ-solidarischen Bewegung von Frauen und Lohnabhängigen und insbesondere von lohnabhängigen Frauen. Hier ihr Beitrag vom Frühjahr 2019:

Me Too: A movement for women workers too!Read more


[CfP] Weitermachen! Konferenz zu Marcuse am 22. Juni 2019 in Hannover

„Ich denke, um wirklich global und erfolgreich zu sein, muss sie, wie Marx es vorhersah, im höchstentwickelten Industrieland der Welt auftreten […].

Einer Sache bin ich mir absolut sicher, dass, wenn Sie nicht jetzt dafür arbeiten, sie nicht in 75 Jahren, nicht in 100 Jahren kommen wird, sie vielleicht überhaupt nicht kommen wird“

(Marcuse, 1974/2017: Kapitalismus und Opposition, S. 76).

Neben den zu Lebzeiten publizierten Werken hat uns Marcuse für eine Fortsetzung von Gesellschaftskritik sowie Analyse sozialer Bewegungen Vorträge, Manuskripte, Briefe und andere Materialien hinterlassen. Peter-Erwin Jansen hat einiges davon im Verlag zu Klampen herausgegeben. Anlässlich des 40. Todestages Marcuses laden wir nach Hannover ein, um bei einem Vortrag, vier Panels und einem Podium zu klären, welche Relevanz die darin behandelten Themen für uns heute haben können. Neben den fest stehenden Referent*innen – Prof. Dr. Ingrid Gilcher-Holtey, Prof. Dr. Rolf Pohl, Dr. des Roger Behrens, Maria Tsenekidou – wünschen wir uns weitere Beitragende, ob Akademiker*innen und/oder Aktivist*innen.

Wir freuen uns über Bewerbungen für die folgenden Panel, die wir an den Nachgelassenen Schriften ausgerichtet haben, die sich daher auch gerne im Inhalt wiederfinden können:

1. Kunst und Befreiung (vgl. Nachgelassene Schriften Band 2)

2. Philosophie und Psychoanalyse (vgl. Nachgelassene Schriften Band 3)

3. Die Studentenbewegung und ihre Folgen (vgl. Nachgelassene Schriften Band 4)

4. Ökologie und Gesellschaftskritik (vgl. Nachgelassene Schriften Band 6, hier möchten wir uns insbesondere auf das Themengebiet Technik/Technologie fokussieren)

5. Abschlusspanel zum Thema „Erneuter Versuch über die Befreiung – Herbert Marcuse und soziale Bewegungen heute“

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Bewegung in Russland?

Mit der Formierung der neuen Regierung nach den Präsidentschaftswahlen und den ersten Projekten dieser Regierung sind interessante Weichenstellungen erfolgt. Zwischen der von den Medien aufmerksam verfolgten Regierungsbildung und den sich jetzt anbahnenden Protesten gegen die Erhöhung des Rentenalters besteht ein Zusammenhang, der bei deren Bewertung in Rechnung gestellt werden sollte.Read more


[CfP] Rosa Luxemburg, Imperialismus und der Globale Süden

Call for Papers für JEP 2018-4 (English version below)

Die revolutionäre ArbeiterInnenführerin und sozialistische Theoretikerin Rosa Luxemburg leistete einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis des Imperialismus am Beginn des 20. Jahrhunderts. In Weiterentwicklung der Marx’schen Kritik der Politischen Ökonomie kam sie in Die Akkumulation des Kapitals (1913) zu der Erkenntnis, dass der Kapitalismus der ständigen Integration und Unterwerfung nichtkapitalistischer Sphären bedarf. Gewalt, Zwang und Überausbeutung seien demnach keine präkapitalistischen Residuen oder Abweichungen, sondern integraler Bestandteil der kapitalistischen Produktionsweise. Wiewohl von Zeitgenossen wie Otto Bauer, Gustav Eckstein und Eugen Varga stark kritisiert, erweisen sich ihre Analysen bis heute als aufschlussreich und bilden einen wichtigen Bezugspunkt rezenter marxistischer Theoriebildung. Anlässlich des hundertsten Todestages von Rosa Luxemburg plant das Journal für Entwicklungspolitik (JEP) eine Schwerpunktausgabe, die sich kritisch mit ihren originären Ideen beschäftigt.

Mit ihrer Neubewertung kapitalistischer Peripherien und ihrem Fokus auf Unterkonsumption beförderte Luxemburg die Diskussion zahlreicher Aspekte, die wir als besonders relevant für die kritische Entwicklungsforschung und die Dechiffrierung des imperialistischen „Weltdrangs“ erachten. Die drei wichtigsten Aspekte, die im Zentrum der kapitalistischen Aneignung nichtkapitalistischer Sphären im Globalen Süden stehen, sind Kapitalexpansion, militärische Macht und politische Gewalt. Diese Aspekte wurden insbesondere in den aktuellen Diskussionen um „Akkumulation durch Enteignung“ wieder aufgegriffen (vgl. David Harvey, Saskia Sassen). Obwohl Luxemburg die imperialistische Unterwerfung verurteilte, war sie dennoch der Überzeugung, dass nur der Kapitalismus eine Industrialisierung des Globalen Südens ermöglichen könne. Folglich stellt sich die Frage, ob Luxemburgs Werk auch für alternative, nichtwestliche Entwicklungsverständnisse anschlussfähig ist und inwiefern es antiimperialistische Kämpfe im Globalen Süden inspirieren konnte oder kann.

Beiträge von AutorInnen aus dem Globalen Süden sind für diese Ausgabe besonders erwünscht und werden bevorzugt behandelt.

Themenfelder: Imperialismustheorie • Unterkonsumption • Akkumulation durch Enteignung • Antiimperialistische Kämpfe • Die Rolle militärischer Macht und politischer Gewalt • Kapitalismus und Industrialisierung • Fallbeispiele aus dem Globalen Süden

Fristen: Die Einreichung eines Abstracts im Umfang von maximal 300 Wörtern (deutsch/englisch) muss bis zum 31. November 2017 an folgende E-Mailadresse erfolgen: cfp(ätt)mattersburgerkreis.at Im Abstract sollte spezifisch darauf hingewiesen werden, in welcher Form der Beitrag auf das Werk Rosa Luxemburgs Bezug nimmt. AutorInnen, deren Abstract ausgewählt wurde, erhalten Ende Jänner 2018 eine Bestätigung darüber. Die finale Einreichfrist für angenommene Beiträge (im Umfang von 6.000 Wörtern/40.000 Zeichen) ist der 4. Mai 2018.

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Special Issue Editor: Koen Smet

JEP 2018-4 Rosa Luxemburg, Imperialism and the Global South

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Russland, März 1917 – Der Monat der Räte, und drei Aufbrüche

Aufruf vom 28.02.17 (Foto Karl Dietz Verlag)

Betrachtet man die Bilder, die auf diversen Websites und in diversen Posts zu den russischen Revolutionen genutzt werden, begegnet man häufig Lenin. Im März 1917 ist Lenin aber gar nicht in Russland – und er kann die Ereignisse nicht beeinflussen. Auch der bolschewistische Parteiapparat kann das nicht; es sind bestenfalls die bolschewistischen ArbeiterInnen, die in den Massen aktiv sind. Organ der Massen in der Revolution sind die Sowjets, in denen Anhänger verschiedener Parteien gleichermaßen aktiv sind. Sie und ihr Handeln prägen den Monat März 1917, sie treiben die Revolution voran. Damit werden Erfahrungen der Revolution von 1905-1907 und der Pariser Kommune aufgegriffen.

Wir haben es mit drei entscheidenden Brüchen, Umbrüchen, Durchbrüchen zu tun.

  • Der erste Durchbuch war die Selbstüberwindung der Massen, mit dem gewohnten Verhalten als duldende Untertanen zu brechen.
  • Der zweite war der Sturz der Zarenherrschaft, praktisch die Errichtung der Republik, auch wenn Russland „staatsrechtlich“ erst am 1. September (14.09.17) Republik wird.
  • Der dritte und entscheidende Schritt war die Konstituierung der Sowjets als Akt der Selbstorganisation. Ohne diesen Schritt wären die Bolschewiki, wäre die kommunistische Richtung nur Sekte, wäre Lenin einfach nur ein Prophet unter vielen geblieben.

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Marx wieder komplett

karl_marxPop1Dieser Tage ist der Band 13 der Marx-Engels-Werke in einer überarbeiteten Auflage erschienen. Damit haben die Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Karl Dietz Verlag dem Projekt der Überarbeitung der „blauen Bände“ einen weiteren Mosaikstein hinzugefügt, womit auch die Gesamtausgabe wieder komplett lieferbar ist. Der Textkorpus blieb dabei natürlich erhalten, so dass die Kompatibilität zwischen den Auflagen erhalten bleibt. Rolf Hecker hat ein Vorwort hinzugefügt, in dem aus den neuesten Ergebnissen der MEGA-Forschung heraus der Kontext und die Rolle der in diesem Band wiedergegebenen Schriften beleuchtet wird.
Tatsächlich ist dieser Band nicht nur ein Mosaikstein der Werkausgabe, es ist auch eine kleine Perle. Für die ideengeschichtlich Interessierten ist sicher die 1859 veröffentlichte Schrift „Zur Kritik der Politischen Ökonomie – Erstes Heft“ wichtig. Hier werden die Konturen des dann acht Jahre später erscheinenden ersten Bandes des „Kapital“ (die vierte Auflage bildet dann die Grundlage des Bandes 23 der MEW) deutlich. Doch der Band wird vor allem durch die hier dokumentierten publizistischen Arbeiten von Marx und Engels auch für ein viel breiteres Publikum lesenswert. Den meisten Raum nehmen Artikel ein, die beide für die New York Daily Tribune in den Jahren 1859 und 1860 geschrieben hatten. Die beiden Autoren begegnen uns hier als Analytiker politischer und militärischer Entwicklungen – wie uns Marx im ersten Teil des Bandes als Kritiker von Theorie und Praxis der bürgerlichen Ökonomie begegnet. Im Zentrum stehen dabei die Auseinandersetzungen zwischen Preußen, Österreich und Frankreich. Die Texte kann man durchaus als eine unterhaltende Geschichtsstunde verstehen, in denen Machtverhältnisse, Interessen und Affären der handelnden Gruppen offen gelegt werden. Hier werden die Interessengegensätze der europäischen Mächte, die ein reichliches halbes Jahrhundert später im Ersten Weltkrieg münden schon sichtbar.Read more


Interview mit Mario Erdheim - eine wunderbare Zeitdiagnose

"Wünschen (ist) eine wunderbare Sache, denn es bringt den Menschen dazu, das, was gegeben ist, zu überschreiten. Das Wünschen ist eine treibende Kraft, um die Realität zu verändern. Wer aber zermürbt wird, hat keine Kraft zum Wünschen; er wird eher dazu neigen, die Realität so zu akzeptieren, wie sie ist." So lautet eine der Kernpassagen des längeren Interviews, das Pit Wuhrer und Wolfgang Storz für die WoZ mit dem bekannten, 1940 geborenen (Ethno-)Psychoanalytiker Mario Erdheim in Zürich geführt haben. Erdheim begrüßt die "Wunschexplosion" der Gegenwart, wenn sie sich denn auch auf die Arbeitswelt beziehen würde. Eine andere, interessante Passage lautet: "Es ist dem Menschen zumutbar, sich mit der Realität auseinanderzusetzen – auch wenn sie angsterregend ist".

Das ganze Interview ist hier auf der website der Schweizer "WochenZeitung" online. Dort ist dann auch die Couch zu sehen....


Rollenklischees im Alltag mit Kindern – und wie ihnen zu entkommen ist (Rezension)

RosaHellblauFalle_kunstmann1918 schrieb „The Ladys Home Journal“, ein amerikanisches Frauenmagazin: „Die allgemein akzeptierte Regel ist Pink für den Jungen und Blau für das Mädchen. Das liegt daran, dass Pink stärker ist, während Blau feiner und eleganter ist“. Dieses Beispiel zeigt sehr gut, wie geschlechtliche Zuschreibungen (ebenso wie Körper- und Schönheitsnormen) sich im Laufe der Zeit verändern, mithin veränderbar sind.

Aber das Gegenteil ist heute der Fall: Im Freundeskreis und in den Medien wird viel über einen Backlash bei den Geschlechterrollen debattiert, gerade unter Kindern: Rosa Prinzessinnen, Sterne und ähnliches für die Mädchen, Actionfiguren und Roboter für die Jungs scheinen sich immer weiter auszubreiten. Schnerring/Verlan wollen mit ihrem Buch diesem Trend entgegenwirken. Ihre These lautet: Es gibt keine geschlechterneutrale Wirklichkeit, aber sehr wohl eine geschlechtergerechte Erziehung. Diese ist dringend notwendig, erfordert allerdings Knowhow.

Nützliches Knowhow geben die beiden, die selbst drei jüngere Kinder haben, auch wenn die gewählte Sprache teilweise etwas akademisch ist. Sie meinen, man kann sehr wohl Einfluss nehmen oder „Nein“ sagen. Sie geben zu bedenken, dass Kinder sich kaum „frei entscheiden“ können, wenn sie in Schule, Elternhaus, Medien und durch ihr Spielzeug von Klischees umgeben sind.Read more