Ende Gelände: We shut shit down; Hamburg 2022 [Rezension]

2015 besetzte Ende Gelände erstmals den Kohletagebau in Garzweiler. Seit diesem Zeitpunkt tritt der in Ortsgruppen und thematischen Arbeitsgemeinschaften organisierte Zusammenschluss unter diesem Namen auf – inzwischen ist er schon fast eine Marke geworden ist. 2016 fanden Proteste in der Lausitz statt, 2017 wieder in Garzweiler, hier erstmals mit thematisch definierten Aktionen auch über den vermeintlich eigentlichen Gegenstand (die praktische Kritik an der aktuellen Energiewirtschaft) hinaus, unter anderem zu Sexismus und Ko(h)lonialismus.
Das hier vorliegende Buch mit größtenteils 2020 verfassten Texten soll Bewegungsgeschichte festhalten und die vielen gemachten Erfahrungen teilen. Die Texte stammen von einer (anonymen) Arbeitsgruppe, die ausdrücklich nicht für die Bewegung sprechen kann und will. Im ersten Kapitel werden die verschiedenen Aktionen vorgestellt und nacherzählt. Im zweiten die politischen Strategien, die «Ende Gelände» verfolgt. Hier ist zum einen die professionelle und aktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu nennen, und ebenso der zivile Ungehorsam, der unter dem Motto «Nicht legal, aber legitim» blockierend in die Abläufe des fossilen Kapitalismus eingreift. Nach «innen» wird auf eine gute Gruppenstruktur und ein förderliches Gruppenklima geachtet, und auf Vorbereitung auf und den solidarischen Umgang mit Repression.Read more


Globale Ökonomie des Autos

ist der Titel des Bandes und die Unterzeile lautet: "Mobilität, Arbeit, Konversion." Seit Freitag letzter Woche ist das Buch erhältlich, 280 S. für 16.80 € bei VSA (Prospekt S.15). Der Band geht zurück auf die Tagung Auto.Mobil.Krise, die im Oktober letzten Jahres in Stuttgart stattfand und zu deren Vorbereitung bereits zahlreiche Publikationen erschienen sind. Der Band enthält 22 Originalbeiträge, es handelt sich also nicht um eine der üblichen Tagungszweitverwertungen. Knapp die Hälfte des Bandes nimmt eine äußerst detailierte und materialreiche Studie von Stefan Kaufmann ein, der die ökonomische Seite beleuchtet. Die weiteren Schwerpunkte sind: Analyse der ökologischen Schadensbilanz der Automobilität, die aktuellen, krassen Entwicklungswidersprüche des Sektors (Expansion, Krise, Konversion), eine Auseinandersetzung mit der Elektromobilität sowie Vorschläge und Konzepte zur sozialökologischen Transformation der fossilen Mobilität. In der aktuellen Debatte zur Energiewende kommt die Mobilität übrigens kaum vor - das Elektroauto ist bekanntlich nicht der Königsweg. Eine sehr gute Ergänzung der ebenfalls just erschienene Reclam-Band von Johann- Günther König "Die Geschichte des Automobils" , 220 S. 9.95 €.