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Wer die Februarausgabe der ‚Mittelweg 36‚ — Hauszeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung — aufschlägt, wird über einen Text mit dem etwas sperrigen Titel „The enemey must be brought to battle.‘ Westliche Schlachtenniederlagen in Imperialkriegen“ stolpern (Ausgabe Februar/März 2011). Wird die Geschichte der Sieger hier (endlich) einmal gegen den Strich erzählt? Werden die aktuellen Interventionskriege in Afghanistan, Lybien und anderen Ländern des globalen Südens kritisch im Kontext der europäischen Kolonialgeschichte diskutiert?

Weit gefehlt: Dierk Walter, habilitierter Mitarbeiter am Reemtsma Institut, darf in der Mittelweg 36 höchst offiziell verlautbaren, was zur Zeit wohl (noch) selbst der Bundeswehr auf die Füße fallen würde. Bereits der erste Satz macht klar, worum es geht: „Abgelegene, unwirtliche weite Landstriche zu erobern und zu besetzen ist immer eine schwierige Aufgabe.“ (S. 55) Dierk Walter will aus der Geschichte lernen. Wie macht man’s besser? Nachdem sechs historische „Schlachten“ militärtaktisch (und unter völliger Ausblendung des jeweiligen politischen Kontexts) analysiert werden, gibt der Autor Ratschläge, wie sich die schmachvollen Niederlagen der westlichen Besatzer in der Zukunft vielleicht vermeiden lassen.

Im Fazit dann die Krönung: Bis in die Begriffe hinein zelebriert der Autor den kolonialen Diskurs. „Wie die Kriege an der Peripherie bis in die Gegenwart zeigen, sind irreguläre Gegner FERN DER ZIVILISATION nach wie vor eine ernsthafte Herausforderung für die Streitkräfte des Westens.“ (S. 79; Hervorhebung von HL)

Bleibt noch zu erwähnen, dass der nächste Aufsatz in der Ausgabe (von Klaus Naumann) dort ansetzt wo Walter aufhört — und den mörderischen Überfall der Bundeswehr auf einen von Taliban entführten Tanklastzug im September 2009 als „strategisches Problem“ diskutiert, wie „Kampfaufträge und Stabilisierungsaufgaben“ miteinander vereinbart werden können… (S. 83).

Mögen die beiden Autoren, ihre Artikel und die Februarausgabe der Mittelweg 36 zur Strafe von niemandem gelesen werden!

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