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Iudex non calculat

Michael Bernegger, Mitarbeiter der Schweizer Nationalbank, hat auf einen gravierenden, folgenschweren statistischen Fehler in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Griechenlands hingewiesen. Es geht um das Problem der „Fehlenden Flotte“. Unter anderem mit dieser verzerrten Gesamtrechnung begründen die Griechenland-Zerstörer um den Volljuristen Schäuble ihre Politik :

Die Exporte Griechenlands sind strukturell seit Jahrzehnten in der Dienstleistungsbilanz unterschätzt, weil nur ein kleiner Teil der Handelsschifffahrt oder Reederei (engl. merchant shipping) erfasst wird, und zwar ein über die Zeit hinweg bis 1998 noch abnehmender Teil. Dieser Sektor ist seit den 1950er Jahren dollarbasiert, und zwar auf der Einnahmen- wie zunehmend auf der Ausgabenseite. Griechische Reeder halten deshalb traditionell Konten bei den Banken in New York, London und in Genf, und haben historisch bis zur Einführung des Euro den Zahlungsverkehr praktisch nie über griechische resp. in Griechenland domizilierte Banken abgewickelt. Dabei spielte auch eine große Rolle, dass Griechenland kurz nach der Gründung der griechischen Zentralbank (1929) im Jahr 1932 zu einem Regime mit rigiden Kapitalverkehrskontrollen überging und dieses mehr oder weniger unverändert bis 1994 beibehielt. Es gab praktisch keine Möglichkeit, internationale Kapitalverkehrs-Transaktionen bei griechischen Banken durchzuführen. Angesichts dieses geldpolitischen Regimes verzichtete die Zentralbank darauf, die Frachteinnahmen der in Griechenland tätigen Reeder zu erfassen und sie als Exporte auszuweisen. Dies im Unterschied zur Praxis von praktisch allen anderen Ländern mit einer gewichtigen Handelsflotte. Was bis und mit 1998 auf der Einnahmenseite der Schifffahrts-Bilanz erfasst wurde, waren nur die inländischen Faktorkosten der Reederei – Löhne und Sozialleistungen, speziell die Einzahlungen in den Pensionsfonds der Seefahrer NAT, inländische Vorleistungen, in Griechenland ausbezahlte Dividenden und Unternehmereinkommen. Sie wurden durch Überweisungen (Rimessen) der Reeder von ihren im Ausland gehaltenen Dollarkonten gespeist. Die Frachteinnahmen der griechischen Reederei wurden historisch bis 1998 gar nie erfasst, weder in Zahlungsbilanz Griechenlands noch im Ausland. Das ist das Problem der ‚Fehlenden Flotte’, das die internationale Zahlungsbilanzstatistik seit den frühen 1980er Jahren beschäftigt. Der große Teil der Frachteinnahmen und Liquidität blieb auf Dollarkonten im Ausland liegen und kam nie in den inländischen Kreislauf in Griechenland. Strukturell blieben bis und mit 2002 auch die reinvestierten Erträge auf den Auslandkonten überhaupt nicht und seit 2003 nur unzureichend erfasst. Weil die Reederei ein großes und wachsendes Auslandvermögen hat, wurden die Einkommen darauf komplett ausgeblendet. Schon beim Eintritt in den Euro war die Leistungsbilanz Griechenlands, sofern korrekt berechnet, aktiv und nicht passiv, wie dies in den offiziellen Zahlen zum Ausdruck kommt. Schon Ende der 1990er Jahre war die Reederei in Bezug auf Exporterlöse in Wirklichkeit um ein Mehrfaches bedeutender als der Tourismus und erst recht als der Güterexport.
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