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oktober0012017 jähren sich die Revolutionen in Russland zum 100sten Male. Wie unterschiedlich die Interpretationen auch seien mögen – Einigkeit besteht darin, dass sie das 20. Jahrhundert entscheidend geprägt haben. Auch wenn das Ereignis als solches in seinen Details nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs des Realsozialismus und der meisten Parteien bolschewistischer Richtung an Glanz verloren hat, vermittelt es doch bis heute das Bewusstsein, dass die Welt auch von denen „da unten“ veränderbar ist.
Wenn es richtig ist, dass die russische Revolution „das gewaltigste Faktum des Weltkrieges“ ist (so Rosa Luxemburg über die Oktoberrevolution), muss man einiges zu ihrer unmittelbaren Vorgeschichte sagen.
Das Jahr 1916 war kein gewöhnliches Kriegsjahr. Die Entente plante eine großangelegte Offensive, die einen grundlegenden Umschwung im Krieg erreichen sollte. Eine wichtige Rolle sollte dabei das russische Heer spielen. Tatsächlich gelang es im Sommer 1916 an der Ostfront, die Truppen der Mittelmächte zurückzudrängen. Die Verluste der russischen Truppen waren allerdings enorm – man geht von 800.000 Soldaten aus. Das machte weitere Einberufungen nötig. Die Unzufriedenheit im Lande und in der Armee wuchs, was sicher mit zum Ausbruch der Revolution nur wenige Monate später beigetragen haben dürfte. Innenpolitisch erwies sich das Zarenregime als schlichtweg unfähig, was auch von weiten Teilen der herrschenden Schicht mit zunehmender Besorgnis gesehen wurde. In einem Schreiben des Fürsten Lwow an den Zaren aus dem Februar 1916 heißt es: „Die innere Staatswirtschaft ist in ein völliges Chaos gestürzt worden; dieser chaotische Zustand droht der Armee, droht, den Sieg zu verhindern; aber für die Regierung ist der Krieg nicht vorhanden… Die Isolierung der Staatsgewalt und die Entfremdung zwischen ihr und dem Volk ist gefährlich, verhängnisvoll.“ Mehr als 1 Mio. Arbeiter streikten in diesem Jahr, wobei der Anteil politischer Streiks deutlich wuchs. Die Zahl der Bauernunruhen stieg von 177 im Jahr 1915 auf 294, wobei in 91 Fällen militärische Gewalt zu ihrer Unterdrückung nötig war (1915: 19).
Revolution 1905Die Situation war auch international bzw. an der „Peripherie“ des Russischen Reiches angespannt – der Hauch von Revolte und Revolution war allgegenwärtig: Im fernen Mexiko war die seit 1910 andauernde Revolution noch nicht zu ihrem Abschluss gekommen; in Irland und in Mittelasien kam es zu Aufständen im Zeichen antikolonialen und nationalen Befreiungskampfes. In Deutschland fanden am 1. Mai die größte Arbeiterdemonstration seit Kriegsausbruch und später weitere Hunger- und Friedensdemonstrationen statt. Nicht nur die zaristische Staatsmaschine, sondern das imperialistisch-repressive Regime in seinen verschiedenen nationalen Ausprägungen war in Frage gestellt. Es war nur eine Frage der Zeit, wann sich die hinter diesen Entwicklungen stehenden Widersprüche entladen würden, wie sie sich schon einmal in Russland 1905-1907 in einer erfolglosen Revolution entladen hatten. Jedenfalls war ein „Weiter-So“ kaum noch möglich. Insofern waren die Februar- wie auch die Oktoberrevolution tatsächlich „Frucht der internationalen Entwicklung“, wie Rosa Luxemburg hervorhebt. Es war auch in jeder Beziehung nicht nur eine im engen Sinne „russische“ Revolution…
Wir werden im Rahmen der Website „Marx200“ ab Januar 2017 die Aktivitäten der Stiftung zu diesem Thema dokumentieren und natürlich auch Material zu Fragen im Zusammenhang mit Hintergründen, Ablauf und Ergebnissen der Revolutionen 1917 anbieten.

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