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Die Partei Die Linke hat einen Frauenpreis ausgelobt, der den Namen Clara Zetkins trägt. Das ist verdienstvoll, rückt sie doch damit eine interessante Persönlichkeit in das politische Geschäft, die wohl in den heutigen linken Parteien und Bewegungen einen nicht minder schweren Stand hätte, wie in SPD und KPD dazumal. Der heutige Tag soll Anlass sein, an diese Frau zu erinnern, die diesen Tag nicht einfach als Feiertag, sondern auch als Kampftag mit begründete.
In den Lexika finden wir mehr oder weniger die gleichen Aussagen über sie:
Clara Zetkin, geborene Eißner, ist 1857 als ältestes von drei Kindern eines evangelischen Kantors und einer dem liberalen Geist der französischen Revolution nahe stehenden Mutter im sächsischen Wiederau geboren worden. Während ihrer Ausbildung zur Lehrerin in Leipzig knüpft sie Kontakte zur deutschen Sozialdemokratie. Das Eintreten für die Idee von einer Gesellschaft, in der alle sozialen Unterschiede aufgehoben sind, wird zu ihrer Lebensaufgabe.
Als allein erziehende Mutter von zwei Söhnen kennt die Sozialistin den Alltag und die Existenzsorgen vieler Frauen aus eigener Erfahrung. Sie streitet für die wirtschaftliche Gleichberechtigung der Frauen und gegen die von vielen männlichen Parteifreunden der SPD vertretene Meinung, Frauen gehörten an Heim und Herd.
Clara Zetkin redigiert 27 Jahre die sozialdemokratische Frauenzeitung „Die Gleichheit“ in Stuttgart. Unter ihr wird die Zeitung zum Sprachrohr und Diskussionsforum der internationalen Frauenbewegung. Aufgrund wachsender Differenzen in den Fragen von Krieg und Revolution verlässt sie die SPD und tritt 1920 der KPD bei, für die sie seit 1921 ein Abgeordnetenmandat im Deutschen Reichstag hat.1932 eröffnet Clara Zetkin ihn als Alterspräsidentin. In ihrer berühmt gewordenen Rede ruft sie zur Einheit gegen den Nationalsozialismus auf.
Clara Zetkin stirbt 1933 in Archangelskoje bei Moskau.
Soweit die dürren Fakten. Dahinter steht ein bewegtes Leben, in dem sie konsequenter als viele anderen SozialdemokratInnen und KommunistInnen menschliche Emanzipation und Emanzipation der Frau als Einheit verwirklichen wollte. Das in Worte zu fassen, fiel offensichtlich schwer:
„Sie spricht wie eine Frau, der außerordentliche Umstände die Kenntnisse und Fähigkeiten eines Mannes gegeben haben, wie eine geniale Frau … Sie ist einfach die in hohem Grad vollendete Erscheinung der neuen Frau … die Frau, die dem Mann gleich ist“, schrieb der Schriftsteller Louis Aragon in „Die Glocken von Basel“ (Berlin 1951) Zetkin hätte sich wahrscheinlich das Messen „am Mann“ verbeten.
Florence Hervé charakterisiert Clara Zetkin so:
„Clara Zetkin ist in politischen Kreisen als Vertreterin der proletarischen Frauen- und der Arbeiter/innen-Bewegung, als Journalistin, Kommunistin und Pazifistin bekannt. Dass sie auch Pädagogin, Literatur- und Kunsthistorikerin, Rednerin, Feministin und kämpferische Rebellin im privaten und politischen Leben war, wurde bisher meist >> übersehen<<.“ (Florence Hervé (Hrsg.): Clara Zetkin oder: Dort kämpfen, wo das Leben ist. Karl Dietz Verlag Berlin 2007, S. 8/9)
In der Tat war sie bis zum Ende ihres Lebens eine Kämpferin – in der Gesellschaft wie auch innerhalb der Parteien, der sie angehörte. Dieses „Übersehene“ war Gegenstand einer Konferenz und eines Kolloquiums zu ihrem 150. Geburtstag 2007 in Leipzig bzw. Berlin. In dem Bericht über die Konferenz in Leipzig heißte es: „Der Leipziger Historiker Klaus Kinner erinnerte an die Schärfe der Auseinandersetzungen Zetkins mit dem KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann und mit der Kommunistischen Internationale (KI). In der Weimarer Republik verstand Clara Zetkin die Partei wie Rosa Luxemburg als Sammlungsbewegung und nicht als Kaderorganisation. Daher habe sie oft in Opposition zur KPD-Führung und zur KI gestanden, so Kinner.“ In der Einführung zu der Publikation „Clara Zetkin in ihrer Zeit“ schreibt Ulla Plener: „Clara Zetkins eigenwillige Positionen zu verschiedenen Fragen der Theorie und Parteipolitik, der Frauenemanzipation und Pädagogik, der Bündnispolitik gegenüber Mittelschichten und Intellektuellen, ihre frühe Auseinandersetzung mit dem Faschismus in Europa und seinen Ursprüngen, ihre Bewertung von Ereignissen und Persönlichkeiten, ihre Stellung zur Oktoberrevolution von 1917 und deren Folgen u.a.m. sind auch heute geeignet, Ausgangspunkt für klärende und weiterführende Diskussionen zu sein, – nicht zuletzt über Revolutionstheorie und Revolutionspraxis.“
Die Ergebnisse beider Veranstaltungen sind nach wie vor lesenswert: Die Einheit von Politik und Kultur, von Widerstand, Kritikfähigkeit, selbstständigem Denken und Solidarität, für die sie stand, machen viel von dem aus, was der Internationale Frauentag repräsentiert.

Wo man sich weiter informieren kann

Clara Zetkins letztes Wohnhaus in Deutschland, in dem sie von 1929 – 1932 mit Unterbrechungen für Aufenthalte in der Sowjetunion wohnte, befindet sich vor den Toren Berlins in Birkenwerder. Ab 1957 bis zum Ende der DDR befand sich dort eine Clara-Zetkin-Gedenkstätte mit Museum. Heute wird das Haus mulitfunktional (als Kinderbibliothek und für Unterricht der Musikschule) genutzt.
Durch mehrere ABM-Projekte wurde eine neue Ausstellung für das Haus erstellt und eine Broschüre zum Leben und Wirken erarbeitet.

2001 gründete sich der Förderverein Clara-Zetkin-Gedenkstätte e. V., der sich einsetzt für:
– den Erhalt des Hauses
– den Aufbau eines Archivs
– eine höhere Attraktivität der Gedenkstätte in Inhalt und Gestaltung

Der Förderverein widmet sich der Person Clara Zetkin, ihren Ideen, ihrem Wirken. Gedenken, Forschung und Bildung stehen im Mittelpunkt der Bemühungen. Durch Fachtagungen, regionale Veranstaltungen und überregionale Workshops wird das Haus als Stätte der zeitgenössischen Erinnerung für die Beschäftigung mit orts- und regionalgeschichtlichen Inhalten genutzt.
Am 3. März 2011 wurde das Haus im Rahmen der Brandenburger Frauenwoche als achter „FrauOrt im Land Brandenburg“ geehrt und die entsprechende Tafel enthüllt.
Hier heißt es:
„In diesem Haus lebte Clara Zetkin von 1929 bis 1932. Ihr Name steht für die Forderung nach Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft. Noch heute wird alljährlich der Internationale Frauentag begangen, für dessen Einrichtung sie gemeinsam mit Käte Duncker 1910 auf dem II. Sozialistinnenkongress in Kopenhagen geworben hat. Schwerpunkt der Forderungen des ersten Internationalen Frauentags 1911 ist die politische Teilhabe in Form des Frauenwahlrechts.“

Clara Zetkin Gedenkstätte
Summter Str. 4
16547 Birkenwerder

Kontakt zum Förderverein über:
M. Dörnenburg, Tel. 03303 / 5029 20

Literatur über Clara Zetkin

Gilbert Badia : Clara Zetkin. Eine neue Biographie. Dietz Verlag Berlin 1994
Florence Hervé (Hrsg.): Clara Zetkin oder: Dort kämpfen, wo das Leben ist, Karl Dietz Verlag Berlin 2007
Link zum Bundesarchiv mit einer Seite mit Dokumenten von Clara Zetkin (zum 150. Geburtstag ins Netz gestellt)
Clara Zetkins Rede als Alterspräsidentin des Reichstages 1932 (Auszüge)
Ulla Plener (Hrsg.) : Clara Zetkin in ihrer Zeit. Neue Fakten, Erkenntnisse, Wertungen, Karl Dietz Verlag 2008 (Manuskripte 76)
Karl Dietz Verlag als Herausgeber der Schriften Zetkins

Weitere Gedenkorte:

Clara-Zetkin-Gedenkstätte in Wiederau, Museum Alte Dorfschule, 09306 Königshain-Wiederau
Clara-Zetkin-Haus Waldheim Sillenbruch, Gorch-Fock-Str. 26, 70619 Stuttgart

(zusammengestellt von Christine Gohsmann)

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