Multiple Krise, faschistische Tendenzen, imperialistische Konflikte: Umbrüche im globalen Kapitalismus (Konferenz, 11.-13. Sept. 2025 in Wien)
Die nächste Konferenz der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG) findet in Wien statt. Genauere Informationen zur Anmeldung folgen ab Mitte Juni auf der AkG Homepage.
Anlässe gibt es genug. Wir erleben vielfältige globale Konflikte, geopolitische Verschiebungen, innergesellschaftliche Spaltungen und Auseinandersetzungen. Wie können wir das genauer verstehen? Wie organisieren sich kritisch-emanzipatorische Kräfte angesichts dieser Gemengelage?
Der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG) ist es ein Anliegen, Raum für wissenschaftliche Debatten und Austausch zu bieten. Die Konferenz beginnt bereits am Donnerstagabend, 11. September mit einem öffentlichen Eröffnungspanel „Das neue Gesicht des Autoritarismus. Faschisierung, Rollback, Gegenkräfte?“. Es diskutieren – moderiert von Katharina Hayek und Alke Jenss – unter anderen Melehat Kutun, Margit Mayer und Benjamin Opratko. Am Freitagabend gibt es dann eine öffentliche Diskussionsveranstaltung zur Frage: „Was tun? Antifaschismus im 21. Jahrhundert“, moderiert von Dana Lüddemann und Niki Kubaczek, und unter anderen mit Simon Strick. Am Samstagabend diskutieren zum Abschluss unter anderen Andreas Bieler, Carolina Vestena, Peter Ullrich, moderiert von Ulrich Brand, unter dem Titel „Wissenschaft in Krisenzeiten: Konflikte, Strategien, Räume der Auseinandersetzung“.
Für AkG-Mitglieder findet am Freitagvormittag eine interne Diskussion zur Rolle kritischer Wissenschaft und Perspektiven für die AkG statt gefolgt am frühen Nachmittag von der AkG Mitgliederversammlung.Read more
Extrem interessantes Promotionsforschungsprojekt

Unter dem Titel "Der deutsch-deutsche Schäferhund – Ein Beitrag zur Gewaltgeschichte des Jahrhunderts der Extreme" widmet sich eine junge Historikerin an der Uni Kassel mit einem Sammelbandartikel (ursprünglich hier, Seite 319-334) einem bisher straflich vernachlässigten Thema der DDR-Aufarbeitung:
Die Geschichte der deutsch-deutschen Teilung aus dem Blickwinkel des Schäferhundes zu betrachten, ist nicht selbstverständlich. Angesichts der Gewalterfahrungen, welche die kommunistische Ideologie in SBZ und DDR verursacht hat, erscheint der Blick auf die Tierwelt marginal. Die Einengung von Haus-, Nutz- und Zootieren in die SED-Ideologie wirkt nichtig angesichts der Ideologie des „Neuen Menschen“, mit der die SED ihre Bevölkerung umerziehen wollte. Doch die deutsche Teilung verursachte nicht nur menschliches Leid: Zu den ersten Opfern der Berliner Mauer gehörte der Schäferhund Rex, eingesetzt bei der Westberliner Schutzpolizei, der sich am 14. August 1961 an der Bernauer Straße in den provisorischen Stacheldrahtsperren verfing und nach stundenlanger Tortur von Ostberliner Grenztruppen erschossen wurde.
Braucht DIE LINKE die Wissenschaft?

Kürzlich weilte ich in einem außerparteilichem Gesprächskreis Linksdenkender, die regelmäßig und ernsthaft Problemthemen aus Deutschland, Europa und der Welt mit anspruchsvoller Tiefe diskutieren, mit Erkenntnisnutzen für alle. Im Zusammenhang mit der Frage, wie die Partei DIE LINKE ihren parlamentarischen Einfluß vergrößern könne, entwickelte ich den Gedanken, daß bei unverzichtbarer Akzeptanz und dem Gebot - sozusagen als gesellschaftliche Katalysatoren - außerparlamentarischer Aktionen (wie Mahnwachen, Demo's, Plakataktionen, Unterschriftenaktionen, Streiks bis zum Generalstreik) den Sozialwissenschaften und darin eingeschlossen der Transformationstheorie als dauerhaftem Wegweiser eine äußerst wichtige Rolle zukomme. Read more
... für eine offene und wertschätzende Diskussions- und Streitkultur (Aufruf)
Heinz-Jürgen Voß, ua. Vertrauensdozent der RLS, hat auf seinem Blog einen Aufruf publiziert, mit dem er anregen will, eine - strategische - Debatte in den Fachgesellschaften und in weiteren gesellschaftlichen Organisationen zu führen, die das Ziel hat angesichts massiver Schmähungen und wüsten Beleidigungen gegen kritische Wissenschaftler_innen eine solidarische Diskussionskultur zu bewahren und solidarisch zu erweitern.
Gegen Schmähungen und Beleidigungen – wir brauchen strategische Konzepte, um eine offene und wertschätzende Diskussions- und Streitkultur zu stärken
Vor einigen Tagen habe ich einen Solidaritätsaufruf gestartet, weil eine Kolleg_in auf eine krasse Art und Weise, wie sie mir noch vor ein paar Jahren undenkbar war, angegriffen wurde. Nun habe ich die Antwort erhalten. Der rechte Autor Akif Pirinçci überzieht nun auch mich mit Schmähungen und wüsten Beleidigungen.
Mir fällt auf, dass seit einigen Jahren rechtskonservative und rechtsradikale Schreibende jede Hemmung verlieren und in verbal äußerst gewaltvoller Art gegen Andersdenkende vorgehen. Ausgangspunkt waren die Machwerke des rechten Autors und SPD-Politikers Thilo Sarrazin. Die Schriften von ihm, Pirinçci & Co führen zu einem immer roheren und aggressiveren gesellschaftlichen Klima. Von einer verunglimpfenden Hassrede, unter der sich sogleich willfährige Kommentatoren äußern, die dann sogar konkrete physisch gewalttätige Übergriffe ins Gespräch bringen, bis hin zu tatsächlich gewalttätigen Übergriffen ist es nur ein kurzer Weg, ist es nur eine Frage der Zeit.
Debatte, Diskurs hat immer konkrete Auswirkungen auf das Zusammenleben in der Gesellschaft. Insofern gilt es für alle, denen etwas an einer demokratischen Gesellschaft liegt, in der verfassungsrechtliche Standards gelten, jetzt gegenzusteuern. Es geht darum, dass nicht weiter und in immer radikalerer Weise die Grundbedingungen politischer Streitkultur erodieren und auf diese Weise die Grundfesten demokratischer Gesellschaftsordnung sabotiert und schließlich zerstört werden.
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BdWi-Studienheft 9 "Wissenschaft von Rechts. Rechte Ideologie, Theorie und Netzwerke an Hochschulen"
In der kommenden Woche erscheint im BdWi-Verlag eine neue Produktion aus der Reihe der
BdWi-Studienhefte: "Wissenschaft von Rechts. Rechte Ideologie, Theorie und Netzwerke an
Hochschulen" (ISBN: 978-3-939864-16-5, Preis: 8,00 EUR). Herausgeber_innen: Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi), freier zusammenschluss von studentInnenschaften
(fzs), Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH), StuRa der FSU Jena
Viele mögen spontan an prügelnde Nazis in sozialen Brennpunkten denken, wenn der Begriff ›Rechtsextremismus‹ fällt. Die Wissenschaft erscheint demgegenüber als Hort der Bildung, der Vernunft und der Humanität. Diese Gegenüberstellung ist trügerisch. Rechte und rechtsextreme Denkweisen sind fester Bestandteil der deutschen und der österreichischen Hochschulgeschichte. Innerhalb der deutschen Studierendenschaft hatten die Nazis bereits Jahre vor der ›Machtergreifung‹ die Hegemonie. Doch es geht nicht allein um politische Einstellungen, sondern auch um Wissenschaftsproduktion. Die Hochschulen waren immer auch ein Ort, an dem etwa durch rassistische und biologistische Theorieentwicklungen gesellschaftliche Ressentiments ›wissenschaftlich‹ legitimiert und menschenverachtende politische Ideologien in der Gesellschaft unterstützt wurden. Zugleich werden an Hochschulen gesellschaftliche Multiplikator_innen und Meinungsführer_innen ausgebildet, die sich selbst mitunter als ›Führungselite‹ sehen. So haben sich hier auch bis heute rechte männerbündische akademisch-politische Netzwerke und Seilschaften entwickelt, um Einfluss auf Medien, Kultur und politische Willensbildung insgesamt zu nehmen.
Mit den unterschiedlichen Facetten des Themas ›Wissenschaft von Rechts‹ befasst sich das Studienheft. Dabei darf natürlich nicht die Gegenperspektive zu kurz kommen. Die Hochschulen waren immer ein politisch umkämpftes Gelände. Folglich gab und gibt es an ihnen auch organisierten Widerstand gegen rechtsextreme Praktiken, Ideologien und Theorieproduktionen. So stellen wir hier verschiedene Ansätze kritischer Wissenschaft vor, die sich mit rechtsextremer Politik und Theorie auseinandersetzen. Last but not least geht es um wissenschaftlich reflektierte Prävention und die Möglichkeiten unmittelbaren antifaschistischen Engagements in der Institution Hochschule.
Autor_innen sind u.a.: Nicolas Bechter, Torsten Bultmann, Christoph Butterwegge, Matthias Falter, Rolf Gössner, Judith Götz, Istvan Grajczjar, Gudrun Hentges, Niko Huke, Helmut Kellershohn, Carina
Klammer, Alexandra Kurth, Vivien Laumann, Erik Marquardt, Gisela Notz, Aljoscha Pilger, Matthias Vigl, Janine Wulz, Michael Zander.
Bestellungen: verlag(ädd)@bdwi.de
Transformation der Wissenschaftsfinanzierung
Sciencestarter, das erste Crowd Funding Portal für Wissenschaft im deutschsprachigen Raum ist da. Zu erwarten ist ein schöner Effekt auf Wissenschaft(svermittlung): Wer Geld aus der Crowd der Laien will, der muss laienverständlich erklären können, wofür er oder sie das Geld haben möchte. Nicht die Verflachung wissenschaftlicher Vorhaben ist zu befürchten, sondern die bessere Vermittlung derselben und ihrer Ergebnisse zu erhoffen.
Studienwerk publiziert Doktorand_innenjahrbuch
Das Studienwerk der RLS hat in Zusammenarbeit mit einem stipendiatischen Kollektiv das neue Format eines Doktorand_innenjahrbuches entwickelt. Seit einigen Wochen liegt der erste Jahrgang (1/2011) vor. Dieser umfasst insgesamt 34 Aufsätze von Promotionsstipendiat_innen der RLS, die in 2010 und 2011 im Rahmen der Doktorand_innenkolloquien des Studienwerks ihre Dissertationsprojekte vorgestellt haben. Die unterschiedlichen Arbeiten wurden im Jahrbuch 13 thematischen Kategorien wie „Arbeit“ oder „Gewalt und Erinnerung“, „Transformation von Staatlichkeit“ oder „Emanzipation und Utopie“ übersichtlich zugeordnet. Insgesamt bietet das Jahrbuch auf diese Weise ein Panorama der interdisziplinären Arbeitsfelder und Themen, zu denen unsere Stipendiat_innen promovieren. Es gibt den Volltext des Jahrbuches zum Download und mehr zum Inhalt bei rosalux.de.

