[CfP] Weitermachen! Konferenz zu Marcuse am 22. Juni 2019 in Hannover

„Ich denke, um wirklich global und erfolgreich zu sein, muss sie, wie Marx es vorhersah, im höchstentwickelten Industrieland der Welt auftreten […].

Einer Sache bin ich mir absolut sicher, dass, wenn Sie nicht jetzt dafür arbeiten, sie nicht in 75 Jahren, nicht in 100 Jahren kommen wird, sie vielleicht überhaupt nicht kommen wird“

(Marcuse, 1974/2017: Kapitalismus und Opposition, S. 76).

Neben den zu Lebzeiten publizierten Werken hat uns Marcuse für eine Fortsetzung von Gesellschaftskritik sowie Analyse sozialer Bewegungen Vorträge, Manuskripte, Briefe und andere Materialien hinterlassen. Peter-Erwin Jansen hat einiges davon im Verlag zu Klampen herausgegeben. Anlässlich des 40. Todestages Marcuses laden wir nach Hannover ein, um bei einem Vortrag, vier Panels und einem Podium zu klären, welche Relevanz die darin behandelten Themen für uns heute haben können. Neben den fest stehenden Referent*innen – Prof. Dr. Ingrid Gilcher-Holtey, Prof. Dr. Rolf Pohl, Dr. des Roger Behrens, Maria Tsenekidou – wünschen wir uns weitere Beitragende, ob Akademiker*innen und/oder Aktivist*innen.

Wir freuen uns über Bewerbungen für die folgenden Panel, die wir an den Nachgelassenen Schriften ausgerichtet haben, die sich daher auch gerne im Inhalt wiederfinden können:

1. Kunst und Befreiung (vgl. Nachgelassene Schriften Band 2)

2. Philosophie und Psychoanalyse (vgl. Nachgelassene Schriften Band 3)

3. Die Studentenbewegung und ihre Folgen (vgl. Nachgelassene Schriften Band 4)

4. Ökologie und Gesellschaftskritik (vgl. Nachgelassene Schriften Band 6, hier möchten wir uns insbesondere auf das Themengebiet Technik/Technologie fokussieren)

5. Abschlusspanel zum Thema „Erneuter Versuch über die Befreiung – Herbert Marcuse und soziale Bewegungen heute“

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Bohème als Blaupause des Neoliberalismus [Rezension]

x478Die Kunst und das historische Bild des Künstlers (und das der Bohème), das von Originalität, Genialität und Unabhängigkeit geprägt ist, dient heute als Vorbild für die postmodernen Angestellten und Freelancer, zumindest jene der Wissenschaft und der Kreativwirtschaft, wenn nicht darüber hinaus. Diese Arbeitenden sind kreativ, belastbar, sie sind flexibel und denken und agieren eigenverantwortlich.

In der Praxis bedeutet Künstler_in-Sein heute aber für die meisten Unsicherheit und Abhängigkeit, nicht zuletzt auch Abhängigkeit von Zufall und Glück. In Österreich sind laut offizieller Statistik dreiviertel der in Frage kommenden auf das außerhalb der Kunst erzielte Einkommen angewiesen. Diese Prekarisierung wird dann durch einen Freiheitsmythos ideologisch und persönlich versüßt. Die Grazer Künstlerin und Ethnologin hat für ihre Diplomarbeit zehn Künstler_innen aus Graz interviewt, von denen sie sechs in ihrer Arbeit näher vorstellt. Darunter sind erfolgreiche und weniger erfolgreiche.

Sie tippt viele Themen an. Da ist zum einen Graz, die mit 280.000 Einwohner_innen zweitgrößte Stadt Österreichs, die unter anderem durch den seit 1968 jährlich stattfindenden „steirischen herbst“ ein avantgardistisches Image hat. Dieses wurde durch die herrschaftsförmige Ausrufung von Graz als „City of Design“ 2011 entscheidend transformiert. Da sind zweitens die Interviewten, die, so die Autorin, durchgängig das unternehmerische Denken verinnerlicht hätten, wenn nicht überhöhen würden und (deswegen?) wenig Bereitschaft zur Selbstreflektion zeigen würden.

Bezugnehmend auf Foucault, Bourdieu, Isabell Lorey und Boltanski/Chiapello kompiliert Fuchs nun den theoretischen Rahmen ihrer Forschung bzw. unternimmt mit dessen Hilfe die Interpretation ihrer Interviews. Ihr geht es um das Künstlersubjekt und seine Transformation und um das Verhältnis von Erfolg, Risiko und Freiheit. Bemerkenswert sei, so Fuchs, dass der Künstler auch historisch mit vielen, teilweise widersprüchlichen Eigenschaften beschrieben worden sei: Genie, schöpferisch, verrückt, eigensinnig, subversiv, auf jeden Fall „anders“ als der Mainstream.Read more


Joy Forever: Political Economy of Social Creativity

"Joy Forever" refers to the false promise of a common happiness, constantly played out by the proponents of the creative class and creative economy – the very promise that since Romanticism has been ascribed to art itself, a vow which remains unfulfilled. The aim of F/SUW's publication is to scrutinize the false promises of distributed creativity as an ideology of cognitive capitalism. The authors devote themselves to critical examination of the structural links between art, creativity, labour and the creation of value under contemporary relations of production. Some of them do not stop at a critical diagnosis but go further, reflecting upon potential alternatives to the status quo.

The book covers more than the issues of a narrowly understood art world, despite the fact that it pays a lot of attention to them. Art is conceived here as a social lab, where innovative ways of organizing of labour, socializing both for labour and through labour, as well as different types of production, speculation, generation and accumulation and appropriation of value are experimented with and tested.

Autor_innen: Hans Abbing, Joanna Bednarek, Luc Boltanski, Isabelle Bruno, Neil Cummings, Diedrich Diederichsen, Freee Art Collective, Isabelle Graw, Alex Neumann, Precarious Workers Brigade, John Roberts, Gigi Roggero, Martha Rosler, Stevphen Shukaitis, Massimiliano Tomba, Marina Vishmidt.

PDF Version hier als PDF.

Herausgeber_innen: Free/Slow University of Warsaw, MayFly Books  and Bęc Zmiana Foundation. Die Druckversion ist u.a. über MayFly Books erhältlich.


Die Einmischer

„Ich bin in der luxuriösen Situation, eine Art Plattform für Ansichten zu haben, und die nutze ich.“ Juli Zeh

„Momentan ist alles sehr zersprengt. Gewerkschaftliche Arbeit, politische Publizistik - das müssen wir alles neu lernen, unter nicht mehr sozialpartnerschaftlichen Bedingungen, sondern wieder antagonistischen.“ Dietmar Dath

„Eigentlich müsste es eine Erschütterung der herrschenden Gewissheiten geben. Stattdessen existiert so eine sozialdemokratische Schönheitsoperationsmentalität.“ Ilija TrojanowRead more