tl;dr #21: Dipesh Chakrabarty - Klima der Geschichte

Das Zeitalter des Anthropozäns zeichnet sich dadurch aus, dass der Mensch zu einem bedeutenden Einflussfaktor auf biologische und geologische Entwicklungen der Weltgeschichte geworden ist. Tiefgreifend haben die Menschen in die natürlichen Kreisläufe eingegriffen. Immer mehr begreifen wir, wie umfassend diese Eingriffe sind und wie sehr sie den Planeten verändern. Die Bewohnbarkeit der Erde steht in Frage: nicht nur für Menschen, sondern auch für alle anderen Spezies: Tiere, Pflanzen, Bakterien, Viren. Für die kommenden Jahrtausende haben die Menschen das Klima und die Meere verändert, durch die Vernichtung von hunderttausenden Pflanzen- und Tierarten in die evolutionären Dynamiken eingegriffen. Nicht nur Menschen flüchten, sondern auch Tiere und Pflanzen. Aufgrund der gesellschaftlichen Praktiken kommen heute die Geschichte des Planeten, des Lebens auf der Erde und die Geschichte der Menschheit zusammen. Das bedeutet der Ausdruck des Anthropozäns. Read more


Eric Olin Wright's Reale Utopias jetzt auf deutsch

Wie weiter mit dem Kapitalismus, der zur Gesellschaftsordnung gewordenen Produktionsweise, die soziale Verhältnisse zerrüttet, Mensch und Umwelt zerstört? Gibt es vielleicht einen Ausweg aus der vielfach als »alternativlos« bezeichneten Situation? Der amerikanische Soziologe Erik Olin Wright entwickelt neue analytische Grundlagen, um die Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus anzuleiten. Seine Kernidee ist es, die Dominanz des Kapitalismus dadurch zu brechen, dass innerhalb des bestehenden Systems konkrete emanzipatorische Alternativen aufgebaut werden, die die Welt, so wie sie sein könnte, aufscheinen lassen und vorwegnehmen.

Die Übersetzung der englischsprachigen Originalausgabe bei Verso ist jetzt bei Suhrkamp erschienen und mit einem Nachwort von Michael Brie versehen. Auch das Einleitungskapitel ist online lesbar.

 


schirrmacher vs. dath

mir wird gerade klarer, was mein derzeitiger leib- und magenschreiberling dath bei der faz treibt, dem konservativen leitorgan der deutschsprachigen presselandschaft - außer natürlich überlebensgeld verdienen. der faz-herausgeber schirrmacher hält sich da offensichtlich einen diskutanten für ein thema, das ihn selbst umtreibt: kapitalismuskritik. jetzt hat schirrmacher tatsächlich ein kapitalismuskritisches buch geschrieben: "ego". er schafft es allerdings, die kapitalismuskritik unmarxistisch und voll vom bürgerlichen (im doppelten sinne) standpunkt aus zu formulieren. eine gute zuspitzung darauf gabe es neulich in einer besprechung in der süddeutschen. ich zitiere den zentralen passus, aus dem hervorgeht, wo es die bürgerlichen jetzt dann doch zur kapitalismuskritik treibt:

Inzwischen hat sich das Tempo der komplexen wechselseitigen Spiel- und Gegenspielzüge so hochgeschaukelt, dass schon der Vorsprung von Nanosekunden reichen kann, um Sieg und Gewinn davonzutragen. Das aber ist beileibe nicht nur ein sportliches Phänomen.Denn bei dieser Gelegenheit zerbröselt der Hochgeschwindigkeitshandel eines der Fundamente der Rechtsordnung: ausgerechnet das unternehmerische Eigentum. Inzwischen beträgt die durchschnittliche Haltezeit von Aktien an der Börse sage und schreibe 22 Sekunden. Es ist noch nicht lange her, da waren es im Schnitt mehr als vier Jahre. Eine verantwortliche Rolle des Miteigentümers eines Unternehmens, die ja der Aktienbesitz darstellt, ist damit hinfällig. Wer, wenn nicht die Eigentümer tragen dann die Verantwortung?" Quelle: SZ vom 16./17.2.2013

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