„Progressiv-demokratisches Diskurslager“ - aber ohne die LINKE und die RLS?

Benjamin Mikfeld war von 1999 bis 2001 Bundesvorsitzender der Jusos und ist derzeit Geschäftsführer des Denkwerk Demokratie. Mikfeld hat kürzlich – trotz aller Kritikpunkte - eine lesenswerte Studie vorgelegt. Auf 107 Seiten untersucht er „Alte und neue Wege aus der großen Krise“ und zeichnet damit „Eine Landkarte aktueller politischer Diskurse über die Zukunft von Wirtschaft, Wachstum und Gesellschaft“ – so der Untertitel. Er postuliert bzw. untersucht ein sog. „progressiv-demokratisches Diskurslager“, in dem aber die LINKE oder die Rosa Luxemburg Stiftung und deren jeweiligen inhaltlichen Arbeiten und Vorschläge nur absolut randständig vorkommen. Dies zeigt die Ignoranz des Verfassers, aber auch die geringe Diskursmacht der RLS oder der LINKEN. Ob dieses linke Diskurslager, das nach dem Dafürhalten Mikfelds grob aus dem Spektrum besteht, das zum Beispiel im Sommer 2012 den "Transformationskongress“ veranstaltete (DGB, Deutscher Naturschutzring und evangelische Kirche) alleine hegemoniefähig sein kann, muss die Zukunft erweisen. Es stellt sich nicht zuletzt darüber hinaus die Frage, was mit den derzeit von den Piraten parlamentarisch repräsentierten Anliegen ist. Die Piraten fehlen in dem Text ebenfalls. Mikfeld meint, bei diesen sei „keine hinreichende wirtschafts- und umweltpolitische Programmatik erkennbar“, die eine Bearbeitung innerhalb seines Erkenntnisinteresse erlaube.
Eine Auskopplung aus dem Papier ist hier online und in der Zeitschrift spw Nr. 191 abgedruckt.


Wittenberge: Bewältigungsstrategien in einer Umbruchgesellschaft (Sammelrezension)

Ralph Richter, Institut für Soziologie, Technische Universität Darmstadt, rezensiert für das große Geschichts- und kulturwissenschaftliche Fachportal H-Soz-u-Kult
Bude, Heinz; Medicus, Thomas; Willisch, Andreas (Hrsg.): ÜberLeben im Umbruch. Am Beispiel Wittenberge: Ansichten einer fragmentierten Gesellschaft. Hamburg: Hamburger Edition, HIS Verlag 2011. ISBN 978-3-86854-233-2; 360 S., 115 Abb.; EUR 39,00.
und
Willisch, Andreas (Hrsg.): Wittenberge ist überall. Überleben in schrumpfenden Regionen. Berlin: Christoph Links Verlag 2012. ISBN 978-3-86153-664-2; 325 S., 14 SW-Abb.; EUR 19,90.

Er schreibt:

In den Jahren 2007 bis 2010 war die brandenburgische Stadt Wittenberge Ort eines außergewöhnlichen sozialwissenschaftlichen Experiments. SoziologInnen, EthnologInnen und Theatermacher wurden temporär zum Bestandteil einer Stadtgesellschaft, die wie kaum eine andere mit den Folgen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbruchs fertig werden musste. Den WissenschaftlerInnen ging es darum, "von innen heraus" das "Überleben" der Menschen in einer von tiefen Brüchen geprägten Gesellschaft zu untersuchen. Zu den Ergebnissen und Erfahrungen des Projekts liegen nun zwei Buchveröffentlichungen vor."

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CfA Respektive Heft 3: Kommunismus und Commons

Der Call zur 3. Ausgabe der Zeitschrift Respektive ist da. Das Thema lautet "Kommunismus und Commons", die Deadline ist eigentlich Ende Juni abgelaufen, es ist aber - wie gewöhnlich gut unterrichtete Kreise wissen - möglich, noch Texte und Ideen einzureichen.

CfA Respektive Heft 3: Kommunismus und Commons als PDF.


Buch: Solidarische Ökonomie & Commons. Intro

Finanz- und Schuldenkrise, Klima­Krise, Krise der Energieversorgung und Hunger - all dies zeigt: Das Marktsystem ermöglicht keine zukunftsfähige Lebensweise. Krisenlösungen müssen einer anderen Logik folgen als der von Konkurrenz, Profit und Wachstum. Die weltweit bereits praktizierten neuen Wirtschafts- und Lebensweisen zeigen, dass es anders geht: Commons und Solidarische Ökonomie sind zwei der Kernbegriffe für diese Nischen abseits von Markt und Staat.
Dieses INTRO-Buch ist einerseits eine Momentaufnahme der sich rasch entwickelnden theoretischen Diskussion um gesellschaftliche Alternativen, es werden aber auch die grundlegenden historischen und begrifflichen Eckpunkte der Debatte um ein nicht-profitorientiertes Wirtschaften nachgezeichnet (Quelle:  Mandelbaum-Verlag)

EXNER, Andreas/KRATZWALD, Brigitte: Solidarische Ökonomie & Commons
Intro (140 Seiten, 9,90 EUR, ISBN: 978385476-607-0, Erscheinungstermin Anfang Mai 2012)

Brigitte Kratzwald, die auch für http://www.commons.at verantworlich zeichnet, schreibt auf Nachfrage "bei dem Buch ging es uns darum, den marxistischen commons-Diskurs auf deutsch zugänglich zu machen, Entsprechende Literatur gab es bisher nur auf englisch. wir behandeln commons als zentralen Aspekt sozialer Kämpfe, von der Feudalzeit bis heute. Es ging uns darum, die Ambivalenz aufzuzeigen: einerseits sind commons ein Raum der Autonomie, daher immer eine Bedrohung für die Herrschenden, andererseits braucht das Kapital die commons, weil sie es mit Ressourcen versorgen, vor allem in Krisenzeiten. commons bewegen sich also immer im Spannungsfeld von Widerstand und Ko-optierung. commons als nicht-kapitalistische Produktionsweise, die aber immer eng ans herrschende System gebunden ist - das ist der rote Faden, der sich durchs Buch zieht."

Man und frau darf also gespannt sein.


Neuerscheinung: "Die Grenzen des Wachstums: Die Große Transformation. Ein Reader für Vor- und Nachdenker"

Der Deutscher Naturschutzring (DNR), der Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände teilt am 29.02.2012 mit, dass er "Die Grenzen des Wachstums: Die Große Transformation" veröffentlich hat. Read more


[UPDATE] "imagine economy. Neoliberale Metaphern im wirtschaftspolitischen Diskurs"

Jetzt ist es da: Das neue Buch des österreichischen Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM): "imagine economy. Neoliberale Metaphern im wirtschaftspolitischen Diskurs". Eine kurze Leseprobe ist unter http://www.beigewum.at/wordpress/wp-content/uploads/Schuldenbremse1.pdf zu finden.

UPDATE: Auf www.kritisch-lesen.de ist jetzt (August 2012) eine Rezension erschienen (mehr)


Links sein: Politische Praxen und Orientierungen in linksaffinen Alltagsmilieus (Rezension)

Per Ideenwettbewerb zur linken Hegemonie
Eine Rezension / Von Gottfried Oy

»Links« zu sein verwies früher einmal auf die parlamentarische Sitzordnung, war nahezu zweihundert Jahre fester Bestandteil politischer Auseinandersetzungen und scheint sich seit gut zwanzig Jahren in Beliebigkeit aufzulösen.
So oder so ähnlich klingt der Befund von Philosophen und Zeitdiagnostikern angesichts des Zerfalls klassischer politischer Strömungen. Das Erstaunen darüber, dass sich trotz Ende des Staatssozialismus und neoliberaler Wende heute mehr als die Hälfte der bundesrepublikanischen Bevölkerung politisch links verortet, veranlasste eine Forschergruppe aus Jena, Chemnitz und Berlin, sich der Thematik empirisch zu nähern: Was macht heute »Links sein« aus?
Ihre These ist, dass die heutige politische Kultur von einer Ambivalenz geprägt sei: Auf der einen Seite gebe es eine eindeutige kulturelle Hegemonie des Neoliberalismus und auf der anderen Seite sei eine deutliche »Persistenz linker Positionen und Denkmuster« (S. 10) zu beobachten. Ihr politisches Projekt geht auf die Hegemonietheorie Gramscis und den Versuch, kulturelle Hegemonie zu erlangen, zurück. Ihnen geht es darum, in einer Art Bestandsaufnahme zu klären, »was ‘linke’ Positionen kennzeichnet, wer sie vertritt und welche politischen Praxen hervorgebracht werden « (S. 11) – um sich auf Grundlage dieser Daten mit der Frage auseinanderzusetzen, wie ein solches Spektrum zu einer politischen Strömung gebündelt werden könnte. Sie knüpfen damit an die Debatte um die so genannte Mosaiklinke an.Read more


»Was ist dein Streik?« Militante Streifzüge durch die Kreisläufe der Prekarität

»Precarias a la deriva« ist eine Initiative zwischen Forschung und Aktivismus, die aus dem feministischen Sozialzentrum »La Eskalera Karakola« in Madrid hervorging. Während des Generalstreiks in Spanien 2002 fanden sie sich zusammen, um die Möglichkeit des Handelns bzw. des Streiks in Zeiten der Prekarität zu erproben. Im Vordergrund ihres Interesses steht dabei nicht die Produktion eines Wissens über »Betroffene«, sondern die Untersuchung der eigenen Arbeits- und Lebensverhältnisse im Spannungsverhältnis Prekarisierung, Feminisierung der Arbeit und dem Kontinuum Sex-Aufmerksamkeit-Sorge. Die Frage »Was ist dein Streik?« bildet den Ausgangspunkt ihrer militanten Untersuchung.

Precarias a la deriva: »Was ist dein Streik?«, Verlag Turia & Kant, Wien 2011, 184 S., EUR 14,- (mehr Infos zum Buch und Leseprobe)


Do the right thing. 11 thesis on the conflict to come and the world to invent

In einem längeren, mittlerweile auf englisch übersetzten Diskussionsbeitrag haben einige italienische postoperaistische Intellektuelle der Libera Università Metropolitana (Rom) Positionen zur "Krise" und den Möglichkeiten von politischen Alternativen dargelegt. Sie fragen udn diskutieren unter anderem: Wie ist eine Transformation unter den heutigen Bedingungen möglich? Welche Modelle des Widerstandes sind adäquat? Wie ist das Verhältnis von institutionellen Formen von Politik zu solchen jenseits davon?


Rezension: Zur jüngeren Geschichte der sozialen Bewegungen in Österreich

Österreich ist schon ein seltsames Land, über das hierzulande wenig bekannt ist. Es gilt einerseits mit seinen ca. 8 Millionen Einwohner_innen als Inbegriff von völkischer Dumpfheit und Rassismus. Andererseits ist in Österreich angesichts seiner Größe und wegen der Zentraliserung auf Wien die linke und alternative Medienszene erstaunlich groß. Beispielhaft seien – als Printprodukte - nur Kulturrisse, MALMOE, anschläge, Frauensolidarität, Kurswechsel und grundrisse genannt.

Robert Foltin dürfte, wie etwa auch Robert Misik, einer der wenigen unabhängig-linken Autor_innen sein, die über Österreich hinaus bekannt sind. Im Jahr 2004 hat er mit dem mittlerweile auch online zugänglichen Buch Und wir bewegen uns doch (Volltext) eine fulminante Geschichte der neuen sozialen Bewegungen in Österreich seit dem Kriegsende vorgelegt. Durch dieses Buch konnte mensch nebenbei viel über die Auswirkungen der außenpolitischen Neutralität auf die politische Kultur Österreichs, über seine verstaatlichte Sozialdemokratie und die Größe und den Niedergang der Kommunistischen Partei lernen. In seinem aktuellen, in der neuen, vielversprechenden Reihe „kritik & utopie“ erschienenen Band legt Foltin nun ein im Sommer 2011 abgeschlossenes Update vor. In ihm beschreibt er vor allem den vielfältigen Aufschwung sozialer Bewegungen und Proteste ab der zweiten Hälfte der 2000er Jahre. Read more


Rezension: 10 Jahre ver.di

Martin Kempe: 10 Jahre verdi – Die Chancengewerkschaft. Ein Essay; 113 Seiten, 9,90 EUR, Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2011

Der 1943 geborene Martin Kempe war Mitgründer und lange Jahre Redakteur bei der Tageszeitung taz und danach von 2001 bis 2007 Redakteur von PUBLIK, der Mitgliederzeitung der Gewerkschaft ver.di. Im Oktober 2010 veröffentlichte er das Buch "Ermutigungen für den aufrechten Gang im Betrieb". In seinem neuen Buch reflektiert er anlässlich des 10-jährigen Jubiläums die Realität rund um die 2001 gegründete Gewerkschaft.Read more


Rezension: JusoLinke

Sascha Vogt (Hg.): JusoLinke. 40 Jahre theoretische Orientierung der Jusos - Vom Hannoveraner Kreis zum Netzwerk linkes Zentrum; spw-Verlag, Dortmund 2011, 184 Seiten, 11,90 EUR
Mit diesem vom derzeitigen Vorsitzenden der Jusos herausgegebenen Buch liegen Beiträge zur Geschichte der sog. „Juso-Linken“ vor, die sich 1971 als „Hannoveraner Kreis“ gründete. Das Buch gliedert sich in drei Teile: Im ersten werden bewusst subjektive Beiträge mehr oder minder prominenter Jusos dokumentiert. Danach folgen eher strategische Beiträge mit aktuellem Bezug, denen sich im dritten Teil drei theoretische Artikel zu Wirtschaftspolitik, Internationalismus und zum Verhältnis von Individualisierung und Solidarität anschließen. Abwesender gemeinsamer Hintergrund ist die bemerkenswerte Tatsache, dass die SPD seit 1998 ein Drittel ihrer Mitglieder und die Hälfte ihrer Wähler_innen verloren hat. Read more


Die (Mosaik-) Linke und ihre Medien

Die Mosaik-Linke
Die Mosaik-Linke

Linke Medienarbeit im Online-Zeitalter
von Bernd Hüttner und  Christoph Nitz

Mit freundlicher Genehmigung der HerausgeberInnen entnommen aus: Bernd Hüttner/Christiane Leidinger/Gottfried Oy: Handbuch AlternativMedien, Neu-Ulm 2011, www.agspak-buecher.de, 22 EUR, 280 Seiten

I.
Viel ist derzeit von einer Mosaik-Linken, ja von einer Neuerfindung der Linken die Rede (vgl. Urban 2009). Ein gegenhegemonialer Block aus Gewerkschaften, GlobalisierungskritikerInnen, weiteren NGOs, sozialen Gruppen und Selbsthilfeinitiativen, kritischen Teile der kulturellen Linken, der Kirchen, und, so wäre hinzuzufügen, Teilen der radikalen Linken sei notwendig. Dieser Block müsse nach dem Prinzip der autonomen Kooperation nach gemeinsamen politischen Projekten und Zielen fahnden, neue Begriffe und neue Ansätze, vor allem innerhalb der Gewerkschaften, seien notwendig. Eine Kultur der gegenseitigen Toleranz und der Akzeptanz der spezifischen Bewegungs- und Organisationskulturen wäre die Schlüsselressource eines solchen „Bündnisses“, das dann, so die These einiger DiskutantInnen, kein Bündnis im klassischen Sinne mehr wäre. Read more