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Ein Beispiel Vierter Gewalt

Ich hatte mir gerade vorgenommen, es mit kleineren Texten für die gute Sache zu versuchen und Aufmunterndes zu diesem Vorhaben zu hören zu bekommen. Ein paar Stunden danach flog der Blick  über die Computernachrichten und schon knallte mir die Schlagzeile entgegen: „Grönemeyer tobt bei Jauch.“ Das war am 05.10.15 bei GMX gegen Mittag. Der allseitig beliebte Grönemeyer, erwiesener volksverbundener Könner, im Ruhrgebiet verortet, teilweise auch in London lebend, wurde heftigst angegriffen, wie ein Volksverräter, wo er doch auf dem U-Boot mitgefahren ist. In den nachfolgenden Leserzuschriften tobte ein Shitstorm nach dem Motto immer feste druff. Warum?
Warum? Weil Grönemeyer in der Diskussion über das Flüchtlingsproblem und seine Ursachen gefordert hatte, daß man in dieser Situation doch mal speziell die Reichen höher besteuern sollte, um die anfallenden Mehrkosten abzufedern. Um es zu verdeutlichen: Die 1. Fassung dieser Nachricht hatte sich speziell diese Aussage von Grönemeyer herausgeklaubt, um klarzumachen, daß Grönemeyer hier eine ganz und gar unmögliche Forderung stellt, wie sie sonst vielleicht nur von den Linken gestellt wurde. Wehe, wer es wagen sollte diese Forderung noch einmal öffentlich zu stellen! Wie soll man denn Millionär oder vielleicht auch Milliardär werden, wenn einem alles weggesteuert wird?

In den späteren Fassungen, die erste Fassung war im Internet nur Stunden später nicht mehr auffindbar, begann der taktische Rückzug der verantwortlichen Journalisten. In der 2. Fassung kam als Ersatzvariante eine Aufzählung von mehreren Künstlern, dabei Grönemeyer als gleicher unter gleichen, die mal irgendeinen Bonmot losgelassen hatten. Das sollte die Härte des Angriffs auf Grönemeyer etwas mindern, nach dem Motto: Ja, ja unsere freiheitlichen Künstler, die machen schon Sachen. Und richtig, aller guten Dinge sind drei. In der 3. Fassung war Grönemeyer wieder gänzlich aus der Schußlinie herausgenommen worden. Seine durchaus kritischen Bemerkungen zur Politik der USA und Großbritanniens (tragen Mitschuld an der Krise im Nahen und Mittleren Osten, Bush jun. und Blair gehören vor das Kriegsgericht von Den Haag) wurden sogar zitiert. Die Formulierung über die Steuerforderungen von Herbert Grönemeyer war in dieser dritten Fassung aber völlig verschwunden.

Wenn dieser innere Zusammenhang auch diesmal erkannt wurde, so schmälert er nicht das kreative Können der im Namen der 4. Gewalt Tätigen. Die Aktivitäten zur Volksverdummung erfolgen auf hohem Niveau. Ein Glück für die deutsche Demokratie, daß es eine Menge Menschen gibt, die diese Verführtechnologien immer besser durchschauen. Darunter sind auch etliche Journalisten.

One Response to “Ein Beispiel Vierter Gewalt”

  1. naja, da empfehle ich etwas mehr gelassenheit – oder einen schwenk der kritikrichtung. denn gmx ist weder “das internet” noch “die vierte gewalt”. wenn da wichtige sachen zu schnell unwichtigen weichen und nach unten rutschen, dann ist das dem aktualitätsfetisch geschuldet. und wenn artikel verändert werden, ohne dass die änderungen kenntlich gemacht werden, dann ist das die schöne neue welt der digitalen nachrichtenanbieter. die meldung und grönemeyers einlassungen finden sich ausführlich, wörtlich und nach wie vor z.b. auf den webseiten der tageszeitung die welt: www.welt.de/vermischtes/article147202787/Fuer-Fluechtlinge-will-Groenemeyer-Reichen-ans-Geld.html . in die suchmaschine meiner wahl gehe ich mit der suche nach duckduckgo.com/?q=jauch+gr%C3%B6nemeyer+reiche+besteuern+fl%C3%BCchtlinge und klicke den 4. link in der liste an: realtimenews.eu/de/gunther-jauch-fur-fluchtlinge-will-gronemeyer-reichen-ans-ge_29348.html . von dort führt mich der “lesen”-link zum volltextartikel auf den welt-seiten. was hier nach einer aufwendigen suche klingt, ist m.e. zumutbar. wenn ich in der papierzeitung, die schon irgendwo im altpapierstapel steckt, einen artikel nochmal nachblättern will, dann ist der suchaufwand wahrscheinlich größer.

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