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Um ihre Vorstellungen eines „ethnisch-gesäuberten“ Großrumäniens umzusetzen, hat die rumänische Regierung als Teil des erweiterten Dreimächtepakts unter deutscher Führung während des Zweiten Weltkriegs über 25.000 Roma ins sogenannte Transnistrien deportiert. Die Lebensbedingungen in der rumänischen Besatzungszone zwischen den Flüssen Dnister und Bug waren so hart, dass die Hälfte der Deportierten an Hunger, Kälte oder Krankheit starben. Eine Ausstellung erinnert an diesen fast vergessenen Völkermord anlässlich einer Erinnerungsreise einer gemischten Reisegruppe im Jahre 2016.

Die Balkanländer gelten seit 2015 in der EU unter deutscher Führung wieder als „sicher“. Dieser neuen Sicherheit widmet sich die Broschüre „Von wegen sicher. Das Konzept der sicheren Herkunftsstaaten in der Kritik“ des Regionalbüros Südosteuropa der RLS und eine Speakers-Tour im Frühjahr 2017.

Es gibt nur wenige zuverlässige Statistiken zur ethnischen Abstammung der Asylsuchenden, doch geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (18/4142) der Bundestagsfraktion DIE LINKE hervor, dass ca. 70 Prozent der Flüchtlinge aus dem Kosovo, die 2014 in Deutschland Asyl beantragten, „Roma, Ashkali oder Balkan-ÄgypterInnen“ waren.

PolitikerInnen und die Asylbehörden führen die Motive der Migration von Roma systematisch auf Armut und wirtschaftliche Gründe zurück und ignorieren dabei völlig den in ganz Europa verbreiteten Antiziganismus und die damit verbundene direkte und strukturelle Diskriminierung von Roma. Die Mehrzahl der 10-12 Millionen Sinti und Roma in Europa lebt unter erheblich schlechteren Bedingungen als ihre MitbürgerInnen. Die Mehrheit von ihnen ist innerhalb und außerhalb der Europäischen Union von sozialem Ausschluss, Vorurteilen und Benachteiligung konfrontiert. Ihre Geschichte in Europa ist vielfach eine Geschichte von Repression, Verfolgung und Vertreibung – nicht zu vergessen der nationalsozialistische Genozid an den Roma im Zweiten Weltkrieg. Auf dem Papier haben sich die EU und die deutsche Regierung dazu verpflichtet, die Verfolgung und den Ausschluss der Roma zu bekämpfen. In der Praxis jedoch sind die deutschen Behörden nicht einmal bereit, die direkte und strukturelle Diskriminierung, der viele Roma in den Balkanländern ausgesetzt sind, als Asylgrund anzuerkennen.

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