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Die “Auswertung einer Konferenz” steht an und Dateien, Notizen, Mails werden bewegt. Vielleicht ist es das Einfachste, mit drei Fragen, zu denen Thomas Sablowski in einem ersten Beitrag nach der Konferenz produktiv provoziert, zu beginnen. Thomas thematisiert “ … die schwere Niederlage, die die europäischen Linke im vergangenen Jahr in Griechenland erlitten hat”. Dazu darf gefragt werden:

  • Wieso ist von einer “schweren Niederlage” der europäischen Linken in Griechenland die Rede, wenn sie doch gar nicht relevant gekämpft hat?
  • Wie haben sich die Linken in Europa mit ihrem eigenen Verhalten auseinandergesetzt und was ist seit einem Jahr geschehen? (Welche Rolle spielte diese Frage auf der Konferenz?)
  • Was kann denn nun aus daraus gelernt werden?

Die Konferenz war zweifellos interessant und produktiv: sie hat unter den TeilnehmerInnen Denkanstöße gegeben, Kontakte erneuert und neue ermöglicht, Arbeitsbeziehungen gepflegt und zu neuen Absprachen geführt. Die Diskussion kreiste um insbesondere vier miteinander verknüpfte Felder und immer wieder um die Organisationsfrage. Diese Felder sind: Commons/Gemeingüter – Schulden, Freihandel und Investitionsschutz, – Demokratie, Gewalt, Flucht/Migration. Hier gibt es also Gemeinsamkeiten, die politikwirksam gemacht werden können.

Grundprinzipien wurden wiederholt: in der Unterschiedlichkeit Stärken sehen; auf allen Ebenen gleichzeitig kämpfen; keine spaltenden Diskussionen um die Frage, was das Wichtigste sei, führen; keine Kraft auf die künstliche Konstruktion einer gemeinsamen Kampagne verwenden. Allerdings war bei alledem eben das uns Verbindende nicht das Zentrale und da sind wir wieder bei der Frage zu Griechenland: Solidarität. Solidarität als das Gegenteil von Konkurrenz, die die kapitalistische Produktionsweise ausmacht; mangelnde Solidarität als Ursache von Niederlagen und gescheiterten Arbeitsweisen und Organisationsformen. Wenn man über Modelle, Aktivitäten und Kampagnen diskutiert, ohne die Frage zu diskutieren, wie sie Solidarisierung befördern können bzw. sollen, müssen sie scheitern. Und wenn man nicht an der Organisation gemeinsamer Aktivitäten arbeitet, kann sich Solidarität nur kaum entwickeln. Das ist elementar, aber wird nicht praktiziert. Warum? Weil Grundfragen nicht entsprechend individuell beantwortet und kollektiv diskutiert werden:

Zumindest wurde während der Konferenz nicht protestiert, wenn jemand sagte, dass man die Linken in Griechenland ohne die nötige Solidarität gelassen habe. Allerdings gab es auch keine kollektive Selbstkritik in dem Sinne, dass diese Solidarität nun unter den neuen komplizierteren Bedingungen intensiver organisiert und realisiert würde.

  • Was hindert mich daran, selbstbestimmt und solidarisch – und daher auch ökologisch – zu handeln?
  • Welche Spielräume habe ich im Alltag, um mich zumindest selbstbestimmter, solidarischer und ökologischer zu verhalten und wie nutze ich sie?
  • Was können wir gemeinsam tun, um systemische Grenzen für selbstbestimmes, solidarisches und ökologisches Handel zu politisieren, Handlungsspielräume zu erschließen, zu nutzen, zu erweitern?

Das liegt nicht “nur” an der “Haltung”, sondern am Vermögen bzw. Unvermögen, zu analysieren. Die ökonomische Analyse aber zeigt, dass eine neue Welle globaler Finanzkrise auf uns “zuschwappt”. Das EU-Krisenmanagement und der Brexit mehren sie. Die jüngste Finanzkrise, die zur Eurokrise führte, hatte die Stärkung der Kapitaloligarchien zur Folge, weil die Linken unfähig waren, gemeinsam zu handeln. Kommen wir also endlich zur gemeinsamen Analyse von politökonomischen Zusammenhängen, gesellschaftlichen Zuständen und insbesondere von Erfahrungen bei der pragmatischen und systematischen Organisation von Solidarität!

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