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Immer das gleiche

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Blöde Illustration, via pixabay

Die Wahrheit ist die Wahrheit. Lustig ist: als abgeleitete (theoretisch erworbene) gilt sie nichts, als ausgerechnete (empirisch, beim Zuschauen erworbene) gilt sie alles. Beispiel: der Verbleib der sogenannten Griechenland-Rettungs-Milliarden. Jetzt hat die European School of Management and Technology (ESMT) mal Beobachtungsergebnisse zusammengetragen und ausgerechnet, dass von 216 Milliarden Euro der ersten beiden Rettungspakete nur 9,7 Milliarden Euro und damit weniger als fünf Prozent im griechischen Haushalt gelandet sind. Der Rest ging an die Gläubiger, also an diejenigen, die sowieso schon so viel Geld haben, dass sie Milliarden übrig haben, um sie zu verleihen. Erfahrungsbasiert war das von Anfang an klar („Der Teufel scheißt immer auf den dicksten Haufen.“) und theoriebasiert auch (etwa gemäß „Kritik der politischen Ökonomie“ in einer ihrer vielen Spielarten). Vgl. dazu die diversen Publikation in den verschiedensten Formaten z.B. aus der RLS über Griechenland und die Krise allgemeiner.

Aber erfahrungs- und theoriebasiertes Wissen hat gegenüber beobachtungsbasiertem einen entscheidenden Unterschied, es läßt sich damit prognostisch arbeiten – und damit auch politisch. Und das ist je nach Interessenlage ein Vor- oder ein Nachteil. Für emanzipatorisches Streben und für vernünftige gesellschaftliche Planung ist das ein Vorteil. Für die Aufrechterhaltung ungerechter Verhältnisse und die Absicherung immer neuer Umverteilungkampagnen von den Armen zu den Reichen ist es ein Nachteil, wenn die Begleitpropaganda bereits von Anfang an mit Hilfe von Erfahrungs- und Theoriewissen zu durchschauen ist.

Und daher kommt massenmedial (sinnvoller ist zu betonen: in staatlichen und privateigentumsbasierten Medien) eben nur die beobachtungsbasierte Wahrheitsfindung durch. So ist die ESMT-Studie groß in Spiegel-Online gefeatured. Wann wurde dort mal über die Griechenland-Materialien der RLS berichtet? Die ex-post-Wahrheit ist herrschaftskompatibel: Sie kann ihre Ergebnisse nämlich per se erst dann formulieren, wenn wie in diesem Fall die Milliarden schon umverteilt sind und das Wissen darum nichts mehr ändern kann. Wissen ist dann nicht nur Macht, sondern Teil der Herrschaft und kein bisschen mehr Kritik, denn es verstärkt auch noch den Eindruck der Machtlosigkeit in den Reihen derer, die sich zwar gewehrt haben, aber auch an den Verhandlungstisch gesetzt haben und wie nicht anders zu erwarten (erfahrungs- und theoriebasiert) wieder mal über eben diesen gezogen wurden.

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