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Am 17.02.16 ist bekannt geworden, dass der kanadische Bombardierkonzern im Rahmen einer großen Kostensenkungsmaßnahme insgesamt in 2 Jahren 7.000 Stellen abbauen will. Die Zugsparte mit insgesamt 39.000 Mitarbeitern soll daran mit 3.200 einzusparenden Stellen beteiligt sein. Daraus abgeleitet geht es für die in Deutschland insgesamt vorhandenen 9.900 Stellen um den Abbau von 1.430 Stellen. Das Hennigsdorfer Bombardierwerk, davor Adtranz, LEW, AEG, verfügt über für Brandenburger Verhältnisse beträchtliche 2.850 Stellen, von denen etwa ein Drittel im Bahnbereich tätig sind. Auch über dem Hennigsdorfer Werk schwebt die Gefahr des Abbaues von mehreren 100 Stellen. Wie den Medien zu entnehmen ist, sind Betriebsrat, IG Metall, Parteien, Landesbehörden aktiv, Aussprachen mit der Konzernvertretung sind demnächst ins Auge gefasst.

Das Hauptgebäude von Bombardier Transportation in Hennigsdorf. Foto: Skatz-Nelstar, German Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Das Hauptgebäude von Bombardier Transportation in Hennigsdorf. Foto: Skatz-Nelstar, German Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Persönlich betroffen wären Mitarbeiter aus Berlin und dem Land Brandenburg. Der mühselige Prozess des Wiederaufbaues einer Industriestruktur in Berlin und Brandenburg nach der mit der Wende eingeleiteten Deindustrialisierung würde einen herben Rückschlag erleiden.

Deshalb halte ich es für erforderlich, daß die Partei Die Linke als ganzes und mit den beiden Landesverbänden Berlin und Brandenburg diesen Vorgang intensiv politisch begleitet, und dazu auch die immer akuter werdenden Wahlkampfphasen für das Land Berlin und 2017 für den Bundestag nutzt.

Aus der Sicht einer durchdachten regionalen Entwicklung in Berlin und im angrenzenden Brandenburger „Speckgürtel“ halte ich es für sehr dringend, den Gefahren eines weiteren Abbaues konventioneller Industrie mit großem Flächenbedarf, obendrein hervorragendem Wasseranschluss, der Anfang des 20. Jahrhunderts der Grund für die Ansiedlung in Hennigsdorf mit hervorragenden Berliner Anbindungen war, entschlossen zu begegnen. Die alten und in der DDR durch die VEB intensiv bewirtschafteten Berliner Industriestandorte, die nach 1990 stillgelegt wurden, boten in Berlin natürlich eine gute Möglichkeit, Jahre nach der Wende die expandierende Schweizer Firma Stadler anzusiedeln. Und gerade diese Firma war es, die gemeinsam mit Siemens den Auftrag zum Bau von 382 S-Bahnwagen von der DB und dem Berliner Senat „an Land ziehen konnte“, ein schöner Auftrag, der Bombardier auch gut ins buchhalterische Rechenwerk gepasst hätte.

Ich schlage vor, dass diese Situation dazu genutzt wird, sich nicht privatunternehmerischen Sichtweisen zu beugen, und dass statt dessen ein solches Regionalkonzept, für den Berliner und Brandenburger Schienenfahrzeugbau entwickelt wird, das beiden Unternehmen ermöglicht, die Standorte erfolgreich weiter zu betreiben, eine Menge Arbeitsplätze sichert und für die Wiedererstarkung der Berlin-Brandenburgischen Industrietradition einen Meilenstein setzt.

Das perspektivische Konzept der Linken, die Infrastruktur der Bundesrepublik, also auch Schienennetz- und betrieb, allseitig zu verbessern, bei den notwendigen Investitionen entschlossener voranzugehen, dem sich wahrscheinlich viele gesellschaftliche Kräfte engagiert anschließen werden, schafft Bedarfsgrößen, die eine gute Auslastung von Bombardier und von Stadler verheißen.

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