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Seit September 2014 ist das Portal theoriekritik.ch online. Es ist ein Web-Forum, das zum Ziel hat, auf Debatten und Publikationen im linken Kontext hinzuweisen und deren politische Relevanz zu vermitteln.

Ausgangspunkte
Theoriekritik.ch geht von folgender Situationsanalyse aus:
a) Was die politische Theoriearbeit im linken Kontext der Schweiz angeht, ist die Situation von zwei divergierenden Einschätzungen geprägt. Die einen sprechen von einer durch die kapitalistischen Verhältnisse strukturell bedingten und in den Individuen psychologisch verankerten Theorieferne bis -feindlichkeit sowie einem daraus resultierenden theoretischen Informationsdefizit. Die anderen postulieren eine Korrumpierung von theoretischen Bemühungen durch die von den Massenmedien geprägten Rezeptionsstandards bzw. eine Anbiederung an ein sogenanntes Zielpublikum.
b) Aus diesem Dilemma resultiert oft eine implizite Verabschiedung des Nützlichkeitsanspruchs von Theorie und Kritik. Aber die zweckfreie Vertiefung in die Sache ist leider oft erkauft mit einem starken Hang zur Partikularität und Nischenbildung, vor allem im Rahmen des universitären, fachspezifischen Expertentums oder in politisch-aktivistischen Kreisen. Sichtbare Zeugen dieser Situation sind überspezifizierte Fachzeitschriften im universitären Rahmen sowie kleine und kleinste Zeitschriften im politischen Feld, die sich voneinander abgrenzen und aufeinander kaum Bezug nehmen.
c) Zahlreich sind aber auch immer die Versuche, sich weder der strukturell bedingten und individuellen Theoriefeindlichkeit noch einer hermetischen Nischenlogik zu unterwerfen, sondern die Arbeit an Theorie und Kritik offen zu halten für alle. Die herrschenden Standards der Medien und des Marketings werden dabei selbstredend weder einfach reproduziert noch total abgelehnt, sondern sind eine relevante Bezugsgrösse.

Zielsetzung und Aufgaben
Das Projekt theoriekritik.ch erachtet die unter Punkt c) erwähnten theoretischen Bearbeitungen der Wirklichkeit als zielführend für die Herstellung eines kollektiven kritischen Bewusstseins der Linken. In der Medien-Gesellschaft besteht die Tendenz, dass vieles unbearbeitet und zusammenhangslos nebeneinander stehen bleibt und kaum kritisch rezipiert wird. Eine produktive Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen theoretischen Ansätzen und Alternativen ist für die politische Linke aber von entscheidender Bedeutung. Um diese Rezeptions- bzw. Vermittlungsprozesse herstellen zu können, hat sich die Portal-Redaktion komplementär zu den bestehenden linken Medien folgende Aufgaben
vorgenommen:
Zusammenhänge herstellen, archivieren: theoriekritik.ch bietet verschiedene Textsorten, die vergleichend verschiedene Debatten und Begriffe in Zusammenhang bringen; rezipiert linke Zeitschriften und schafft ein leicht zugängliches Archiv.
Theoriegeschichte, Aktualisierung, Intervention: theoriekritik.ch macht es sich zur Aufgabe, bereits erreichte Differenzierungen linker Diskurse weiterzuentwickeln und zu aktualisieren. Die Linke sollte aus Prinzip ihre heterogene Theoriegeschichte – mit all den erfolgreichen und gescheiterten Erfahrungen und ihren Folgen – mitbedenken und aufheben. Oder anders gesagt: Eine Linke, die sich ihre Theorie- und Politikgeschichte nicht immer wieder neu aneignet, kann weder schleichende gesellschaftliche Erosionsprozesse noch sprunghafte historische Veränderungen kritisch einschätzen. Ihr Wissen über die Gegenwart ist erkauft mit Unwissen über ihre Vergangenheit.
Universelle Perspektive: theoriekritik.ch arbeitet gegen die verbreitete Fokussierung auf den Dissens in der Linken, der zu ihrer Zersplitterung führt. Das Portal versteht sich stattdessen als ein Web-Forum, das in Sprache und Theorie Teil einer allgemeinen Perspektive sozialer Gerechtigkeit und linker Pluralitätskultur ist; das selbstkritisch die eigenen Beschränkungen und Idiosynkrasien auf dieses Ziel hin zu thematisieren und zu überwinden sucht.
Interaktivität: Das Portal verfügt über interaktive Funktionen, ermöglicht dadurch eine schnellere Reaktion seitens der LeserInnen und fördert die lebendige Debatte.

Mitarbeit und Unterstützung
Das Portal theoriekritik.ch ist auf breite Mitarbeit angewiesen. Es bietet folgende Möglichkeiten der Mitarbeit und der Unterstützung:

  • Theorie-Galerie: Mit dieser ehrgeizigen Rubrik wird versucht, eine Art autobiographische Theorievergewisserung anzustossen. Politisch, publizistisch oder wissenschaftlich Engagierte, die vor allem in der Schweiz tätig sind, verknüpfen in einem Kurztext ein Buch, das sie in ihrem philosophischen und politischen Denken und Handeln geprägt hat und nachhaltig beschäftigt, mit Elementen aus der eigenen politischen Biographie.
  • Essay, Kommentar, Rezension: Vorschläge zu diesen weiteren Rubriken nimmt redaktion@theoriekritik.ch gerne entgegen.
  • Unterstützung von Tagungen/Kongressen: theoriekritik.ch begleitet Tagungen oder Kongresse. Es besteht die Möglichkeit, vorbereitend Debatten oder Lektüretexte und nachbereitend Kommentare und Berichte im Portal zu verbreiten.

Insertion: Das Portal theoriekritik.ch bietet Verlagen und Redaktionen die Möglichkeit, für ihre Publikationen zu werben.
Spenden: theoriekritik.ch hat über einmalige Spenden von Einzelpersonen und Gewerkschaften die Startfinanzierung sicherstellen können. Für einen kontinuierlichen Betrieb bleibt das Portal auf eine regelmässige finanzielle Unterstützung sowie Spenden angewiesen (Bankverbindung s.
Website).
Projektteam: Die Redaktion besteht aus Rolf Bossart (Leitung) und David Hunziker; zur Konzeptgruppe gehören Tove Soiland, Pierre Franzen und Stefan Howald.
Kontakt: redaktion(ätt)theoriekritik.ch
Alle weiteren Informationen auf www.theoriekritik.ch
Text: Rolf Bossart

Die Wochenzeitung hat am 13.11. auch berichtet (mehr).

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