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In Gesellschaft mit Marx

31g5WSarneL._AA160_Der Beitrag von Horst Kahrs auf der III. Transformationskonferenz  der RLS ist ein guter Anlass, für die Broschüre von Etienne Balibar „Marx‘ Philosophie“ zu werben. Schließlich geht es immer wieder um die Frage nach dem Verhältnis zwischen der „Kritik der Politik“ und der „Kritik der politischen Ökonomie“ bei Marx und um den Umgang mit theoretischem Erbe. „Unter Beschränkung auf das Allerwesentlichste möchte ich hier den Leserinnen und Lesern die Mittel dafür in die Hand geben, sich selbst in den Schriften von Marx zurechtzufinden und sie zugleich in die Debatten einführen, die von ihnen ausgelöst worden sind. Mir geht es dabei … auch darum, eine These zu vertreten, die etwas paradoxal anmuten mag: … es [ist] doch wahr, dass es keine marxistische Philosophie gibt und auch nie eine gegeben hat. Dagegen ist … die Bedeutung von Marx für die Philosophie größer als je zuvor.“ (S. 23)
Diesen Anspruch hat Balibar vor etwa 20 Jahren eingelöst. Die deutsche Ausgabe seiner Schrift von 2013 geht Dank Frieder Otto Wolf hier sogar noch weiter – nicht „nur“ wegen dessen Vorworts, sondern auch wegen der eingefügten Erklärungen, der bibliographischen Einführung und des organisierten aktuellen Balibar-Nachworts. Zweifellos ist Wolf Balibars Forderung, „die Texte wirklich aufmerksam zu lesen“ (S. 146) nachgekommen. Balibar hatte sie im Abschnitt „Die Instanz des Klassenkampfs“ formuliert, wo die Marxsche Idee der „Expropriation der Expropriateure“ diskutiert wird. Diese hat mit dem zunehmenden „Widerspruch zwischen zwei Tendenzen“ zu tun: „der zur Vergesellschaftung der Produktion … und der zur Zerstückelung der Arbeitskraft, zur Überausbeutung und zur Unsicherheit für die Arbeiterklasse. Der Klassenkampf greift hier in ganz entscheidende Weise ein, indem er den Prozess der Auflösung des Widerspruchs in Gang setzt und in dieser Funktion unverzichtbar wird.“ (S. 146)
Die vielzitierte „Expropriation der Expropriateure“ ist bei Marx keine objektive Gesetzmäßigkeit oder äußere Notwendigkeit, sondern wird einzig durch die Aktivität der sich befreien Wollenden konstituiert. Diese Aktivität bzw. der Klassenkampf bewirkt „Transformation“ als Eigenschaft der kapitalistischen Produktionsweise, nicht der „kapitalistischen Gesellschaft“. Der Klassenkampf wirkt auf den Arbeitstag, die Arbeitsorganisation und den Staat als Regulator gesellschaftspolitischer Kräfteverhältnisse ein.
2013 resümiert Balibar: „ … ich denke immer noch in der Gesellschaft von Marx, zumindest so wie ich ihn verstanden habe, dass die Ethik, die wir nötig haben, genau diejenige ist, die sich zwischen unversöhnlichen Ansprüchen teilt, anstatt einfach anzunehmen, dass diese Ansprüche als zwei Seiten einer Medaille (Akkumulations- und Regulationsweise des Kapitals und Bewusstsein und Gefühlswelt der Subjekte – J.D.) erscheinen würden, sobald die Menschen nur ein wenig guten Willen beweisen würden.“ (S. 198)

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