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kulturgeographieMit diesem Buch legt eine jüngere Generation engagierter Geograph_innen eine zwar kurzes, aber trotzdem kompaktes und anschauliches Kompendium vor, das den state of the art der vom cultural turn erfassten Humangeographie umreißt. Einer Kultur- und Sozialgeographie, die kritisch-materialistisch und bisweilen (queer-)feministisch verstanden wird. Das Buch besteht aus 18 Beiträgen, die vier Abschnitten zugeordnet sind. Diese vier sind Grundlagen (mit Artikeln z.B. zu Raum oder Natur), Prozesse (z.B. Globalisierung, Entwicklung), Strukturen (z.B. Geschlecht, Grenzen, Urbanität) und Praktiken (Regieren, Arbeiten, Konsumieren, Reisen).
Die zwölf Autoren und neun Autorinnen gehen davon aus, dass Begriffe und auch Räume gesellschaftlich bedingt- wenn nicht konstruiert – sind, sie somit einen ausdrücklich diskursiven Charakter haben. Es also darum geht, auch in der Geographie die Perspektivität und (Selbst-)Reflexivität von Wissen und Gesellschaft wahrzunehmen. Sie verabschieden sich damit auch von einer essentialistischen Kulturgeographie. Die Beiträge liefern Fakten erst in zweiter Linie. Sie können jeweils für sich stehend gelesen werden und sind mehr an Deutungen und kritischen Reflektionen und Interpretationen interessiert. Jeder der Artikel ist mit erklärenden Kästen versehen, die Begriffe wie etwa Essentialismus, Repräsentation, Diaspora oder Wissensgesellschaft nähern erläutern. Die jeweiligen Literaturverzeichnisse wirken fast ein bisschen überdimensioniert, bestehen sie doch aus zwei bis fünf Dutzend Titeln, von denen zudem ein deutlicher Anteil englischsprachig ist. Ein detailliertes Sachregister schließt dieses empfehlenswerte und preisgünstige Studienbuch ab. Es ist wohl für Studierende in den ersten Semestern gedacht, aber auch für halbwegs belesene andere Interessierte – aus Akademie und sozialen Bewegungen – spannend.

Bernd Hüttner

Julia Lossau/Tim Freytag/Roland Lippuner (Hrsg.): Schlüsselbegriffe der Kultur- und Sozialgeographie, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2014, 279 Seiten, 34 Abb., 22,99 EUR

Diese Rezension erschien zuerst in Heft 2/2014 von FORUM Wissenschaft.

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