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Tragödie. Odessa 2014

ukraine-otan-120x80Die ausführliche Dokumentation zu den Morden vom 2. Mai in Odessa, die uns zugeschickt wurde, veranlasst zu einer kleinen Orientierungshilfe zum Ukraine-Konflikt. Es geht insbesondere um eine gewisse Analogie zwischen der US- und NATO-Strategie zu Jugoslawien und zur Ukraine. An der kleinen Hilfe wird weiter gearbeitet. Dafür konnten auch Partner aus der Ukraine, Russland und Serbien gewonnen werden.

Als in Berlin „die Mauer“ fiel, gab es drei Hauptoptionen für die europäische Entwicklung:

  1. Die Schaffung eines kollektiven Sicherheitssystems, das Russland, die USA, alle europäischen Staaten einschließt und an den OSZE-Normen orientiert ist
  2. Eine zwei-Säulen-Machtstruktur, die sich auf die EU und die Westeuropäische Union WEU einerseits und Russland wie die ost- und mitteleuropäischen Staaten andererseits stützt und die NATO im Hintergrund belassen würde
  3. Eine NATO unter US-amerikanischer Führung, die die europäische Politik relevant beeinflusst, die OSZE marginalisiert und die WEU wie EU mehr oder weniger kontrolliert. Dabei würde Russland letztendlich ausgegrenzt, seine Interessen würden verletzt, das Land geschwächt.

Für die tendenziell realisierte dritte Option waren die Aufnahme Polens in die NATO und der Fall Jugoslawien hochrelevant. Deutschland hatte und hat einen enormen Anteil an Option C), an der jugoslawischen bzw. Balkantragödie, an den dramatischen Problemen in Europa und in der EU. In den frühen 90igern arbeiteten herrschende Kreise in den USA intensiv an der Option C). Allerdings waren nicht alle Mächtigen in der EU daran so stark interessiert wie das Vereinigte Königreich. Frankreich wollte ein eigenes militärisches Kommando, Deutschland liebäugelte mit einem Euro-Corps um seine Achse mit Frankreich. Dabei ging es Deutschland vor allem um eigene Machtansprüche, die es kurz nach dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik deutlich machte. Nachdem Ungarn und Österreich das Auseinanderbrechen Jugoslawiens mit befördert hatten, hatte Deutschland im Sommer 1991 Slowenien und Kroatien als selbstständige Staaten anerkannt. Dabei wusste man sehr wohl, dass man damit die Interessen der kroatischen Serben wie auch die OSZE-Prinzipien verletzte. Wenngleich das Auseinanderbrechen Jugoslawiens mit den Folgen US-amerikanischer Politik zusammenhing, waren eine Destabilisierung auf dem Balkans und europäische Grenzveränderungen zunächst nicht im Interesse der USA. Mit dem blutigen taktisch-strategischen Spiel im Bosnien-Konflikt aber kam Option C) endgültig zum Zug: Die USA nahmen die deutsche Strategie, mit der bosnischen und der kroatischen Regierung eine Allianz gegen die bosnischen und kroatischen Serben zu bilden, an. Diese wurden dann zunehmend aus Bosnien und Kroatien vertrieben. Kroatien wollte die bosnischen Kroaten integrieren und Milosevic die Kontrolle über die bosnischen Serben. 1999 kollabierte der albanische Staat und destabilisierte Serbien wie Mazedonien weiter. Während die USA eine massenhafte Auswanderung der Albaner verhindern wollten,  hatte die nationalistische Bewegung für ein größeres Albanien schon längst eingesetzt. Sie war hochbewaffnet und griff die Serben im Kosovo an. Milosevic ließ schießen und wurde von den USA zum Hauptschuldigen und -feind erklärt. Dabei hatten die USA zuvor selbst die UCK als kriminelle Organisation bezeichnet. Aber ein NATO-Krieg gegen Serbien sollte einer USA-Führungsrolle sehr entgegenkommen: Russland wurde so Überlegenheit gezeigt, in Europa wurde NATO-Macht demonstriert und zementiert. Zu deren Achse zählt keineswegs zuletzt die Partnerschaft Deutschland – USA, die in der Partnerschaft EU-USA fortgesetzt wird. (bis hier siehe Gowan).

Nunmehr geht es der NATO um neuen Einfluss in Osteuropa und die Ukraine bietet sich an. Die Regierung in Kiew hat zum Kampf gegen den Terrorismus mobilisiert und erfährt die Unterstützung des Pentagon. Dieser Kampf wird vom Nationalen Sicherheits- und Verteidigungskomitee RNBOU – Рада національної безпеки і оборони України – geführt, das von Svoboda und dem Rechten Sektor kontrolliert wird. Dmytro Yarosh, Neo-Nazi-Chef des Rechten Sektors im ukrainischen Nationalparlament, steht der Nationalgarde, einer vorgeblich loyalen Bürgerwehr vor, die im März mit Hilfe westlicher Militärberater geschaffen wurde. Das paramilitärische Training mit NATO-Spezialisten hat im Norden von Kiew stattgefunden. Die Nationalgarde ist völlig unabhängig von der Armee und der Polizei und soll auf 60.000 Personen wachsen. Mitte März waren schon 20.000  schon unter Waffen. In der Ostukraine hat die Nationalgarde das Mandat erhalten, „reguläre Militäreinheiten, die sich gegen eine befürchtete russische Invasion verteidigen, aufzustocken … Intendiert ist, als eine Armee zur Aufstandsbekämpfung zu agieren”. Mitglieder der Nationalgarde können Seite an Seite mit Neo-Nazis, die offen nazistische Symbole tragen, marschieren und „eingreifen“. Die Aktionen der Nationalgarde werden vom Nationalen Sicherheits- und Verteidigungskomitee RNBOU koordiniert, das von den zwei neonazistischen Parteien kontrolliert wird. Die Morde an den Zivilisten in Odessa gehören einer sorgfältig geplanten militärischen Agenda, die sowohl die Nationalgarde als auch den bewaffneten Neo-Nazi-Mob als „Pro-ukrainische Aktivisten“ bezeichnet. Die Toten von Odessa gehen nicht erst zuletzt auf das gemeinsame Konto von US-amerikanischen NATO-Bediensteten, und ukrainischen Nationalisten bzw. Neonazis. Selbst offizielle Medien in Israel thematisierten, dass der Aufruf zum Bürgerkrieg von den Neonazis aus der Regierung kam! Der russische Verteidigungsminister Sergey Shoigu hat mal leider einfach Recht, wenn er von einem einzigartigen drastischen Aufrüsten der NATO in unmittelbarer Nähe der russischen Grenze spricht (siehe dazu die Beiträge auf Globalresearch).

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