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cover_mlEine Rezension von Peter Streiff

Die Krise in Griechenland ist etwas aus den Schlagzeilen verschwunden – umso notwendiger sind fundierte Informationen und Analysen aus erster Hand. Das aktuelle Buch aus dem SPAK-Verlag leistet beides, auch wenn die Berichte von Besuchen in meist neu entstandenen solidarökonomischen Initiativen und Gruppierungen leider etwa ein Jahr alt sind. Doch ist der Wert der umfangreichen Analyse zu gesellschaftlichen Entwicklungen nicht hoch genug einzuschätzen.
Die griechische Bevölkerung kämpft als Folge von Bankenkrise und aufgezwungener Austeritätspolitik mit dem Zusammenbruch der Wirtschaft, mit Arbeitslosigkeit, Armut, einem kaum mehr funktionierenden politischen System und mit gesellschaftlicher Desintegration. Doch der Widerstand ist und bleibt groß. Immer mehr Griechinnen und Griechen nehmen ihre Versorgung, den Zusammenhalt des Gemeinwesens und die Suche nach Alternativen selbst in die Hand: Sie bauen eine Solidarische Ökonomie von unten auf. Lisa Mittendrein analysiert die Grundlagen und Dynamiken der Solidarischen Ökonomie in Griechenland seit Krisenbeginn. Sie stellt konkrete Projekte vor und lässt deren AktivistInnen zu Wort kommen. Sie untersucht die Frage, was Solidarische Ökonomie in der Krise für Einzelne wie für die Gesellschaft leisten kann und zeigt: Solidarische Ökonomie ist auch gemeinsame Selbsthilfe und sie hat transformatorisches Potenzial für die Gesellschaft. Spannend ist der Ansatz der Autorin, ihre Eindrücke vor Ort mit vielen Originalzitaten lebendig zu gestalten und gleichzeitig ihre analysierende Sichtweise von außen nicht aufzugeben. Ein lesenswertes und lebendiges Zeitdokument, das Hoffnung macht.

Lisa Mittendrein: Solidarität ist alles, was uns bleibt – Solidarische Ökonomie in der griechischen Krise (Verlag AG SPAK Bücher, ISBN 978-3-940865-55-7, 2013, 208 Seiten, 16 EUR)

Solidarität ist alles was uns bleibt (Kurze Leseprobe als PDF)

Diese Rezension erschien zuerst in CONTRASTE, der Monatszeitung für Selbstorganisation (Ausgabe Januar 2014). CONTRASTE erscheint seit fast 30 Jahren und hat soeben ihre neue Internetpräsenz freigeschaltet.

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