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„Ohne einen entschiedenen Richtungswechsel in der Energiepolitik ist die Welt auf dem Weg in ein unsicheres, ineffizientes und kohlenstoffreiches Energiesystem.“ Das wurde bei der Präsentation der jüngsten Ausgabe des World Energy Outlook (WEO) der Internationale Energieagentur (IEA) am 11. November erneut klargestellt. Der Welt-Energie-Ausblick beweist, „dass die Handlungsspielräume immer kleiner werden“.

IEA Chefökonom Fatih Birol erklärte: “Die Regierungen müssen stärkere Anreize für Investitionen in effiziente, kohlenstoffarme Technologien geben. Das Reaktorunglück von Fukushima, die politischen Unruhen im Nahen Osten und in Nordafrika sowie der stark gestiegene Energiebedarf im Jahr 2010 zeigen, vor welch drängenden Herausforderungen wir stehen.”

Die Herausforderungen werden allerdings nicht in sozialökologischer Transformation gesehen.

Die WEO arbeitet seit Jahren mit Szenarien. Ihr zentrales Szenario – das der neuen energiepolitischen Rahmenbedingungen – sagt aus, dass entsprechend der beschlossenen Regierungsmaßnahmen der Primärenergiebedarf zwischen 2010 und 2035 um ein Drittel steigen wird. Davon entfallen ca. 90 Prozent auf Länder, die  nicht der OECD angehören. China als global größter Energieverbraucher wird 2035 beinahe 70 Prozent mehr Energie brauchen als die Vereinigten Staaten. Der Anteil fossiler Energien am globalen Primärenergieverbrauch sinkt von heute 81 auf 75 Prozent. Das Wachstum der erneuerbaren Energien von 13 auf 18 Prozent wird durch Subventionen gestützt, die laut WEO-Szenario von 64 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 auf 250 Milliarden US-Dollar wachsen. Die Subventionen für fossile Brennstoffe betrugen 2010 ca. 409 Milliarden US-Dollar.

Die kurzzeitig unter Druck geratenen Ölmärkte werden sich laut WEO schnell wieder entspannen. Der durchschnittliche Ölpreis bleibt allerdings mit 120 US-Dollar pro Barrel (zu Preisen 2010 Preisen) auch 2035 hoch. Die Abhängigkeit von einer kleinen Produzenten-Anzahl steigt: mehr als 90 Prozent des gestiegenen Ölbedarfs werden bis 2035 vom Nahen Osten und Nordafrika gedeckt. Der Ölverbrauch steigt bis 2035 von 87 auf 99 Millionen Barrel pro Tag. Den größten Anteil daran hat der Transportsektor in den Entwicklungs- und Schwellenländern.

Der Kohleverbrauch wächst bis 2035 um 65 Prozent. China ist heute für fast die Hälfte der weltweiten Kohlenachfrage verantwortlich. Effizientere Kraftwerke und Technologien zur Kohlendioxidabscheidung und –Speicherung seien daher laut WEO vonnöten. Diese Technologien könnten aber nur breit genutzt werden, würden die gesetzgeberischen, politischen und technischen Hindernisse ausgeräumt.

Fukushima habe erneut die Frage nach der künftigen Rolle der Atomenergie aufgeworfen. Das zentrale WEO-Szenario konzipiert, dass die Kernenergie bis 2035 um mehr als 70 Prozent zunimmt. Das könnte sich allerdings ändern. Der Energie-Ausblick enthält daher ein „Niedrig-Nuklear-Szenario“, das eine Atomenergie-Halbierung annimmt. Es zeigt, „dass erneuerbare Energien zwar deutlich angekurbelt würden, dass aber gleichzeitig die Energieimporte stärker zu Buche schlagen, Energieunsicherheit wachsen und Klimaschutz teurer und schwieriger würden.“

Der Erdgas-Anteil am Energie-Mix steigt und wird 2035 fast das Ausmaß der Kohle erreichen. Davon würde Russland profitieren. Der WEO enthält drei Sonderkapitel zu Russland.

Das zentrale WEO-Szenario prognostiziert einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 3,5°C. Würden die jüngst angekündigten politischen Maßnahmen nicht realisiert, würde die Durchschnittstemperatur um sechs Grad steigen. „Mit jedem Jahr, das ohne klare Signale für Investitionen in saubere Energien vergeht, wird es schwerer und teurer, unsere Ziele bei Energiesicherheit und Klimaschutz zu erreichen“, sagte Fatih Birol. Das belegt auch das „450 Szenario“ des WEO. Es besagt, dass für jeden Dollar, der bis 2020 nicht in saubere Energie investiert wird, nach 2020 zusätzlich 4,3 Dollar investiert werden müssen, um die erhöhten Emissionen zu kompensieren (vergleiche die Presseerklärung).

Ob dies überhaupt möglich ist, darf bezweifelt werden.

Und in diesem Kontext sollte angemerkt werden, dass das DenkwerkZukunft zurecht alarmiert: Deutschland verfehlt den Großteil seiner ohnehin bescheidenen umweltpolitischen Ziele: Bis 2015 sollten die Artenvielfalt und Landschaftsqualität ihr Niveau von 1975 in etwa wiedererlangt haben. Allerdings ist in den zurückliegenden fünf Jahren der Index „Artenvielfalt- und Landschaftsqualität“ jährlich um durchschnittlich 1,8 Prozent gefallen.

Der Anteil der Binnenschifffahrt an der Güterbeförderungsleistung ist in der Vergangenheit um drei Prozent jährlich gesunken.

Auch die Personentransportintensität ist weiter gestiegen.

Bei weiteren Indikatoren werden die Ziele, trotz einiger Erfolge, ebenfalls deutlich verfehlt. Das gilt auch für die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche. Zwar konnte der Flächenzuwachs von 2004 bis 2009 um jährlich vier Prozent reduziert werden, aber das ist viel zu wenig.

Beim Anteil des Schienenverkehrs an der Güterbeförderungsleistung, bei der Gütertransportintensität sowie der Energie- und Rohstoffproduktivität ist der Trend hochgradig ungünstig.

Bei der Entwicklung der Anteile erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch und bei der Reduzierung der CO2-Emissionen sieht es formal wesentlich optimistischer aus. Allerdings wäre noch zu prüfen, was hier als „erneuerbar“ gilt und wie sich die ökologischen Auswirkungen des deutschen Primärenergieverbrauchs insgesamt entwickeln. Schließlich kann der Übergang zur Nutzung von Erdgas in Deutschland wirklich CO2-Emissionen reduzieren, was aber nichts zu den Folgen am Förderort und an der Transporttrasse sagt.

siehe www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/ Publikationen/Fachveroeffentlichungen/UmweltoekonomischeGesamtrechnungen/Umweltindikatoren/Indikatoren__5850012119004,property=file.pdf

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